Ratschläge und Informationen für Menschen mit Fahrangst und Stress im Auto

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Wie bewältige ich meine Angst vor dem Auto oder vor dem Autofahren?

Ratschläge und Informationen für Menschen mit Fahrangst und Stress im Auto

Der Ablauf der Betreuung in der Fahrschule Schaffen Wir

Sie haben im Internet recherchiert und sich mit Bekannten beraten. Nun steht fest, dass Sie sich für die Betreuung der Fahrschule Schaffen Wir interessieren. Sie wissen, dass wir Ihnen  ein  Programm zur Überwindung von Fahrangst und Stress im Auto anbieten. Sie möchten gerne wissen, was da auf Sie zukommt, wie der zeitliche und organisatorische Ablauf ist und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Darüber finden Sie im folgenden nähere Informationen. Das Ziel aller Bemühungen sollte sein, dass Sie zum Schluss ohne Fahrängste und ohne Stress im Auto wieder sicher und entspannt fahren. Motto: Mehr Mut zum Autofahren!

Einführendes Gespräch

Dass Sie sich überhaupt für die Fahrangstbetreuung in der Fahrschule entschieden haben, ist ein großer Schritt für Sie. Damit haben Sie schon viel geschafft. Sie möchten nun gern wissen, wie es weitergeht. Wir müssen nun zusammen mit Ihnen etwas Hintergrundwissen erarbeiten, Sie sollen uns kennen lernen, und wir möchten gerne mit Ihnen über einen genaueren Plan Ihrer Betreuung bei uns nachdenken. Dazu müssen wir uns Zeit nehmen (zwischen einer halben und einer Stunde) und zusammen sprechen.

Wir laden Sie also zuerst zu einem einführenden Gespräch ein. Dabei überlegen wir mit Ihnen, wie sich ihre Ängste oder ihren Stress im Auto entwickelt haben (typische Stationen wären z.B. Familie, Partnerschaft, Führerscheinausbildung, Fahrprüfung, Zeit danach, weitere belastende Situationen), welcher Art sie sind (Angst vor dem Auto, Angst vor dem Verkehr, Angst vor Beifahrern, Panik auf der Autobahn ...) und vor allem wie schwer sie sind. Bei schweren Ängsten, die das ganze Leben, nicht nur das Fahren, einschränken, raten wir zu einer Therapie (Verhaltenstherapie). In einer Therapie lernen Sie unter Anleitung eines Therapeuten, Ihre Ängste zu verstehen, zu kontrollieren und besser mit Ihnen umzugehen. Auf Antrag übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Auch im Falle einer Therapie werden Sie wahrscheinlich weiter mit uns zusammen arbeiten. Wir können die fahrpraktische Konfrontation übernehmen. Der Therapeut spricht mit Ihnen über Ihre quälenden, blockierenden Angstgedanken. Wir fahren mit Ihnen mit dem Fahrschulwagen in angstauslösende Situationen, wo  Sie lernen, die Angst auszuhalten und zu mildern.


Der wichtigste Teil des einführenden Gesprächs ist die Antwort auf die Frage: Was können wir in Ihrem Falle tun, wie können wir Ihnen helfen? Wir bieten Ihnen eine Fülle von Möglichkeiten, aber die brauchen Sie wahrscheinlich gar nicht alle wahrzunehmen. Entscheidend für Sie ist, dass Sie die Schritte der Angstbewältigung kennen lernen, die wir als "SchaffenWir-Methode in 7 Schritten" bezeichnen:

  1. Ängste akzeptieren, ernst nehmen
  2. Körperliche Symptome benennen, sich entspannen können
  3. Gedankenfalle überwinden
  4. Autofahren auffrischen
  5. Angsthasenfahrstil pflegen
  6. Vermeidung vermeiden
  7. Selbständig fahren

Beginn: Phase der Orientierung - erster Schritt zur Bewältigung von Fahrangst und Stress im Auto

Nach dem einführenden Gespräch beginnt für Sie eine Phase der Orientierung. Sie nehmen noch keine Fahrstunden, belegen auch kein Seminar, sondern versuchen gemeinsam mit uns herauszufinden, wie es mit Ihnen weitergeht. Und Sie lernen die SchaffenWir-Methode zur Bewältigung der Fahrängste in der Praxis zu verstehen.

