Bild des Monats Juni Gefährlicher Jubel bei der Fußball-WM
Bild des Monats Juni
Gefährlicher Jubel bei der Fußball-WM
Das Bild stammt aus der Zeit der WM 2002. Die heutige WM (2010) in Südafrika gibt bis jetzt nur begrenzt Anlass zu jubeln.
Freude und Jubel schalten Vernunft aus
Das Bild wurde aufgenommen bei der Fußball-WM 2002. Nach dem Spiel Türkei - Südkorea, das die Türkei gewann, feierten viele Türken in ganz Deutschland den Sieg ihrer Mannschaft. Sie zogen türkische Fahnen schwenkend, jubelnd und singend durch die Städte. Oft wurde auch ein fahrbarer Untersatz verwendet, wie man hier im Bilde sieht.
Auf dem Bild ist gut zu sehen, wie (verständliche) Freude jede Vernunft ausschalten kann. Soweit, dass Menschen sich in Lebensgefahr bringen.
Am und im Auto sind mehrere junge Menschen zugange. Ein junger Türke sitzt auf dem Dach vor der Frontscheibe, die Füße in den Spalt zwischen Motorhaube und Frontscheibe geklemmt. Er hält jubelnd und lachend die türkische Fahne hoch. Auf der rechten Seite des Golfs haben sich zwei Mitfahrer mit den Oberkörpern aus den Seitenfenstern gelehnt. Sie klammern sich, um Halt zu finden, am Rahmen des geöffneten Schiebedachs fest.
Vor allem der vor der Frontscheibe sitzende junge Mann lebt extrem gefährlich. Der Wagen fuhr, als dieses Foto gemacht wurde, ungefähr 40 km/h. Kurz vor dem Wagen (30 m) befindet sich eine Ampelanlage, die gerade auf Grün geschaltet war. Würde die Ampel jetzt auf Gelb umschalten, müsste der Fahrer entweder bremsen - und das Leben des jungen Mannes riskieren - oder die Kreuzung bei Rot überqueren.
Berechnung: 40 km/h = 12 m/sec. Für 30 m braucht der Fahrer 30/ 12 = 2 1/2 sec. Da die normalen Ampeln nur ca. 2 Sekunden Gelb zeigen, käme er so bei Rot über die Kreuzung. Würde der Fahrer aber wegen Gelb bremsen, so würde der junge Mann nach vorne fliegen und anschließend womöglich überfahren werden.
Aber auch bei jedem plötzlich auftauchenden Hindernis käme der Fahrer sofort in große Not. Der Fahrer ist zudem durch den Jubler in seiner Sicht eingeschränkt, er wird das Hindernis womöglich spät bemerken. Immer wäre dann die schlechte Alternative: Entweder scharf bremsen und das Leben des jungen Mannes gefährden oder in das Hindernis hineinfahren.
Die Polizei hatte sich anlässlich des verständlichen Jubels zurück gehalten.Rechtliche Hinweise - Pflichten des Fahrzeugführers
Aus § 21 a StVO Sicherheitsgurte, Schutzhelme, Abs. 1:
"Vorgeschriebene Sicherheitsgurte müssen während der Fahrt angelegt sein. ..."
Aus § 23 StVO Sonstige Pflichten des Fahrzeugführers, Abs. 1:
"Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. Er muss dafür sorgen, dass das Fahrzeug, der Zug, das Gespann sowie die Ladung und die Besetzung vorschriftsgemäß sind und dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung und die Besetzung nicht leidet. ..."
Zu den Fahnen: Fahnen dürfen nur so am Pkw angebracht werden, dass sie im Blickfeld des Fahrers nicht stören. Also am besten an den hinteren Seitenscheiben. Sie dürfen nur klein sein, da der sonst erhebliche Luftwiderstand zum Abreißen führen könnte. Sie müssen an den hinteren Seitenscheiben stabil befestigt sein. Im Schnellverkehr (Bundesstraßen, Autobahn) dürfen sie nicht verwendet werden, es besteht aufgrund der hohen Windkraft Abreißgefahr!
Fahnen stellen sich dem Fahrtwind entgegen, flattern heftig hin und her. Daher schluckt der Motor bei ihrem Einsatz mehr Kraftstoff. Bei Fahrten im Stadtverkehr mit 50 km/h dürfte das ein Mehrverbrauch von etwa 0,5 l auf 100 km sein.
ch der WM intern verständigt, bei solchen Szenen nicht einzuschreiten, um "den Jubel nicht zu stören". Ob das so klug war?Verhalten: Wie könnte man seiner Freude Ausdruck verleihen und trotzdem sicher fahren?
- der Fahrer sollte als Hauptverantwortlicher für die Sicherheit und die sichere Besetzung des Fahrzeugs sorgen und kein gefährliches Verhalten zulassen
- Fenster herunterdrehen und Fahnen raushalten (aber eher hoch, nicht seitlich)
- Fahnen zum geöffneten Schiebedach hinaushalten
- Autos mit Fahnen und Jubelparolen bekleben
- offenen Bus mieten, von herab Fahnen schwenken
Das wird den Jugendlichen alles zu "fad" sein. Dafür ist es wenigstens sicher...
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