Keine Angst vor dem Auto, keine Angst vor dem Autofahren

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"Eine wunderbare Erfahrung, wieder mit Freude fahren zu können und dem Dämon Angst die Macht genommen!" (aus dem Bericht einer Angsthäsin)

Keine Angst vor dem Auto, keine Angst vor dem Autofahren: Fahrängste und Stress im Auto mit Hilfe der Fahrschule Schaffen Wir Schritt für Schritt bewältigen.

Die Betreuung von Angsthasen und Angsthäsinnen in der Fahrschule Schaffen Wir

Vorbemerkung: Menschen mit Fahrängsten auszubilden, so dass sie wieder gerne fahren und sich gewandt und sicher im Verkehr verhalten, das ist nicht leicht. Aber es ist auf jeden Fall eine spannende, menschlich sehr befriedigende Aufgabe, jemandem beizubringen, wieder ohne Angst zu fahren, der vielleicht jahrelang unter seinen Ängsten gelitten und das Fahren völlig vermieden hat. In den folgenden Ausführungen werden Sie einiges über unsere Arbeit und Methoden des Umgangs mit Fahrängsten und mit Stress im Auto erfahren.

Wir wussten nicht, als wir damit anfingen, wie solch eine spezielle Ausbildung von Angsthäsinnen oder Angsthasen beschaffen sein muss: Wie es gehen soll, dass Menschen mit allen mögliche Ängsten - Prüfungsangst, Unfallangst, Angst vor anderen Verkehrsteilnehmern oder Angst vor der Autobahn -, dass diese Menschen mit Fahrängsten so weit kommen könnten, wieder ohne Angst und fröhlich und sicher zu fahren.

Und es geht wirklich, das zeigen die vielen positiven Ergebnisse unserer Arbeit und die vielen ermutigenden Berichte unserer ehemaligen Angsthäsinnen. Natürlich mussten wir viel dazulernen, haben auch Fachliteratur gewälzt und mit Psychologen gesprochen und zusammengearbeitet. Aber am wichtigsten waren bei unserem Dazulernen die vielen Tipps der Betroffenen selbst, die als "Fachleute in eigener Sache" am besten wussten, was ihnen aus ihrer Angst half. Wir mussten sie nur ernst nehmen!

Inzwischen ist die Angsthasenbetreuung ein Schwerpunkt unserer Arbeit geworden. Viele unserer Angsthäsinnen haben sich schon am Ende der Betreuung schmunzelnd mit unserem Plüschhasen auf dem Arm knipsen lassen und fahren nun selbständig, ohne Angst hinterm Steuer. Sie fahren, sie wissen auch, dass sie weiter an sich arbeiten müssen, aber sie fahren! Und wir haben zusammen mit ihnen die Grundlagen gelegt, sicher zu fahren und mit den Fahrängsten besser umzugehen. Schön!

Unsere Fahrschulpraxis

Die Fahrschule Schaffen Wir GmbH ist zuallererst eine ganz normale Fahrschule. D.h. Fahrschüler/innen aus unserer Umgebung (z.B. Berlin Neukölln, Kreuzberg) melden sich bei uns an, und wir bilden sie aus bis zum Führerschein.  Wir halten auch Aufbauseminare für Fahranfänger und Punktetäter ab. Und schließlich gibt es bei uns auch spezielle Kurse zur Vorbereitung auf die MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung).

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Betreuung von Angsthasen/häsinnen. Es sind vor allem Frauen, nur wenige Männer, die Probleme mit dem Auto und dem Straßenverkehr haben.

Sie kommen nicht nur aus Berlin, sondern auch aus ganz Deutschland zu uns. Für diejenigen, die außerhalb Berlins zu uns angereist kommen (z.B. aus München, Stuttgart, Köln, Hannover, Hamburg...) bieten wir eine kompakte Einzelausbildung an. Dies gilt auch für Angsthasen/Angsthäsinnen ohne Führerschein, die die Führerscheinausbildung anderswo abgebrochen haben und bei uns vollenden wollen. In diesem Falle helfen wir auch bei der Erledigung der bürokratischen Pflichten.

Bei der Unterkunftssuche sind wir behilflich. Wir arbeiten mit studentischen Wohngemeinschaften zusammen, die Wohnraum anbieten, billig, aber naturgemäß nicht so komfortabel. Wir können auch ein immer noch preiswertes, familiär geführtes Hotel in der Nähe der Fahrschule vermitteln.

