Bericht einer Abwürge-Angsthäsin

Mein Fahrschulwagen hatte einen Dieselmotor

Sibylles Bericht einer Abwürge-Angsthäsin

Vorbemerkung: Ängste können schon vor der Fahrschulausbildung entstehen. Leider aber auch in der Ausbildung, wenn Fahrlehrer schlampig ausbilden. In vielen Fahrschulen laufen heute Dieselautos. Das hat mit der Ausbildung eigentlich nichts zu tun. Die Fahrlehrer wollen halt Geld sparen, weil der Diesel günstiger ist. Das ist wohl eine Illusion, denn sparen lässt sich mit dem Dieselauto nur durch ungewöhnlich hohe Kilometerleistungen. Bei normalem Fahrbetrieb ist der Dieselmotor einfach teurer. Was ebenfalls gegen den Dieselmotor spricht sind die giftigen Abgase, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen.

Aber hier geht es um die Ausbildung. Der Dieselmotor verleitet zu schlampigem Anfahren, denn er ist schon im unteren Drehzahlbereich mit viel Drehmoment gesegnet, verzeiht auch Anfahren, ohne Gas zu geben. Wenn Fahrlehrer hier nicht gegensteuern und auf korrektes Anfahren mit etwas Gas und Schleifkupplung Wert legen, dann sind ihre Schüler/innen später nicht in der Lage, mit einem Auto mit Benzinmotor richtig umzugehen. Nachlässige Fahrlehrer produzieren mit ihrer schlampigen Ausbildung langfristig Ängste. Diese beschreibt ja die ehmalige Fahrschülerin Sibylle weiter unten sehr anschaulich. Nur: von den Ängsten kriegen die Fahrlehrer nichts mit, sie machen einfach weiter. Ja, ich gebe es zu, ich (F.M) bin erbost über diese pädagogisch faulen Kollegen. Aber jetzt zu Sibylles Bericht:

Ich habe mich sehr spät entschlossen, den Führerschein in Angriff zu nehmen. In einer größeren Stadt ist das nicht unbedingt erforderlich, die Anbindung an den öffentlichen Personen-Nahverkehr ist gut. Und ich wollte nicht zu den vielen Frauen gehören, die zwar einen Führerschein besitzen, aber nicht mit dem Auto fahren. Deshalb stand für mich von vornherein fest, wenn ich den Führerschein habe, dann kaufe ich mir auch sofort ein Auto und fahre los. Denn wie schon ein altes Sprichwort sagt: “macht die Übung den Meister.“

 

Eine Fahrschule mit einem sehr netten und kompetenten Fahrlehrer war auch schnell gefunden. Die Ausbildung war gut und gründlich und ich freute mich auf mein neues Leben als Autofahrerin. Die Prüfungen - sowohl theoretisch als auch praktisch - schaffte ich beim ersten Anlauf, ein schnuckeliges kleines Auto fand sich mit Hilfe der Familie auch und so stand einer glücklichen Autofahrer-Zukunft nichts mehr im Wege – nur ich selber- wie ich bald feststellen sollte.

Korrektes Anfahren und langsames Fahren mit Gas und schleifender KupplungIch war auf den Benzinmotor nicht vorbereitet

Meine Fahrschulausbildung absolvierte ich in einem Wagen mit Dieselmotor, mein eigenes Auto hat einen Benzinmotor. Ich hätte nie gedacht, dass mir dieser Unterschied so zu schaffen machen würde. Beim Anfahren gab ich zu wenig Gas und das Auto ging aus. Das passierte zwar nicht immer, aber meistens dann, wenn ich es überhaupt nicht gebrauchen konnte, vor allem, wenn ich an einer Ampel oder Kreuzung ganz vorne stand.

Das machte mich immer nervöser, so dass ich mit der Zeit immer öfter abwürgte und vor lauter Aufregung sogar die Sachen nicht mehr konnte, die ich früher tadellos beherrscht hatte. Bei jeder Kreuzung und Einmündung hoffte ich, dass ich nicht anhalten musste. Zwar zwang ich mich immer noch, mehr oder weniger regelmäßig zu fahren, aber der Spaß war dahin. Was blieb war nur noch pure Nervosität.

