Die Angst vor der Fahrprüfung überwinden
"Das laute Sprechen hat mir sehr geholfen!"
Die Angst vor der Fahrprüfung überwinden:
Interview mit dem ehemaligen Fahrschüler Leo F.
Vorbemerkung: Leo ist 24 Jahre alt, Student der Betriebswirtschaft. Er kommt zu uns von einer anderen Fahrschule, hat schon dreimal die Fahrprüfung nicht bestanden. Im folgenden Interview sind der Name und der Beruf geändert.
Das Interview wurde aufgezeichnet am 30.01.2009.
L = Leo
F = Frank, sein Fahrlehrer bei der Fahrschule Schaffen Wir
F: Leo, schön, dass Du heute die Prüfung geschafft hast. Deine Prüfungsfahrt war in Ordnung. Du hast fleißig gelernt, warst gut vorbereitet. Wie war das bei der anderen Fahrschule? Hast Du dort ausreichend geübt?
L: Die Ausbildung war in Ordnung. Die eigentliche Prüfungsvorbereitung war dagegen schlecht. Vor der ersten Prüfung unternahm der Fahrlehrer mit mir gerade mal eine Testfahrt. Anschließend wurden die Fehler besprochen und die Strecke nochmal gefahren. Das war's, dann ging es in die Prüfung.
Angst bei der Fahrprüfung
F: Wie hast Du die Prüfung erlebt?
L: Es war wie ein Schock. Der Prüfer war freundlich, daran lag es nicht. Aber die Situation, Du sitzt am Steuer, wirst pausenlos beobachtet und bewertet, das hat mir schwer zu schaffen gemacht.
F: Was habt Ihr, Du und Dein Fahrlehrer, zwischen den nicht bestandenen Prüfungen geübt?
L: Es gab jeweils drei bis vier normale Fahrstunden, sonst nichts.
F: Welche Gefühle hattest Du in den Prüfungen?
Prüfungsnervosität
L: Ich war nervös, wurde von einer Prüfung zur anderen nervöser, habe Fehler gemacht, die ich sonst nicht gemacht hätte. Wie gesagt, ich kannte das Gefühl nicht, dass einer hinten sitzt und Dich bewertet.
F: Wie äußerte sich die Prüfungsnervosität?
L: Ich hatte schon von vornherein ein mulmiges Gefühl, mein Herz schlug schnell, meine Beine zitterten. Vor allem am Anfang der Prüfungsfahrt hatte ich damit zu kämpfen. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren.
F: Wie waren Deine Prüfer?
L: Der erste freundlich, die beiden anderen eher unfreundlich.
Angst und Fehler
F: Warum bist Du denn durchgefallen?
L: In der ersten Prüfung war ich bei einer abknickenden Vorfahrstraße zu schnell. Die zweite war schon nach zehn Minuten zu Ende. Wir fuhren in einer Baustelle, dort war ich sehr unsicher und habe ein darauf folgendes Stop-Schild übersehen. In der letzten Prüfung bin ich beim Abbiegen zu schnell an einem dort wartenden Fußgänger vorbeigezogen. Jedenfalls fühlte ich mich bei allen drei Prüfungen schwer unter Druck.
F: Wie ging es nach der dritten Prüfung weiter?
L: Mein Fahrlehrer schlug mir vor, zuerst zu pausieren, wieder zu üben und dann erneut in die Prüfung zu gehen. Da merkte ich: So durfte es nicht weitergehen, immer derselbe Trott. Ich hätte auf diese Art noch zehnmal durchfallen können. Dann suchte ich im Internet und fand Eure Fahrschule.
Bewältigung der Prüfungsangst
F: Was hat Dir geholfen?
L: Wir haben viele Testfahrten gemacht, manchmal fuhr hinten ein Fahrschüler mit. Und Du hast verschiedene Prüfer-Typen gespielt. Außerdem waren wir ganz oft auf der Prüfstelle, haben dort geübt und sind von dort aus losgefahren. Wir sind nach meinem Eindruck tief in die Prüfatmosphäre eingetaucht, ich habe mich daran gewöhnt.
F: Was war noch gut für Dich?
L: Ich habe laut gesprochen und meine Fahrten auf diese Art kommentiert. Das habe ich auch schon ein bisschen in der alten Fahrschule gemacht, aber da war es eher verpönt. Aber Du fandest das sehr gut. Wenn ich z.B. in einer Einbahnstraße war, habe ich laut gesagt: „Die Autos links von mir stehen in meiner Richtung, ich fahre in einer Einbahnstraße. Wenn ich links abbiegen soll, werde ich mich links einordnen.“
F: Was hat es Dir gebracht?
L: Für mich hatte das laute Sprechen und Kommentieren meiner Fahrt drei gute Wirkungen:
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Ich habe den Stoff dadurch besser abgespeichert. Im Falle der Einbahnstraße war mir die Sache also völlig klar im Gedächtnis.
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Ich war in der Lage, mich auf die vorliegende Aufgabe zu konzentrieren, war nicht abgelenkt. Ich konnte auch nicht an irgendwelche vergangene Fehler denken.
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Meine Nervosität wurde geringer, weil ich wusste, dass ich die Sache überblickt und im Griff habe. Mir war klar, dass ich in der Einbahnstraße richtig reagieren würde, wenn der Prüfer jetzt verlangt hätte „nach links abbiegen!“.
