Vorwürfe des ACE: Spekulieren Fahrlehrer auf hohe Durchfallquoten? (blog)

Brauchen Fahrlehrer hohe Durchfallquoten zum Überleben?

Vorwürfe des ACE: Fahrlehrer bilden mangelhaft aus, spekulieren auf hohe Durchfallquoten, zocken ihre Schüler ab

Der ACE, Auto Club Europa, behauptet in einer Pressemitteilung, Fahrschulen in Deutschland gehen es wirtschaftlich schlecht. Deshalb spekulierten sie auf hohe Durchfallquoten ihrer Schüler, um diesen mehr Stunden aufdrücken zu können.

Wer ist der ACE?

ACE heißt ausgeschrieben Auto Club Europa. Der ACE ist mit rund 550.000 Mitgliedern weit nach dem ADAC ein bedeutender Autoclub in Deutschland. Seine Zentrale befindet sich in Stuttgart, ein Hauptstadtbüro in Berlin, um dort Verbindung zur Politik zu halten. Der ACE steht den Gewerkschaften nah.

Im Mitgliedsbeitrag ist auch ein Schutzbrief inklusive. Der ACE leistet Pannenhilfe, veranstaltet Verkehrssicherheitsübungen und startet Kampagnen zur Verkehrssicherheit.

Was behauptet der ACE?

Der ACE hat in einer Pressemitteilung zum 51. Deutschen Verkehrsgerichtstag (23. - 25. 01. 2013) die Fahrschulausbildung in Deutschland kritisiert und möchte diese verbessern. Der Titel der Studie lautet: „ACE: Fahrausbildung modernisieren“

Geld - am besten haben es die, die gar nicht mehr daran müssenDer ACE sieht viele Fahrschulen mit Umsätzen unter 25.000 € im Jahr in einer wirtschaftlichen Notlage. Die Durchfallquote der Fahrschüler in den Fahrerlaubnisprüfungen sei zu hoch (etwa ein Drittel der Prüflinge fällt im Durchschnitt durch). Der ACE sieht einen Zusammenhang zwischen der schlechten wirtschaftlichen Lage der Fahrschulen und der hohen Durchfallquote der Schüler. Die Fahrlehrer dieser Fahrschulen gäben keinen guten Unterricht, ganz im Gegenteil, sie bildeten mangelhaft aus. Sie spekulierten auf eine hohe Durchfallquote, um nach der misslungenen Prüfung mehr Stunden in Rechnung stellen zu können. Für die Schüler, die sowieso über wenig Einkommen verfügten, würde die Ausbildung dadurch immer teurer.

Schlecht sei auch die Überalterung der Fahrlehrer. 17 % der Fahrlehrer, etwa jeder 6., seien über 65 Jahre alt. Der ACE erwähnt dies nur nebenbei, behauptet nicht, dass die Überalterung die Ursache für die hohe Durchfallquote sei.

Deutschland sei der einzige Staat in Europa, bei dem die Fahrausbildung einzig von professionellen Ausbildern betrieben werde. In allen anderen Staaten sei anstatt des professionellen Unterrichts auch freiwilliges, eigenständiges Lernen möglich. Dennoch sei Deutschland im Punkt Verkehrssicherheit nur auf einem Mittelplatz unter den anderen europäischen Ländern:

  • Bei den Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner belege Deutschland nur den 7. Rang (mit 4,5 Toten pro 100.000 Einwohner). Reihenfolge: 1. Island (2,5) 2. Schweden (2,8) 3. Großbritannien (3,1) 4. Niederlande (3,6). 5. Schweiz (4,2) 6. Norwegen (4,2) und 7. Deutschland 4,5

  • Trotz der professionellen Fahrausbildung in Deutschland sei das Unfallrisiko junger Fahranfänger immer noch sehr hoch. Die Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen Fahrer habe gerade mal einen Anteil von 8,2 % an der Gesamtbevölkerung. Sie verursache aber knapp ein Viertel der Unfälle.

  • Als „Erfolgsmodell“ außerhalb der Fahrschulausbildung sieht der ACE das begleitete Fahren ab 17 Jahren, was stimmt. Inzwischen beteiligen sich ungefähr die Hälfte aller Fahrschüler daran. (Der ACE hätte noch erwähnen können – auch das gehört zum Erfolgsmodell -, dass die Unfallzahlen dieser Jugendlichen, wenn sie ab 18 Jahren dann allein fahren, tatsächlich bedeutsam zurückgehen: Sie sind um 23 % weniger an Unfällen beteiligt und begehen um 22 % weniger Verkehrsverstöße als andere Jugendliche mit normalem Führerschein. http://www.bf17.de/wir-ueber-uns/grusswort/ ).