Ratgeber Bewältigung von Fahrängsten und Stress im Auto

Wir empfehlen Ihnen, zu Beginn den von uns (F. Müller u. H.J. Ruhr) geschriebenen Ratgeber über die Überwindung von Fahrängsten und von Stress beim Autofahren zu lesen. Hier werden verschiedene Fahrängste und Stress-Situationen im Verkehr dargestellt, vor allem wird an vielen Beispielen aus der Praxis die Anwendung der SchaffenWir-Methode gezeigt.

Angsthasentreff

Angsthasentreff in der Fahrschule Schaffen WirSie sind herzlich eingeladen, eines der regelmäßig statffindenden Treffen von Angsthasen zu besuchen. Dabei geben wir Ihnen einen Überblick über unsere Methoden der Angstbewältigung. In einer lockeren Diskussionsrunde können viele Fragen beantwortet werden. Schön ist auch, dass Sie andere Menschen kennen lernen, denen es genauso geht wie Ihnen. Beim Angsthasentreff erklären wir Ihnen auch die Bedeutung und den Ablauf der Kurse zur Bewältigung von Angst und Stresss.

Mitfahren

Nehmen Sie auch die Gelegenheit wahr und fahren Sie bei Fahrstunden anderer Angsthasen mit. Das kostet Sie nichts, ist aber sehr informativ. Sie können sich mit dem/der anderern unterhalten und zuschauen, welche Probleme es gibt, wie es in der Praxis funktioniert.

Einführungsgespräch und Probestunde

Wir empfehlen Ihnen, im Anschluss an das einführende Gespräch eine Probestunde zu nehmen. Dabei kann der Fahrlehrer feststellen, ob noch Kenntnisse nach langer Zeit wieder aufgefrischt werden müssen, welcher Art und wie stark die Ängste sind und wie die Angstbewältigung in der Praxis vorangeht.

Hauptphase: Angsthasenbetreuung in Theorie und Praxis

Die eigentliche Angsthasenbetreuung umfasst folgende Teile:

  1. Seminare gegen Fahrangst und Stress im Auto (jeden zweiten Donnerstag, 18 - 19.30 Uhr)
  2. Evt. Einzelsitzungen beim Therapeuten
  3. Einzelgespräche
  4. Betreuungsstunden im Fahrschulwagen zur Auffrischung und Konfrontation mit den Ängsten
  5. Betreuungsstunden in Ihrem eigenen Wagen. Dabei fahren wir auch Ihre "Hausstrecken" ab, bei denen Sie naturgemäß weniger Angst empfinden

Seminare zur Bewältigung von Fahrangst und Stress im Auto

Die Seminare zur Bewältigung von Fahrangst und Stress beim Autofahren sind eine wichtige Ergänzung der praktischen, betreuenden Fahrstunden. Sie gehören zusammen. Es ist ungefährt so wie die theoretische und praktische Ausbildung im normalen Fahrschulbetrieb.

In den Seminaren sitzen Sie in einer lockeren Runde, ohne Tisch. Sie erzählen sich gegenseitig Ihre Geschichte. Sie erfahren dort, wie Stress entsteht, auf welchen Ebenen sich Stress abspielt und wie Stress bewältigt werden kann. Neben diesen Hintergrundinformationen arbeiten Sie in der Gruppe und gemeinsam an praktischen Stressproblemen. Probleme nicht nur aus dem Straßenverkehr, sondern auch aus Ihren persönlichen Erfahrungen und Lebensbereichen. Und Sie lernen, diese gemeinsam in der Gruppe und im Plenum zu lösen.

Da die meisten auch Erfahrungen im Verkehr oder aus den Fahrstunden mitbringen, ergibt sich schnell ein lebhafter Gedankenaustausch. Sie sind nicht allein, sondern werden von anderen verstanden und unterstützt. Mit dem Wissen der Seminare im Kopf fällt Ihnen die praktische Ausbildung und Angstbewältigung im Fahrschulauto leichter. Sie verstehen Zusammenhänge und können Probleme besser lösen. Es ist vor allem die Arbeit an Gedankenblockaden und die Lösung der Gedankenblockaden, die die spätere Praxis so erleichtern. Das gilt für alle Ängste - Angst vor der Autobahn, Angst vor einem Unfall, Angst vor der Fahrprüfung, Angst vor Panik.

Einzelsitzungen beim Therapeuten

Während der Seminare oder der praktischen Betreuung und Angstbewältigung ergibt sich manchmal die Notwendigkeit, allein und ausführlich mit einem Therapeuten zu sprechen. Das kann eine regelrechte Behandlung sein, vielleicht aber auch nur ein besonderes Gespräch.