Ich kann Menschen mit Prüfungsangst nur raten, in der Prüfung ebenfalls laut zu sprechen.
F: Ich kenne noch eine gute Wirkung des lauten Sprechens: Der Aten normalisiert sich, die Prüflinge atmen weder zu hektisch, noch gar nicht mehr. Leider ist die Aufregung manchma so groß, dass das Atmen kurz mal völlig eingestellt wird. Du hast das laute Sprechen dem Prüfer vorher angesagt, so haben wir es besprochen. Welche Wirkung hatte die Ansage auf Dich?
L: Zuerst war ich skeptisch, der sollte ja nicht denken, ich wäre bekloppt. Aber das war dann ganz in Ordnung. Er hat von mir erfahren, dass ich prüfungsnervös bin, gleichzeitig habe ich ihm gesagt, ich hätte mir was dagegen überlegt. Das hat mir etwas von der Nervosität genommen. Gut war auch, dass Ihr Euch während der Prüfung unterhalten habt.
F: Das hast Du Dir so gewünscht.
L: Ich hatte immer die Angst, wenn Ihr beide schweigt, sieht das so aus, als ob sich der Prüfer auf mich fixiert und mich lauernd beobachtet. Ich weiß, das ist eigentlich Blödsinn, aber so habe ich nun mal empfunden.
F: Es gibt auch Prüflinge, die wünschen sich, dass beide schweigen. Sie fühlen sich sonst in ihrer Konzentration gestört. Das muss man eben vorher aushandeln. Wie fandest Du die Übungen mit verschiedenen Prüfertypen?
Angst vor Beobachtung überwinden
L: Sehr gut. Du hast mir zwar ein paar Mal gesagt, dass die Prüfer so nicht sind. Aber das war eben die Sorge in meinem Kopf, ich könne nicht ruhig bleiben bei einem bestimmten Typ.
F: Welchen meintest Du?
L: Den Beobachter. Du hast mich dabei stumm angeschaut, mit Kuli und Notizblock in der Hand. Sobald etwas vorkam, oder auch, wenn gar nichts war, hast Du Notizen gemacht. Das hat mich zu Anfang sehr nervös gemacht. Aber am Schluss war mir das so egal, es war einfach Gewöhnung.
F: Was war mit den anderen beiden Typen, dem Fehler-Vorhalter und dem Grantigen? Ich habe Dich sogar mal angeschnauzt: „nun fahren Sie mal schneller, Sie halten den ganzen Verkehr auf!“
L: Die haben mich nicht sehr beeindruckt. Außerdem, so ein guter Schauspieler warst Du nicht, Du musstest selbst dabei lachen. Aber der Beobachter, das war zuerst hart.
F: Ich habe Dir ein paar Mal versichert, dass die Prüfer freundlich und sachlich sind. Sie sind nicht Deine Gegner. Das Problem ist eher, was sich in Deinem Kopf abspielt.
L: Ich gebe es zu, ich hatte Schwierigkeiten, die Prüfer richtig einzuschätzen.
Fehlerangst
F: Hattest Du Angst, Fehler zu machen?
L: Die hat jeder Prüfling. Durch meine vorangegangenen negativen Prüfungen war diese Angst sogar größer geworden. Aber wir hatten ja vor der Prüfung geübt, Fehler zu machen und wieder auszugleichen. Abwürgen, falsches Einparken, langes Stehenbleiben an Kreuzungen – ich hab da einiges mitgemacht. Dabei ist mir klar geworden, dass man nicht perfekt fahren kann. Besser, man hat gelernt, Fehler wieder zu bereinigen.
F: Das sind gute Übungen. Ich glaube aber, der entscheidende Punkt ist vor allem Hektik. Die macht Euch armen Prüflingen am meisten zu schaffen. Dann gibt es nur noch Zufallsentscheidungen, keine begründeten Entscheidungen.
L: Ja, Hektik ist übel. Aber dagegen half wieder das laute Sprechen und Vorausplanen der Situationen. Ich wusste dadurch meistens schon einigermaßen, wie es weitergehen würde.Außerdem hatten wir vorher schon oft einen, wie Du es nennst, „Angsthasenfahrstil“ geübt. Ich muste eher langsam, vorsichtig, zurüchaltend fahren, um Zeit für Entscheidungen zu haben. Das fand ich im Nachhinein sehr wohtuend.
F: In den ersten drei Fahrrprüfungen hast Du Ängste aufgebaut. Wie ist es denn mit anderen Prüfungen, z.B. an der Uni?
L: Bei schriftlichen Prüfungen, aber auch bei Vorträgen oder Referaten, fühle ich mich ganz wohl. Ich habe Zeit, es gibt weniger Hektik. Einen bestimmten Stoff zu bearbeiten und wiederzugeben bin ich gewohnt. Außerdem kommuniziere ich bei Referaten mit anderen. Das liegt mir sehr.
F: Und die Fahrprüfung?
L: Ich muss eine Tätigkeit vorführen, das ist ungewohnt. Außerdem war mir die Rolle der Prüfer bis zum Schluss nicht ganz klar.
F: Aber jetzt hast Du es geschafft, schön!
L: Ich hätte eher zu Euch kommen müssen, dann hätte ich mir einige schlechte Erfahrungen erspart.
F: Vielen Dank für das Gespräch. Und alles Gute für Dich.