Wer auf den Preis achten muss: Unsere Preise sind moderat, und, verglichen mit anderen Gegenden Deutschlands, sehr günstig. Und die Kosten für Lebenshaltung in Berlin sind schon mehr als günstig. So hat schon manche Angsthäsin am Schluss des Trainings erstaunt festgestellt, dass die Gesamtkosten (einschließlich Unterkunft und An- und Abreise) immer noch günstiger waren als eine Fahrschulausbildung z.B. im Süden Deutschlands.

Stressbewältigungs-Seminar in der FahrschuleAm wichtigsten aber ist die Tatsache, dass Sie bei uns mit Ihren Problemen in besten Händen sind. Wir bieten ein einzigartiges Konzept an, das Fahrtraining mit den Methoden des Angstabbaus zu kombinieren. Davon können Sie sich hier und auf den folgenden Seiten informieren.

Wer uns gerne eine Email schicken möchte, weil er/sie spezielle Fragen hat oder sich nach unserer Ausbildung erkundigen möchte, kann dies gerne tun: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Geschichtliches zur Angsthasenausbildung

Der Name „Angsthäsinnen“ für Frauen mit Fahrängsten stammt von einer Magdeburger Initiative, die in dieser Sache zum ersten Mal tätig geworden ist. Diese Initiative ging nicht etwa von einer Fahrschule aus, sondern sie entstand aus einem Zusammenschluss von engagierten Menschen, die sich um Probleme angstgeplagter Fahrerinnen und Fahrer mit dem Auto und dem Straßenverkehr kümmern wollten. Die Magdeburger Initiative hat sich allerdings dann doch nur nur um Frauen gekümmert, die schon einen Führerschein haben. Dies lag zum einen daran, dass sich auf die Initiative nur angstgeplagte Frauen, keine Männer, gemeldet haben (das lag nicht an der Initiative, die auch gern angstgeplagte Männer betreut hätte, es kamen einfach keine). Zum anderen, dass man mit den Fahrschulen nicht in Wettbewerb treten wollte und daher nur angstgeplagte Menschen mit Führerschein betreute. Die eigentliche Ausbildungsarbeit wird von Fahrlehrern im Ruhestand geleistet. Inzwischen ist der Magdeburger "Autoclub der Angsthäsinnen" in der "Beratungsstelle für Frauen und Familien in Sachsen-Anhalt" aufgegangen. Dieser Verein bietet den Frauen Rechtsvermittlung, Erste Hilfe, Pannenhilfe, Rechtsschutz und psychologische Beratung zum Angstabbau an.

Die Magdeburger Initiative hat auch zum ersten Mal den Namen "Angsthäsinnen" eingeführt. Das ist nun sozusagen eine Art Ehrentitel geworden und hat nichts Diskriminierendes an sich. Die Frauen bekommen zu Beginn der Betreuung einen Angsthasen oder ein ähnliches Stofftier überreicht. Am Schluss der Ausbildung werden Urkunden überreicht, und sie werfen den Stoff-Angsthasen feierlich in die Höhe und damit weg. Soll heißen: jetzt sind wir frei von Angst.

Bei uns ist es Brauch, den netten Stoffhasen zum Schluss des Trainings nicht in die Höhe zu werfen, sondern ihn zum Abschied noch einmal zu knuddeln und zu streicheln.

Angst vor dem Auto, Angst vor dem Autofahren, Stress im Auto?

Die Fahrschule Schaffen Wir betreut schon lange und erfolgreich Angsthäsinnen und Angsthasen, mit oder ohne Führerschein. Es gibt selbstverständlich auch (männliche) Angsthasen, aber die Mehrzahl dieser Menschen ist doch weiblich. Angsthäsinnen haben vor oder bei der Führerscheinausbildung oder später, als Fahrerinnen, schlimme Erfahrungen gemacht. Die schlechten Erfahrungen können vom technischen Gerät, dem Auto, selbst herrühren, oder sie beziehen sich auf das  Autofahren in schwierigen Verkehrssituationen, wie Fahrstreifenwechsel im schnellen Fließverkehr.