Einzelgespräche

In Einzelgesprächen versuchen wir, auf die besondere Geschichte des/ der Einzelnen einzugehen und den schwierigen, mit Angstgedanken beladenen Fall gemeinsam zu erforschen und zu lösen. Dies kann beispielsweise bei einem Unfall so geschehen, dass wir den Unfallhergang schriftlich und in Skizzen aufzeichnen, die Angstgedanken dazu mitprotokollieren und zusammen nach anderen Gedanken und Lösemöglichkeiten forschen.

Betreuungsstunden im Fahrschulwagen zur Bewältigung von Fahrangst  und Stress beim Autofahren

Beginn der Ausbildung im verkehrsruhigen Gebiet - von Anfang an keine Angst vor dem Auto, sondern vernünftige KontrolleWenn Sie das Fahren wegen Ihrer Fahrängste längere Zeit vermieden haben, beginnen wir die ersten Betreuungsfahrten immer in einem sehr verkehrsruhigen Gebiet. Der Fahrlehrer fährt Sie dorthin, an Ort und Stelle übernehmen Sie das Steuer. Dort lernen Sie in Ruhe, ohne den ewig drückenden Verkehr, das Auto ohne Angst wieder zu kontrollieren. Das ist für Sie sehr wichtig, um wieder erstes Vertrauen aufzubauen, dass Sie durch Ihre Ängste verloren haben.

Dann geht es in den Straßenverkehr, über ruhige Wohnstraßen, zunehmend lebhafter und dichter. Dabei lernen Sie einen weiteren Schritt der SchaffenWir-Methode kennen, den Angsthasenfahrstil. Sie sollten nun in den meisten Situationen sehr vorsichtig, beinahe übervorsichtig, fahren, um die Kontrolle und Übersicht zu behalten. Nur dann können Sie schwierige Situationen ohne Angst bewältigen und weiter Vertrauen gewinnen. Sie werden bedenklich sein und andere nicht behindern wollen. Diesen kleinen Nachteil müssen wir aber in Kauf nehmen, sonst vergrößert sich Ihre Angst wieder. Auch die von Ihnen befürchteten Folgen einer Behinderung sind meisten nicht so schlimm. (Hier ist übrigens die gemeinsame Arbeit im Stressseminar sehr hilfreich!).

Große Straße, viele Autos, Parker in zweiter Reihe: Stehen bleiben, warten, bis alle weg sind, keine Angst mehr vor dem Verkehr!Ein Beispiel: Große, breite Straße, viel Verkehr auf allen Fahrstreifen. Wir üben Fahrstreifewechsel. Vor Ihnen ein Lkw in 2. Reihe. Im Spiegel sehen Sie auf dem Nachbarfahrstreifen schnellen Verkehr heranbrausen. Eine Lücke ist zwar zu sehen, sie wird aber zusehends kleiner. Ein geübter Autofahrer würde nun "mit Stoff" in die Lücke ziehen. Sie tun das nicht, denn Sie haben Angst, Diese Gefühl respektieren wir. Sie bleiben hinter dem Lkw stehen, warten in Ruhe, bis alle nachfolgenden Pkw weg sind. Dann können Sie endlich in Ruhe wechseln.

So gehen bzw. fahren wir in alle schwierigen Situationen in Ruhe hinein. Selbst die von vielen gefürchtete Autobahn verliert so ihren Schrecken. Sie fassen Vertrauen, werden selbstbewusster und fahren dann, aber auch erst dann, ein bisschen flotter. Jederzeit können Sie sich aber wieder auf den Angsthasenfahrstil zurückziehen.

Den Schluss dieser Phase bildet das Fahren mit Ihrem eigenen Wagen. Dem Fahrlehrer bleiben - außer Ratschläge zu geben - keine Einflussmöglichkeiten mehr. Sie übernehmen die volle Verantwortung als Führerin des Wagens. Das macht diesen Teil der Betreuung so aufregend, aber auch förderlich! Wichtig ist nun, vor allem auf Ihren "Hausstrecken" zu üben, auf denen Sie auch später selbständig fahren wollen. Für viele Angsthasen ist es ein großer Unterschied, ob der Fahrlehrer bei Fahrten mit dem eigenen Wagen vorne (Normalfall) oder hinten auf der Rückbank sitzt. Der zweite Fall ist stressiger, muss gerade deswegen trainiert werden.