Und - ich begann zu vermeiden. Denn, wie vorhin schon erwähnt, in einer Stadt muss man nicht unbedingt mit dem eigenen Auto unterwegs sein. Vor jeder anstehenden Autofahrt war ich nervös, mein Magen rebellierte, ich schlief schlecht. GIeichzeitig machte ich mir Vorwürfe, dass ich nicht genug übte. Kurzum, der Stress mit dem Autofahren gewann die Oberhand und beeinflusste inzwischen mein gesamtes Leben negativ. Irgendwann war mir klar, es musste etwas geschehen.

Angsthasentreff und Probefahrt

Glücklicherweise fand ich im Internet die Adresse der Fahrschule „Schaffen Wir“. Ich ging zum ersten Angsthasentreff und stellte dort fest, ich stehe nicht alleine da, sondern es gibt noch viele andere Autofahrerinnen, die Probleme mit dem Autofahren haben. Also beschloss ich, einen Teil meines Urlaubs nicht in den Bergen im Schnee, sondern auf den Berliner Straßen zu verbringen – eine gute Entscheidung. Bei der Probestunde besprach ich mit Herrn Müller meine Ängste, meine Probleme und meine Ziele.

Dann starteten wir zur ersten Probefahrt in eine ruhige Gegend. Wir übten ausführlich das Anfahren und das langsame Fahren. Geduldig erklärte er mir die Technik, gab mir Tipps. Besonders wichtig waren für mich die Hilfen zur Beruhigung. Fehler können jedem passieren, auch dem erfahrensten Autofahrer, man darf sich dadurch nur nicht zu unkontrollierten Handlungen hinreißen lassen. Eine Woche und ein paar Tage kurvten wir durch Berlin und erhöhten schrittweise die Schwierigkeit. Wir übten ausführlich am Berg und das Einparken und kämpften gegen meinen „Fluchtreflex“ - wie wir ihn spaßhaft bezeichneten. Gleichzeitig fuhr ich selber zu Hause mit meinem eigenen Auto.

Mit dem eigenen Auto

Dann kam die letzte Fahrstunde. Die wollten Herr Müller und ich in meinem eigenen Auto absolvieren. Da ich nicht in Berlin wohne, war es schon eine Herausforderung, mit meinem Auto anzureisen. Ich fuhr die Strecke erst einmal zur Probe in Begleitung. Es klappte ziemlich gut, obwohl es ein sonniger Sonntagnachmittag war und die Straßen in Berlin gut frequentiert waren.

Als der Tag der letzten Fahrstunde - ein Montag - nahte, beschloss ich dann doch, den Montagmorgenverkehr zu meiden und mein Auto schon am Sonntag nach Berlin zu fahren. So viel Stress wollte ich mir dann noch nicht antun, zumal ich keine Begleitung finden konnte und die Aufgabe alleine erledigen musste. So machte ich mich dann am frühen Sonntagmorgen auf den Weg und schaffte die Fahrt fast fehlerfrei. Auch die Fahrt am nächsten Tag mit Herrn Müller durch Berlin klappte zufriedenstellend. Herr Müller gab mir noch einige gute Hinweise und entließ mich ich mein weiteres Autofahrerdasein.

Ich muss zugeben, dass der Stress und die Nervosität mich noch nicht vollständig aus ihren Fängen entlassen haben. Aber ich bin auf einem guten Weg. Wie sagt man doch so schön: „Gut Ding will Weile haben.“ Ich versuche positiv zu denken und lobe mich für gelungene Fahrten. Ich habe mir beruhigende positive Sprüche ausgedacht wie z. B. „In der Ruhe liegt die Kraft, weil man mit Ruhe alles schafft.“

Zukünftig werde ich das Autofahren in mein Leben integrieren. Z. B. an einem Tag in der Woche zur Arbeit fahren oder zum Einkaufen immer einen anderen, weiter entfernten Supermarkt ansteuern. Ich habe mir eine Übungsstrecke ausgesucht, die die Auffahrt auf die Autobahn und die Schnellstraße sowie das Fahren auf Landstraße und in verkehrsberuhigten Bereichen enthält. Schon eine Woche vorher werde ich mir einen Plan machen, wann ich wohin fahre und halte mich daran, auch wenn sich der innere Schweinehund meldet. Dann habe ich an den anderen „autofreien“ Tagen kein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht geübt habe.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mir diese Strategie und eine gute Portion Biss und Durchhaltevermögen zum Ziel verhelfen werden, eine gelassene Autofahrerin zu werden. Und falls ich doch wieder Hilfe brauche, dann weiß ich ja, wo ich sie bekomme.

Vielen Dank, liebes Schaffen-Wir-Team!

 


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