2.-Reihe-Parker - was tun?Aber meistens ging oder geht es um Stress mit Menschen: z.B. den eigenen Männern oder Fahrlehrern, die ausgebildet haben oder anderen Verkehrsteilnehmern, die Ärger oder Angst bereitet haben. Eine andere Gruppe ist immer wieder durch die Fahrprüfung gefallen, bis das Selbstbewusstsein gelitten hat Wieder andere Angsthäsinnen haben Unfälle erlitten, von denen sie gedanklich nicht mehr losgekommen sind. Wieder eine andere Gruppe fürchtet sich davor, in bestimmten räumlichen Situationen wie großen Lkw auf der Autobahn oder überhaupt auf der Autobahn Schwindel, Atemnot, oder gar Panikanfälle zu erleiden.

Viele Angsthäsinnen leiden unter der Vorstellung, wenn sie sich als Fahrerinnen wieder in den Verkehr begäben, besonders in den Schnellverkehr, würde dies Unfälle nach sich ziehen. Und aus Angst vor den womöglich schrecklichen Folgen ziehen sie sich immer mehr in ihr Schneckenhaus zurück.

Die Probleme können leicht sein, so dass schon wenige Stunden und ein paar Gespräche genügen, um sie wieder fit und unbeschwert in den Verkehr ziehen zu lassen. Oder sie können schwieriger sein. Dann braucht es längeres Training und mehr Gespräche, um sie wieder so weit zu bringen, dass sie gerne und sicher fahren können. Erschwerend kommt bei vielen dieser angstgeplagten Menschen dazu, dass sie wegen ihrer schwierigen Probleme das Fahren immer mehr vermeiden, manchmal jahrelang, jahrzehntelang (!) nicht mehr fahren. Wir haben hier schon 20 bis 30 Jahre Fahrvermeidung aus Angst erlebt! Dann muss man, wie in einer normalen Ausbildung, alles von vorne üben, aber zusätzlich immer auch Training zum Angstabbau in die Ausbildung integrieren.

Angsthasen/ Angsthäsinnen - ohne Führerschein

Selbstverständlich gibt es Angstprobleme bei Menschen mit und ohne Führerschein. Hier können wir kaum einen Unterschied ausmachen. Dennoch ist es klar, dass sich bei Menschen ohne Führerschein die Ängste vor allem auf die Fahrlehrer und den Unterrichtsstil und auf die Prüfer und die Prüfung konzentrieren. Als Fahrlehrer haben wir schon unzählig viele Prüfungen mitgemacht und Erfahrungen gesammelt, wie man bei Prüfungsnervosität und Stress beim Autofahren helfen kann.

Eine nicht so große Rolle spielen Probleme wegen der theoretischen Prüfung. Hier geht es nicht nur um Sprach- und Bildungsvoraussetzungen in armen, von Arbeitslosigkeit und hohem Ausländeranteil geprägten Bezirken wie Neukölln oder Kreuzberg. Daran können sich ja auch eine Menge weiterer Probleme anhängen, z.B. starke Versagensängste vor der theoretischen Prüfung, jahrelanges Ausweichen, Bestehen auf Sonderfahrten, wo noch nicht einmal ein paar Theoriestunden absolviert worden sind. Wir achten hier inzwischen im Vorfeld darauf, dass es nicht zu einer solchen Ungleichzeitigkeit kommt und versuchen, frühzeitig zu helfen.

Tatsächlich scheinen Probleme mit der theoretischen Prüfung nach unserer Erfahrung vor allem eine Männerdomäne zu sein. Unser letzter "Kandidat", der wirklich große Probleme mit der Theorieprüfung hatte und diese dazu noch nach Kräften verdrängte, hat es nun tatsächlich nach 5 (!) Jahren geschafft und ist im Besitz des Führerscheins. Dabei hat die ganze Fahrschule, nicht nur die Fahrlehrer, sondern auch das Büropersonal und einige Fahrschüler; engagiert mitgemacht, dem jungen Mann über die Prüfungshürde der Theorieprüfung zu helfen (die praktische Prüfung fiel ihm dagegen leicht).

Auffrischer/ Auffrischerinnen

Eine weitere große Gruppe unserer angstgeplagten Menschen sind Frauen (und ganz wenige Männer), die schlicht und einfach schon sehr lange nicht mehr gefahren sind: 10, 15, 20 Jahre. Hier waren und sind die Gründe für die lange „Abstinenz“ vielleicht nicht so schwerwiegend wie bei den traumatisierten Angsthäsinnen. Ein Umzug vom Land in die Großstadt, Kindererziehung oder berufliche Probleme, Geldmangel, Parkplatzprobleme. Zu dieser Gruppe gehören auch Frauen, die als junge Erwachsene eine traumatische Erfahrung gemacht haben, lange Zeit nicht gefahren sind, und deren böse Seelenwunden nach dieser langen Zeit immer mehr vernarbt sind. Eigentlich hätten sie nun Lust, wieder zu fahren, jedoch wie geht denn das noch?