Schlussphase: Selbständiges Fahren, keine Angst mehr vor dem Autofahren

Die Schlussphase umfasst folgende Teile:

  1. Weiteres betreutes Fahren mit dem eigenen Wagen
  2. Selbständiges Fahren
  3. Letztes Einzelgespräch

Sie ertragen es inzwischen, dass bei Fahrten mit Ihrem eigenen Wagen der Fahrlehrer hinten auf der Rückbank mitfährt. Sie haben intensiv Angstbewältigung geübt und sind Ihre Hausstrecken abgefahren. Der letzte Schritt der SchaffenWir-Methode heißt "selbständiges Fahren". Das ist Ihr wichtigstes Ziel. Für manche Angsthasen ist dies besonders dringend, weil sie auch nach der Prüfung immer nur in Begleitung gefahren sind, in dieser Zeit immer ängstlicher wurden und schließlich lange Zeit aufgehört haben. Sie sind noch nie in ihrem Leben allein gefahren. Aber das wollen wir ja ändern und verbessern.

Selbständiges Fahren während der Betreuung

Wir achten schon während der Ausbildung darauf, dass Sie selbständig fahren. Die meisten Angsthasen haben schon den Führerschein. Da das selbständige Fahren für Angsthasen besonders belastet ist, müssen wir dies sorgfältig vorbereiten. Wir können erst damit beginnen, wenn Sie bei Fahrten mit dem Fahrschulauto eine bestimmte Reife erreicht haben.

Dann müssen wir zum Erreichen Ihres wichtigsten Ziels noch einmal ganz von vorne anfangen. Wir üben eine von Ihnen gewünschte, sehr einfache Strecke. Diese Strecke üben wir zuerst mit dem Fahrschulauto, z.B. von der heimatlichen Wohnung zu einem Einfkaufscenter und zurück. Dann steigen wir in den eigenen Wagen Fahrt mit dem eigenen Auto, Fahrlehrer hinten rechts - Vorstufe zum selbständigen Fahren(Fahrlehrer ist nun nicht mehr als verständiger Begleiter). Dabei ergeben sich in der Praxis viele neue Schwierigkeiten. Aber manche Teile dieser Strecke könen Sie vielleicht schon allein bewältigen, z.B. das Ein- und Ausparken. Der Fahrlehrer steht dabei auf dem Gehweg, berät sie von außen.

Nun kommt aber der entscheidende Schritt: Wir verabreden einen bestimmten, sehr ruhigen Wochentag und eine bestimmte Zeit, dann soll die erste eigene Fahrt losgehen. Meistens entscheiden sich die Angsthasen für Sonntag morgen. Die ersten paar Male klappt es oft nicht, weil unvermutete Schwierigkeiten auftauchten. Dann müssen wir nochmal zusammen üben. Aber irgendwann kommt dann doch eine strahlende Angsthäsin in die Fahrschule: Die Fahrt ist gelungen! Damit ist eine der größten Hürden der Angstbewältigung genommen.

Wenn die erste Fahrt allein geglückt ist, können wir auch mehr Hausaufgaben aufgeben. Wir üben auch die Fahrt von der eigenen Wohnung zur Fahrschule. So kann auch diese Strecke mit dem eigenen Wagen zurückgelegt werden. Das eigene Fahren beflügelt die Fahrschulausbildung so sehr, dass allen klar wird: Das Ziel ist bald erreicht.

Zum Schluss gibt es eine Abschiedszeremonie: Die Angthäsin drückt einen Stoffhasen, ein Foto wird gemacht für die Bildergalerie.

Selbständiges Fahren im Alltag

Sie können Ihre Fahrängste und ihren Stress im Auto nur überwinden, wenn Sie regelmäßig fahren. Jedesmal erleben Sie dabei einen Anstieg der Ängste vor der Fahrt und eine Beruhigung während und nach der Fahrt. Dadurch wird die Angstbewältigung selbstverständlicher.

Um Ihnen den Einstieg ins alltägliche Fahren leichter zu machen, üben wir gegen Schluss der Ausbildung vor allem Ihre alltäglichen Fahrten: Z.B. die Fahrt zur Arbeit, zum Kindergarten, zur Schule, zu den Eltern, zum Arzt, den Beginn geplanter Urlaubsfahrten.

Mit diesen Fahrten beginnen Sie und trainieren dabei immer Angstbewältigung. Mit der Zeit werden Sie geübter. So ist es richtig. Sie sollten aber nicht immer nur Routinefahrten ableisten, sondern auch mal was Neues unternehmen: Eine neue Strecke, eine schwierige Strecke, mal ganz woanders hin. Mieten Sie sich doch mal im Urlaub ein Auto und gondeln Sie irgendwo in Europa damit herum. Es wird Ihnen Freude machen!

Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an uns. Wir helfen Ihnen.Versprochen.


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