Was will der ACE an der Fahrschulausbildung ändern?

Der ACE sieht in Deutschland mangelhafte Fahrschulausbildung in wirtschaftlich schwachen Fahrschulen, hohe Durchfallquoten der Fahrschüler, hohe Kosten für den Führerschein. Im Ergebnis, angesichts des hohen finanziellen Aufwandes, bleibe aber die Verkehrssicherheit nur auf mittlerem statt auf hohem Niveau.

Der ACE will nach dem Muster der in Europa bei der Verkehrssicherheit erfolgreichen Staaten die Fahrschulausbildung entprofessionalisieren, sie wieder in die Hände der Schüler und ihrer Eltern oder ihrer sozialen Umgebung legen.

Begleitetes Fahren mit Unterstützung der Eltern oder anderer Bezugspersonen im Privatwagen könne schon vor der Führerscheinprüfung erfolgen. Für Theoriekenntnisse brauche es keinen Pflichtunterricht. Diese könnten in Eigenarbeit, durch selbständiges Lernen der Führerscheininteressenten, erworben werden.

Was sagen die Fahrlehrerverbände?

Alle Fahrlehrerverbände weisen in ihrer Antwort auf den ACE darauf hin, dass die Vorwürfe des ACE viel zu pauschal seien. Einzelne schwarze Schafe würden nichts daran ändern, dass die Mehrzahl der Fahrlehrer pädagogisch engagiert arbeite und, genauso wie die Schüler, daran interessiert sei, diese schon beim ersten Anlauf durch die Prüfung zu bringen.

Die Durchfallquote (oder besser Nichtbestehensquote) sei schon sei Jahren auf demselben Niveau. Die Anforderungen an Fahrlehrer und Schüler seien in dieser Zeit immer größer geworden. Regionale Unterschiede (Ausbildung in einer Metropole gegen Landausbildung) und schlechte Bildungsvoraussetzungen machten die Ausbildung teilweise kompliziert und schwierig und ließen die Nichtbestehensquote steigen. Auch die Nervosität der Schüler sei ein wichtiger Faktor für die Durchfallquote.

Leider geht niemand auf die weitreichenden Änderungsvorschläge des ACE ein (Entprofessionalisierung der Ausbildung). Denn wenn sich diese durchsetzen würde, ginge es tatsächlich bergab mit der Verkehrssicherheit und mit unserem Beruf.

Spekulieren Fahrlehrer auf hohe Durchfallquoten, um Kasse zu machen?

Ausbildungsdiagrammkarte der Fahrlehrerverbände für den praktischen UnterrichtDas Argument ist ungefähr so fragwürdig, wie wenn man Baufirmen beschuldigte, schlechte Häuser zu bauen, um an dem Zusammenbruch der Häuser oder zumindest an den Reparaturen zu verdienen. Die Mehrheit der Dienstleister oder Handwerker arbeitet natürlich solide, um sich einen guten Ruf und Folgeaufträge zu verschaffen.

Die überwiegende Mehrheit der Fahrlehrer arbeitet engagiert und solide und möchte mit ihren Schülern zusammen das Bestehen bei der ersten Prüfung. Die Fahrlehrerverbände leisten durch Fortbildung und Dienstleistungen tatkräftige Hilfe bei der guten Ausbildung.

Und doch hat der ACE in diesem Punkt teilweise recht. Leider gibt es eine kräftige Minderheit von Fahrschulen, die aus wirtschaftlicher Notlage – ihrer eigenen oder der ihrer Schüler – mit unsauberen Mitteln arbeitet und auch das häufige Nichtbestehen ihrer Schüler einkalkuliert. Und das sind nicht nur die immer genannten, einzelnen „schwarzen Schafe“. Das sage ich als Berliner Fahrlehrer.

Das Modell funktioniert etwas anders, als der ACE es vorstellt, etwa so: Man lockt die Schüler erst einmal in die Fahrschulen, mit sehr billigen Grundpreisen, vielleicht in Höhe von 10 oder 20 €, oder doch wenigstens mit geringem Grundpreis im Verein mit Geschenken wie Lehrmitteln, Unfallkurs, Sehtest und einer kostenlosen Fahrstunde. Außerdem werden sehr wenige Stunden für die gesamte Ausbildung versprochen.  Man lockt mit einem sogenannten „Paketpreis“, der, so die stillschweigende Behauptung, alles, die ganze Ausbildung, enthalten soll. Die Fahrstunden werden nicht einzeln gebucht oder abrechnet. Im Paketpreis sind fünf oder sechs Fahrstunden und einige Sonderfahrten enthalten. Leider braucht der Schüler aber immer mehr davon.