Nach der langen Fahrabstinenz gibt es nun reichlich Probleme im Umgang mit dem Auto: Fahrtechnik, Abbiegen, Schulterblicke, Fahrstreifenwechsel, Parken, Autobahn – alle einmal erworbenen Fähigkeiten sind mehr oder weniger dahin geschwunden. Und die Fähigkeiten sind nicht nur auf und davon, sondern sie lassen sich auch nur mühsamer wieder antrainieren als bei jungen Fahrschülern/innen. Und nicht nur die Fähigkeiten sind geschwunden, sondern leider auch das Selbstbewusstsein.

Hier bedarf es, das sei vorweggeschickt, einer sehr einfühlsamen Pädagogik, die auf die völlig anderen Lernvoraussetzungen dieser Gruppe eingeht. Als Pädagoge wird man für das Engagement reichlich belohnt; denn diese Gruppe von Spätentwicklern/innen zeichnet sich aus durch große Motivation und durch hohes Verantwortungsbewusstsein im Verkehr.

Fahrangst - angeschlagenes Selbstbewusstsein

Angsthasen/häsinnen haben viele Ängste. Sie glauben, sie schaffen oder können das Autofahren nicht, denn es drohen in ihrer Vorstellung üble Konsequenzen. Die einen sehen in den anderen Verkehrsteilnehmern oder in Beifahrern eine Art gesichtslose Monster, die darauf versessen sind, sie zu jagen und fertig zu machen. Die anderen glauben in Unfallsituationen zu geraten, in denen schlimme Verletzungen oder gar der Tod drohen. Wieder andere sorgen sich vor allem, schon allein durch ihre Anwesenheit könnten sie die anderen "stören". Oder sie befürchten alles und jedes, vor allem, selbst Unfälle zu verursachen. Eine bedeutende Gruppe wiederum hat Angst beim Schnellfahren auf der Autobahn oder beim Überholen von Lkw. In diesen Situationen verschwimmt der sonst scharfe Augeneindruck, es drohen Schwindel und Panik.

Meistens ist das Selbstbewusstsein schwer angeschlagen, so dass sie sich nichts mehr zutrauen. Dazu kommt, dass nach der langen, angstbedingten Fahrvermeidung die Fahrfähigkeiten geschwunden sind, also Angst vor dem Umgang mit dem Auto.

Der erste Schritt - und den müssen Sie als Betroffene selber tun - ist zu sagen: "So geht es nicht weiter. Ich lande mit meinem Verhalten immer weiter in der Sackgasse. Jetzt unternehme ich etwas!!" Wenn Sie sich erst einmal überwunden und den ersten Schritt zu einer qualifizierten Fahrschule getan haben, so ist die Ausbildung bis zum vorläufigen Zwischenschritt doch zu schaffen. Der Zwischenschritt lautet, sicher und unbeschwert von Ängsten fahren zu können. Zwischenschritt deswegen, weil Sie hinterher nicht nachlassen dürfen. Sie müssen weiter gegen aufflackernde, angstbedingte Vermeidungstendenzen ankämpfen, Sie müssen sich ein festes, in den Alltag integriertes Fahrprogramm angewöhnen, Sie müssen angstbesetzte Fahrsituationen aufsuchen. Nur so gibt es die Chance, dass die Ängste langfristig verblassen.

Menschen mit Fahrängsten brauchen qualifizierte Betreuung und Ausbildung

Voraussetzung für das Angsthasen-Training sind eine einfühlsame Betreuung und ein speziell auf die besonderen Erfahrungen und das Lernverhalten abgestimmtes Ausbildungsprogramm. Und das Allerwichtigste: Wir dürfen sie mit Ihren Ängsten nicht allein lassen oder diese gar zurückweisen oder wegreden, sondern wir müssen sie ernst nehmen!

