Helmpflicht für Radfahrer?

Helmpflicht für Radfahrer?

Leserbrief zum Leitartikel „Bürgerrecht auf Unvernunft“, Spiegel 26/ 2014

Die Ausgangssituation: Eine Radfahrerin ohne Helm erleidet nach dem plötzlichen Öffnen einer Autotür ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Die Autoversicherung will die Leistung kürzen, auf 80 %, da die Radfahrerin keinen Helm getragen und damit ihren Körperschaden vergrößert habe. Es sei bekannt, dass Helme Kopfverletzungen mildern könnten. Helmtragen sei von den Behörden empfohlen. Die Radfahrerin klagt dagegen vor dem Bundesgerichtshof - und bekommt recht. Die Versicherung darf nicht kürzen, denn das Tragen eines Fahrradhelms ist keine Pflicht.

Der Leitartikel plädiert für ein „Bürgerrecht auf Unvernunft“. Ich plädiere für ein „Bürgerrecht auf Vernunft“. Als aktiver Radfahrer fahre ich jeden Tag etwa 15 km zur Arbeit und zurück, aus Gesundheitsgründen. Bei der Fahrt trage ich einen Helm.

 

Frank, der Autor, mit FahrradhelmEin Fahrradhelm, ein Stück rund gebogener Hartschaum, kann die Folgen eines schweren Unfalls mildern. Er kann den Unfall nicht verhindern. Ein Fahrradhelm ist, wie ein Autosicherheitsgurt, für äußerst gefährliche Situationen da. Er kann im besten Fall gefährliche Kopfverletzungen verhindern.

Im Normalfall sollten Radfahrer schlicht und einfach Sicherheitsregeln beachten und damit gefährliche Situationen vermeiden.

Eine einfache Messung ergibt, dass eine komplett geöffnete Autotür ungefähr einen Meter in den Raum neben dem Auto ragt. Zahlreiche Gerichte haben in ihren Urteilen Radfahrer verpflichtet, einen angemessenen Sicherheitsabstand zu geparkten Fahrzeugen einzuhalten. Gefordert wird ein Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter. Mein "7. Sinn" sagt mir, die Distanz lieber noch ein bisschen zu vergrößern. Dann kann auch eine plötzlich geöffnete Autotür keinen Schaden mehr anrichten.

Leider hat die Radfahrerin ohne Helm, die nach dem plötzlichen Öffnen der Fahrertür ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat, diese Regel nicht beachtet. Nun hat sie mit ihrem Anwalt geklagt und beim Bundesgerichtshof recht bekommen. Die Versicherung durfte ihr den Schaden nicht kürzen, obwohl sie keinen Helm trug.

Das Urteil ist ihr zu gönnen. An den Unfallfolgen wird sie dennoch ihr Leben lang tragen. Schuld oder nicht Schuld, Helmpflicht oder nicht? Das ist für mich zweitrangig. Wichtig ist für mich, sicher zu fahren, abends heil nach Hause zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Müller

 


Nachtrag:

 

Die aufgeregte Diskussion um die Helmpflicht fand ihren Höhepunkt in einemn Leitartikel im Spiegel, in dem für ein "Bürgerrecht auf Unvernunft" geworben wurde. All das ging meiner Ansicht nach an einer grundsätzlichen Einsicht vorbei: Radfahren - ohne Helm - ist gar nicht so unvernünftig oder gefährlich, wenn man sich auch nur einigermaßen an die Regeln hält. Kein Autofahrer darf einfach so die Tür aufreißen, er sollte laut StVO erst nachschauen, ob frei ist. Und auch Radfahrer sind verpflichtet, Gefahren zu vermeiden, indem sie nicht zu nah an Autotüren vorbei fahren, sondern einen Seitenabstand von einem Meter und mehr einhalten. Diese Erkenntnis ist wichtiger als das Tragen eines Helms. Denn sie verhindert Unfälle von vornherein.

Dennoch kann es hektische Situationen geben, wo mehrere Verkehrsteilnehmer Fehler machen, so dass es zu einem Unfall kommt. Und dann ist es gut, einen Helm zu tragen, um schwere Kopfverletzungen zu mildern.


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