Schafft der Schüler es nicht mit dem einen Paket, dann heißt es, immer neue Pakete kaufen.

Will der Schüler zur Prüfung, immer gern, ohne ausreichende Schulung, ohne Testfahrten. Die Prüfungspreise der Fahrschule sind hoch. Fällt er durch, dann jammert man mit dem Schüler: Der böse Prüfer war ja schuld. Man setzt auf emotionale Bindung, die Ahnungslosigkeit und das natürliche Beharrungsvermögen der Schüler. Die Fahrschule kassiert bei jedem neuen Paket und bei jeder Prüfung kräftig ab. Mehren sich aber die Prüfungen und ist die Fahrschule sozusagen satt, dann wird der Schüler rausgeschmissen. Man darf die Sache nicht überziehen. Dem Schüler wird bedeutet, er sei leider unbegabt, ein Versager. Leider müsse man sich von ihm trennen, um den guten Ruf nicht zu beschmutzen.

Das Selbstbewusstsein der Schüler ist untergraben, sie stehen als Schwachköpfe da. In dieser Situation werden sie eher nicht zum Smartphone greifen und Freunde über die schlechte Fahrschule informieren. Sie sind nun Opfer geworden.

Leider beschädigen diese Fahrschulen den Ruf der ganzen Branche. Und der ACE trägt mit dazu bei, wenn er alle Fahrschulen mit den unseriös arbeitenden in einen Topf schmeißt. Leider wehren sich auch die Verbände nicht klar genug, wenn sie nur von ein paar „schwarzen Schafen“ reden. Ja, gegen die Arbeit dieser schlechten Fahrschulen muss unbedingt etwas getan werden, und es gibt Möglichkeiten. Doch damit hält sich der ACE leider nicht auf.

Leider drücken und drängeln aber auch Schüler bei den Preisen und versuchen auf Biegen und Brechen, bei den einzelnen Fahrschulen herunter zu handeln. Solch ein Schüler geht dann vielleicht von Fahrschule zu Fahrschule, unterhält sich, bietet 900 € für die komplette Ausbildung. Wird es weniger, darf die Fahrschule den Rest behalten. Wird es mehr, muss die Fahrschule zuzahlen. Das ist illegal und wird nicht schriftlich niedergelegt. Es ist halt nur eine mündliche Vereinbarung. Dennoch kommt die Fahrschule, die sich darauf einlässt, schwer unter Druck.

Eine Fahrschule, der es wirtschaftlich gut  geht, würde diesem Schüler die Tür weisen. Eine andere, die große Schwierigkeiten hat, würde nach jedem Strohhalm greifen und sich womöglich auf das ruinöse Angebot des Schülers einlassen.

Anmerkung: Meine Ausführungen beruhen auf erlebten Tatsachen. Dennoch gibt es darüber keine Untersuchung. Auch der ACE kann seine Behauptungen nich belegen, wonach Fahrschulen in wirtschaftlicher Notlage schlechtere Durchfallzahlen haben als andere. Die Behauptungen beruhen nur auf Vermutungen.

Trägt die unseriöse Arbeit der Fahrschulen dazu bei, dass Deutschland im europäischen Vergleich bei der Verkehrssicherheit nur auf einem mittleren Platz landet?

Mit dieser Behauptung hat der ACE sozusagen den Vogel abgeschossen an falschen Behauptungen. Wir Fahrlehrer sind schuld an allem und jedem – vielleicht sogar an der europäischen Finanzkrise?

Die größte Stadt in Islands Nordwesten, Sauthákrókur, putzig und verkehrssicherSchauen wir uns mal die Länder an, die laut ACE weniger Verkehrstote zu beklagen haben als Deutschland und daher die Arbeit der deutschen Fahrlehrern laut ACE schlecht aussehen lassen:

  • Island, die einsame Insel im Norden: Dort wohnen etwa 320.000 Menschen, die meisten in der Hauptstadt Reikjavik. Auf dem Land fährt vielleicht alle Stunde mal eine geländegängiges Auto durch die herrliche Landschaft. Irgendwie paradiesisch für die Verkehrssicherheit, oder?