Ausbildungsbeginn im ruhigen IndustriegebietMit einer normalen Fahrschulausbildung kommt man bei diesen Menschen nicht weiter. Es muss schon was Besonderes sein. Viele Angsthäsinnen haben während der Ausbildung bezeichnenderweise die Fahrschule gewechselt, weil das Klima schlecht war und die Ausbildung ihrer besonderen Lage nicht gerecht wurde. Leider haben sich Fahrschulen bzw. Fahrlehrer an die Sache angehängt, die nichts von den besonderen Problemen angstgeplagter Menschen verstehen und schlicht und einfach durch die Ausschöpfung aller geschäftlicher "Nischen" die notleidende Kasse füllen wollen.

Zu einer qualifizierten Ausbildung von Angsthäsinnen und Angsthasen gehören unserer Erfahrung nach mehrere Komponenten:

  1. Erstgespräch und Probestunde zu Beginn der Ausbildung:

    Damit wollen wir uns gemeinsam ein Bild über die Lage der betroffenen Angsthäsin machen. Wie sind die Ängste entstanden, welcher Art sind sie, wie intensiv sind sie? Wie lange wurde das Fahren vermieden? Wie sieht es aus mit der Fahrpraxis? Nach dem Gespräch und der Probestunde setzen wir uns noch einmal zusammen und ziehen gemeinsam ein Fazit. Dann überlegen wir auch wie es weiter geht, stellen gemeinsam einen Betreuungsplan auf.

  2. Seminare zur Bewältigung von Angst und Stress:
    Die Fahrschule Schaffen Wir bietet allen Angsthasen/häsinnen regelmäßig an Donnerstagen Seminare zur Bewältigung von Angst und Stress an. Diese dienen der gemeinsam Aussprache über Probleme, die Teilnehmer drücken. Am Schluss eines jeden Seminarabends versuchen wir, ein ausgewähltes Problem gemeinsam zu lösen. In jeder Seminareinheit wird den Teilnehmerinnen Hintergrundwissen vermittelt: Beispielsweise über den Ablauf und die Ziele der Betreuung, über die Bedeutung von Angst und Stress und über die Bewältigung von Angst und Stress. Jede Teilnehmerin sollte am Schluss der Betreuung vier Seminareinheiten abvsolviert haben. Diese Seminare kosten nicht extra, sondern sind mit dem Grundbetrag mitbezahlt.
  3. Betreuung in Fahrstunden, die an die besonderen Voraussetzungen der Angsthasen angepasst sind:

    Dabei suchen wir die angstmachende Situation auf, Schritt für Schritt, behalten uns aber immer die Möglichkeit für einen Rückzug vor. Wir gehen davon aus, dass die Angst ernst genommen werden muss, aber wir meiden sie nicht, sondern gehen stufenweise in die Angstsituation hinein!
    Die Ausbildung verläuft dabei immer zweigleisig, einmal als Fahrschul-Ausbildung, dahinter und zusätzlich aber als Anti-Angst-Training. Oft ist das letztere, nach anfänglicher Übung mit dem Auto, viel wichtiger: 
    - Viel Fahrtechnik und Fahrzeugtechnik, Vollbremsübung, Park- und Rangierübungen, Fahren im Parkhaus
    - Steigerungsübungen in den angsteinflößenden Situationen (Engstellen, Fahrstreifenwechsel, Autobahneinfahrt), aber unbedingt verbunden mit entsprechender Vorbereitung und Entspannungsübungen.
    In allen Situationen müssen Angsthäsinnen die Wahlmöglichkeit haben: Entweder die Situation zu bewältigen oder sich zurückzuziehen. Daher üben wir z.B. beim Fahrstreifenwechsel wegen eines Parkers in 2. Reihe immer auch das Stehenbleiben; oder bei der Autobahneinfahrt wählen wir zu Anfang ganz bewusst kombinierte Ein- und Ausfahrten, bei denen es möglich ist, nicht einzufahren, sondern gleich wieder abzufahren
    - viel selbständiges Fahren und vor allem selbständiges Fahren nach Zielvorgabe, um Selbstbewusstsein aufzubauen
    - jeder weitere Schritt auf der "Erfolgsleiter" darf nur kombiniert mit Entspannungsübungen erfolgen und mit der Möglichkeit, sich fahrerisch zurückzuziehen. Wird die Angst zu groß, dann müssen wir wieder reduzieren und zu einfacheren Situationen zurückkehren.