  • Schweden: Schweden ist ein landschaftlich reizvolles Land, von der Ausdehnung größer als Deutschland. In Schweden leben nur knapp mehr als ein Zehntel der Einwohner Deutschlands (etwa 9 Millionen). Wunderbare Bedingungen für die Verkehrssicherheit.

  • Großbritannien ist stark bevölkert, hat viel Verkehr. Jedoch ist es schlecht mit Deutschland zu vergleichen, wegen seiner Insellage. Es hat nicht den starken Transitverkehr.

  • Niederlande: Löbliche Ausnahme, Lob!

  • Schweiz: Die Schweiz ist bevölkert, hat viel Verkehr, ist Transitland wie Deutschland, insofern vergleichbar. Warum ist die Schweiz besser in der Verkehrssicherheit - wegen ihrer Fahrschulausbildung? Ich glaube aus einem anderen Grund: In der Schweiz werden Verkehrssünder rigoros verfolgt und bestraft. Kein deutscher Fahrlehrer hätte was dagegen, wenn deutsche Verkehrspolitiker und Polizisten härtere Strafen gegen Verkehrssünder durchsetzen würden. Aber – das liegt leider nicht in unserer Macht. Auch wenn der ACE das vielleicht anders sieht.

  • Norwegen ist mit Schweden zu vergleichen.

Fazit: Die Todesrate im Verkehr in Deutschland gegen die nicht vergleichbarer Länder auszuspielen und vor allem die deutsche Fahrlehrerschaft dafür verantwortlich zu machen, das ist schierer Blödsinn. Berücksichtigt man die Sonderrolle von Ländern wie Island, Schweden, Norwegen und Großbritannien, dann ist Deutschland in der Verkehrssicherheit weit vorn. Dafür gibt es ganz viele Faktoren, die gewachsene Auto- und Straßensicherheit, auch den Einfluss der Medien, sicher auch ein bisschen das Wirken der an sich guten, professionellen Fahrschulausbildung.

Wichtiger wäre, wenn schon, zu beobachten, ob die Todesrate im Verkehr langfristig zurückgeht. Und das tut sie kontinuierlich in Deutschland, nur mit einem kleinen Ausschlag nach oben im Jahr 2011.

Sind wir Fahrlehrer daran schuld, dass sich junge, risikobereite Menschen zu Tode rasen?

So ähnlich behauptet es ja der ACE. Viele Kollegen wenden dagegen mit Recht ein, dass man nicht in drei bis vier Monaten Fahrschulausbildung verfestigte negative Haltungen zum Verkehrsgeschehen korrigieren könne.

Tatsache ist, dass in dieser risikobereiten Gruppe junger Menschen zwischen 18 und 24 Jahren vor allem junge Männer zu finden sind. In den vielen Jahren, in denen ich Aufbauseminare für Fahranfänger mit Verkehrssünden hielt, habe ich dort kaum mal eine junge Frau gesehen, sonst immer nur junge Männer. So ähnlich ging es auch bekannten Kollegen.

Diese jungen Männer, eine feste Minderheit, zeichnen sich durch folgende Haltung und Verhaltensweisen aus (bei Gesprächen im Aufbauseminar und bei den Probefahrten zu beobachten):

  • Sie fahren bei den Probefahrten sofort links, wenn es mehrere Fahrstreifen gibt, also dort, wo die schnelleren Fahrer und die Überholer zuwege sind

  • Sie fahren schnell, beachten die Tempogrenzen nur in äußerst weitem Rahmen (und das, obwohl sie anlässlich der Probefahrt vom Fahrlehrer und mehreren Mitfahrern beobachtet werden)

  • Sie schimpfen auf langsame Fahrer und drängeln. Sie nehmen wenig Rücksicht auf Fußgänger und Schwächere im Verkehr

  • Sie erzählen im Seminar gern Geschichten, wie sie riskante Situationen gerade mal gemeistert oder vielleicht nicht gemeistert haben. Dabei bewundern sie sich gegenseitig und fühlen sich in ihrer Haltung bestätigt

  • Sie hassen die Arbeit der Polizei

Die Aufbauseminare, zugegeben, haben leider wenig gebracht für die Verkehrssicherheit. Der härteste Einwand ist, dass sich die hier versammelten risikobereiten jungen Männer in ihrer negativen Haltung nicht kritisieren, sondern bewundern und bestätigen. Eigentlich hatten sich die Verkehrswissenschaftler dies ganz anders vorgestellt! Das liegt aber nicht an der Fahrlehrerschaft, sondern am Konzept der Aufbauseminare für Fahranfänger, das grundsätzlich verbessert werden müsste.

Eine denkbare Alternative zu den jetzigen Aufbauseminare im Rahmen einer größeren Gruppe wären kleinere Aufbauseminare, Teilnehmerzahl von eins bis höchstens vier. Geleitet würden diese von einem Team aus einem Verkehrspsychologen und einem psychologisch fortgebildeten Fahrlehrer. Der Anteil der fahrpraktischen Betreuung müsste verstärkt werden. Ziel der Seminare wäre es, zu den negativen Haltungen bei den einzelnen vorzudringen und diese in Gesprächen und in der Fahrpraxis zu verändern.

Der Knackpunkt auch der besseren Aufbauseminare, in denen man nachdrücklicher auf den einzelnen und seine Haltung eingehen könnte, wäre, ob es gelänge, die verfestigte, desktruktive Haltung gegenüber sicheren Verhaltensweise im Verkehr dauerhaft zu verändern.

Würden die Vorschläge des ACE die Verkehrssicherheit verbessern?

Der ACE macht die Arbeit der Fahrlehrer schlecht und fordert statt dessen, die Ausbildung nach dem Muster der in der Verkehrssicherheit hochgelobten europäischen Staaten (Island, Schweden und so fort) wieder zu privatisieren. Eltern oder andere Bezugspersonen könnten schon vor der Prüfung Privatfahrten zur Übung im Verkehr unternehmen. Statt des Theorieunterrichts sollten sich die Führerscheininteressenten die nötigen Kenntnisse durch eigenes Lernen selbst aneignen.

Die Verkehrssicherheit würde damit nicht verbessert, sondern verschlechtert. Es ist schon längst durch Untersuchungen belegt, dass Privatfahrten mit elterlicher oder sonstiger Begleitung am Ziel vorbei führen. Denn die Begleitpersonen meiden schwierige Situationen oder Plätze. Aus ihrer Sicht aus gutem Grund, da sie Schaden an ihrem Auto fürchten. Wir Fahrlehrer suchen aber gerade solche schwierigen und gefährlichen Situationen auf, da wir unsere Schüler gerade hier sicher machen wollen. Dabei ist uns ein gutes Hilfsmittel die Doppelbedienung der Pedale in den Fahrschulautos.

Ebenfalls belegt ist, dass Schüler als Privatpersonen beim Lernen des Theoriestoffs sich lediglich auf stumpfes Büffeln der Fragen und ihrer richtigen Antworten aus dem amtlichen Katalog der Theoriefragen beschränken. Ein guter Theorieunterricht vom Fahrlehrer erteilt klammert gerade diese Dinge aus. Der Fahrlehrer kann eingehen auf Fragen der Schüler, er kann Zusammenhänge herstellen, er kann die lokalen Besonderheiten erwähnen, auf Erfahrungen des praktischen Unterrichts verweisen, er kann Geschichten aus dem Ausbildungs- und Verkehrsalltag erzählen, die den Theoriestoff anschaulich gestalten und wahrscheinlich lange im Gedächtnis haften bleiben.

Fazit: Wie soll es weiter gehen?

Von den Feststellungen und den Vorschlägen des ACE wird nichts bleiben, denn sie kratzen an der Oberfläche und sind rückwärtsgewandt. Das Ziel, die Durchfallquote (besser Nichtbestehensquote) zu verbessern, ist zwar ganz ehrenwert. So aber lässt sich dieses Ziel nicht erreichen.

Von allen Vorschlägen, die bei der aufgeregten Debatte gemacht wurden, leuchtet mir der des Vorsitzenden aller Fahrlehrerverbände am meisten ein. Gerhard von Bressensdorf ist überzeugt, dass gut ausgebildete Schüler die Prüfung schaffen müssten. Jedoch sei die Nervosität ein Hauptgrund für das Nichtbestehen. Damit hat er einen wichtigen Faktor genannt, die Nichtbestehensquote zu verbessern. Damit werde ich mich in meinem nächsten Blogbeitrag beschäftigen.

Der Umgang mit der Nervosität ist nicht nur der Schlüssel für den Erfolg in der Prüfung, sondern auch der entscheidende Erfolgsfaktor, später als Fahranfänger in schwierigen, stressigen Situationen ruhig zu bleiben und die Übersicht zu behalten.


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