    • Übungen zum Umgang mit körperlichen Überreaktionen und Stress im Auto (z.B. Schwitzen, Muskelstarre, Kurzatmigkeit, Schwindel, Black-out, Panikgefühle):
      Über solche Übungen lässt sich sofort ein günstiger Einfluss auf die überbordende Angst nehmen, die nun von dieser Seite aus konkret angegangen wird. Die Übungen verlaufen in zwei Richtungen: 
      erstens, wie kann ich z.B. Schwitzen vermeiden oder wenigstens so lindern, dass es mich beim Fahren nicht mehr gefährlich stört (Frischluft, Klimaanlage, lockere Kleidung - Zwiebelschalenprinzip - , feuchtes Handtuch, Fahrpause); 
      zweitens, was passiert denn, wenn ich schwitze, ist das wirklich so bedrohlich, oder kann ich damit umgehen? 
      Wir lassen also ganz bewusst mal schwitzen und schauen, wie es weitergeht.
    • Gespräche und Analysen angstmachender Situationen:
      vor allem der ursprünglichen traumatischen Situation. Beispiel: Angsthäsin hat Angst vor sozialer Beobachtung und Belastung. Sie parkt ein, eine Gruppe junger Männer schaut zu, äußert sich womöglich abfällig. Anderes Beispiel: Auffahrunfall, Unfallkontrahent ist wütend und äußert sich zynisch über die Fahrfähigkeiten der Angsthäsin. Diese Gespräche und Analysen finden nicht im Auto, sondern in der Fahrschule statt. Wir wollen in den Gesprächen die traumatische Fahrsituation wieder ans Licht bringen, realistisch betrachten und sie dadurch weniger bedrohlich lassen. Ziel wäre eine Einstellungsänderung, eine andere, rationale und menschlichere Betrachtung der Lage:
      Die anderen Verkehrsteilnehmer sind dann nicht mehr gesichtslose, angsterzeugende Monster, sondern Menschen, z.B. nette Menschen, die helfen, aber auch Arschlöcher, die Mist machen. Es ist eben ein himmelweiter Unterschied, ob ich in den anderen gleichförmig bedrohliche Monster sehe oder wie auch immer handelnde, unterschiedliche Menschen, nette, durchschnittliche, blöde... Und zweitens, ob ich denen hilflos ausgeliefert bin, oder mich ihnen gegenüber als handelnder, selbstbewusster Mensch verhalten kann.
    • Übungen im Angsthasenfahrstil:
      Viele Angsthasen/häsinnen fürchten höheres Tempo und hier insbesondere den "Zwang", schnell eine Entscheidung treffen zu müssen. Sie fühlen sich dann überfordert, fürchten, das Falsche zu tun, die Kontrolle zu verlieren, in eine Unfallsituation zu geraten. Tatsächlich zeigt sich an diesem Punkt der Kern einer Ausbildung zum Angstabbau - nämlich auch in solchen Situationen den Zwang rauszunehmen, Entscheidungen, auch zum Anhalten, zu ermöglichen. Wir nennen das "Du-musst-nicht-Übungen". Wir halten also bei einer mehrspurigen Fahrbahn und einem Parker in zweiter Reihe ganz bewusst an, wechseln nicht den Fahrstreifen, sondern warten, bis der ganze Verkehrsraum bis zum Horizont frei ist. Erst dann wird in aller Ruhe und frei von Angst gewechselt. Für die meisten ist dieser zwangsfreie Ablauf eine richtige Wohltat. Erst, wenn sich durch diese Übungen die Angst gelegt hat, können wir steigern und vielleicht auch mal wechseln, wenn ganz entfernt am Horizont ein Auto auftaucht.
    • Mitfahren mit anderen Angsthasen/Angsthäsinnen,
      um deren Probleme kennen zu lernen und dabei zu sehen, dass auch andere Angstprobleme haben und sich davon befreien können
  4. Weitere Ausbildung der Angsthasen/häsinnen zur Selbstständigkeit gegen Ende des Kurses:

    Dazu gehören vor allem praktische Übungen mit dem eigenen Auto in der Verkehrsrealität, die ihrer Lage gerecht werden, bis genügend Selbstbewusstsein da ist, um auch alleine zu fahren.
    Wir fahren dann zuerst zusammen im eigenen Auto. In dieser Situation  kann der Fahrlehrer kaum mehr eingreifen, nur noch kommentieren oder raten. Nächste Etappe: Fahrlehrer setzt sich auf den Sitz hinten rechts. Höhepunkt ist das Vorausfahren im eigenen Auto, gefolgt vom Fahrschulauto, geleitet durch Funk. Bei dieser abschließenden Übung ist vorausgesetzt, dass ein eigener Führerschein vorhanden ist. Wenn kein eigenes Auto vorhanden ist, können wir helfen, eines günstig zu mieten.
    Hausaufgaben: Ist ein eigenes Auto vorhanden, dann ist es sehr hilfreich, wenn wir bestimmte Hausaufgaben besprechen und zu Hause mit dem Auto üben lassen. Bedingung: Die Übung muss bei der Ausbildung schon absolviert worden sein und einigermaßen geklappt haben. Beispiel: Anfahren am Berg, Kupplungswaage, Anfahren am Berg ohne Handbremse (mit Springen zum Gas und Auffangen mit der Kupplung); Parkübungen. Zweite Bedingung; Mitfahrer oder Mitfahrerin sind nett und nicht autoritär, belehrend. Das geht also dann keinesfalls, wenn die Betreffende gerade wegen des Mitfahrers ein Problem hat!

  5. Wie geht es nach der Betreuung und der Bewältigung der Fahrängste weiter?
    Wir wissen aus vielen Gespräche, Email-Kontakten, dass es mit dem Angsthasen-Training in der Fahrschule allein nicht getan ist. In Wirklichkeit ist jetzt entschlossenes Weiterüben und immer wieder Aufsuchen angstmachender  Situationen gefordert, möglichst integriert ins alltägliche Verhalten (Arbeitswege, Kinderbetreuung, Urlaub). Selbstverständlich ist es Teil unserer Gespräche, mit den Betroffenen zu überlegen, wie es auf richtigem Wege weiter gehen kann. Wir versuchen, möglichst in Verbindung zu bleiben, bitten um Berichte, damit andere und auch wir daraus lernen können. Jedenfalls können wir mit einiger Zuversicht bestätigen, dass unser Konzept angenommen wird, dass die Betroffenen gerne daran mitarbeiten, und dass hinterher, bei hartnäckiger Weiterarbeit im Alltag, die Ergebnisse sehr erfreulich sind.

Psychologische Betreuung

In besonders schwierigen Fällen raten wir Angsthäsinnen, ein psychologische Praxis aufzusuchen und dort eine Behandlung zu beginnen. Und manche äußern selbst den Wunsch, therapeutisch behandelt zu werden. Besonders schwierige Fälle sind all die Fälle, bei denen die Begleiterscheinungen besonders belastend sind, z.B. wenn Panikattacken auftreten. Und es sind vor allem komplexe, d.h. vielschichtige Fälle, bei denen es nicht nur oder vorzugsweise um Fahrängste geht,  sondern viele Lebensbereiche betroffen sind. In solchen Fällen wird eine therapeutische Behandlung sich nicht auf die Fahrängste beschränken, sondern in weitere Lebensbereiche und Lebensabschnitte vordringen. Dann muss die Fahrausbildung eventuell warten, bis dieser grundsätzliche Behandlungsabschnitt abgeschlossen ist. Ihr Therapeut wird, soweit er von den Kassen zugelassen ist, einen begründeten Antrag zur Behandlung stellen, so dass, bei Genehmigung, die Kosten der Behandlung von der Kasse übernommen werden.

Die mit unserer Fahrschule kooperierenden Verhaltenstherapeuten bieten zwei mögliche Behandlungsformen an:

  1. Seminare zum Stressabbau und zum entspannteren Umgang mit anderen

  2. Einzeltherapiestunden zur Lösung von Lebensproblemen und zur Befreiung von bedrückenden Ängsten

Kluge und kompetente Fahrlehrer wissen, wo ihre Grenzen sind. Wir können bei den geschilderten schweren Fällen nicht die therapeutische Praxis ersetzen, sondern ihr höchstens zuarbeiten.

Wir raten nach unseren Erfahrungen zu einer Verhaltenstherapie, nicht zu einer Psychoanalyse. Im Falle einer Behandlung sollte das weitere Vorgehen unbedingt zwischen Fahrlehrer und Psychologen abgesprochen werden. So kann es z.B. wichtig sein, dass der Psychologe/ die Psychologin bei Fahrübungen mitfährt oder mit dem Fahrlehrer bestimmte Aufgaben einplant.


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