Wie überwindet man die Gedankenfalle?

Gedankenfalle Unfallangst

Wie überwindet man die Gedankenfalle? Dahinter verbergen sich quälende Gedanken, die fahrängstliche Memschen so im Griff haben, dass sie nicht mehr ohne Hiilfe aus ihrer Lage herausfinden. Diskussion im Fahrlehrer-Team der Fahrschule Schaffen Wir - am Beispiel einer Fahrschülerin mit Unfallangst.

Was heißt "Gedankenfalle"

Wir Fahrlehrer treffen uns öfter zu gemeinsamen Besprechungen. Wir, das bin ich F.M, und meine beiden Kolleginnen.Wir unterhalten uns über die SchaffenWir-Methode, Fahrängste in 7 Schritten abzubauen und zu bewältigen. Sie bitten mich um ein Beispiel, was "Gedankenfalle" bedeutet. 

Ich erzähle die Geschichte einer Fahrschülerin, Angsthäsin. Sie hat den Führerschein vor 10 Jahren erworben, fuhr gerne. Dann sah sie in einem Jahr gleich 3 schlimme Unfälle. Bei einem konnte sie sogar noch helfen, ergebnislos.

Ein Motorradfahrer mit Beifaher war auf der Autobahn mit hohem Tempo auf einen wegen Panne stehen gebliebenen Lkw geprallt. Beim Aufprall hatten sich die Helme der beiden gelöst. Vielleicht waren die Kinnriemen nicht richtig geschlossen. Jedenfalls starben beide am Unfallort. Sie versuchte, den Beifahrer wiederzubeleben (der Fahrer war definitiv tot), keuchte vor Angst und Aufregung, es half nichts. Nach 10 Minuten endlich waren Polizei und Feuerwehr da. 

Im selben Jahr sah sie noch 2 weitere Unfälle, half als Erstretterin, bis die Feuerwehr eintraf. Dann hatte sie Angst, zu fahren, hörte ganz damit auf. Ich schildere meinen beiden Kolleginnen ihre Gedankenfalle. Diese besteht aus 2 sie sehr quälenden Gedanken:

  1. "Ich ziehe Unfälle an, wo immer ich auch bin, gibt es Unfälle."
  2. "Wenn ich selbst fahre, werde ich Unfälle verschulden, andere in den Tod reißen."

Sie quält sich mit diesen Gedanken. Sie sind übertrieben und machen ihr das Fahren unmöglich. Wer würde schon fahren, wenn er immer im Kopf hätte, andere in den Tod zu reißen? Das ist das Zwiespältige an unserem Einsatz als Angsthasenfahrlehrer: Wir müssen diese Ängste ernst nehmen. Alle, die ihr sagten, "setz Dich doch einfach ins Auto und fahr wieder los!" nehmen diese Ängste gar nicht wahr, sie werden von ihr mit Recht abgelehnt. Aber wir müssen zusammen mit den Angsthasen auch einen Weg finden, diese Ängste zu bewältigen. 

Wie lässt sich die Gedankenfalle überwinden?

Der erste, sie quälende Gedanke ist noch einigermaßen zu verstehen, wenn auch sehr übertrieben. Denn sie hat all die weiteren Jahre, auch als Beifahrerin, keine weiteren Unfälle mehr erlebt. Aber der zweite Gedanke ist wirklich merkwürdig: Sie hat niemandem zuleide getan, im Gegenteil, sogar geholfen, wenn auch einmal ergebnislos. Warum dann die starken Selbstvorwürfe? Hier spielt vielleicht eine Rolle, dass sie sich schuldig fühlt und sich Vorwürfe macht, weil sie doch nicht helfen konnte. 

Mein weiterer Bericht: Die gründliche Auffrischung mit dem Fahrschul-Pkw hat ihr gut getan. Sie fühlt sich nun wieder sicherer. Am Schluss waren wir oft auf dem Parkplatz eines Supermarktes, um dort Einparken in allen möglichen Varianten zu üben. Sie hat sich vorgenommen, bis zur nächsten Fahrstunde zum ersten Mal selbständig von zu Hause zum Supermarkt und wieder zurück zu fahren. 

Harmloser Blechunfall am BaumAber die quälenden Gedanken hat sie noch nicht überwunden. Wir beraten nun gemeinsam, was zu tun ist. Vorschlag: Therapie? Das hat sie schon selbst erwogen, glaubt aber nicht, dass sie nötig ist, denn außer beim Gedanken ans Fahren ist ihr wohl zumute.  Hier kommt übrigens ein wichtiger Grundsatz unserer Arbeit zu Wort: Wir schicken in schweren Fällen immer zum Therapeuten, wir sind keine kleinen Psychologen. Das wissen die Angsthasen auch immer selbst, dass oder ob es nötig ist. Man braucht sie eigentlich gar nicht zu schicken. Was sie manchmal allerdings brauchen, ist Beratung: Welche Richtung wir empfehlen (Verhaltenstherapie); ob wir jemanden Bestimmten empfehlen, den wir kennen und zu dem wir Vertrauen haben (ja).

Zu ihrem ersten Gedanken: Ich bin mit ihr schon alle anderen Jahre durchgegangen, in denen sie fuhr oder Beifahrerin war, da sah sie keine Unfälle. Das akzeptiert sie, dass ihre Aussage übertrieben ist. Aber die Erinnerung an die 3 schlimmen Unfälle überlagert eben alles. Zweimal konnte sie helfen, bis die Retter eintrafen (es waren nicht so schwer Verletzte), das eine Mal wollte sie helfen und musste den Tod anderer erleben. Also ist auch diese "Bilanz" objekvit gesehen nicht ganz so schlimm, im Gegenteil. Aber kann man solche schrecklichen Erlebnisse gegen die nicht so schlimmen auf die Waage legen? Ihre innere Bilanz sieht eben ganz anders aus. 

Wir diiskutieren weiter: Aber sie hat versucht, zu helfen, das ist doch anerkennenswert. Selbst die geringste Hilfe ist wichtig. Viele stehen nur herum, hilflos, oder nocht schlimmer, als Gaffer. Sie hat sich dagegen sofort eingebracht. Auch beim schlimmsten Fall, als die beiden Motorradfahrer starben, hat ihr Eingreifen vielleicht noch etwas Gutes bewirkt. Vielleicht hat der sterbende Beifahrer noch menschliche Nähe gespürt und ist friedlicher gestorben. Sie konnte ihn nicht mehr retten. Aber es war überhaupt gut, dass sie da war. 

Kontroverse Überlegungen: Verschiedene Ansätze, die Gedankenfalle zu überwinden

Zu ihrem zweiten quälenden Gedanken diskutieren wir kontrovers. Eine Kollegin argumentiet folgendermaßen: Wenn die Angsthäsin Angst hat, Unfälle zu verschulden, dann muss sie noch sorgfältiger geschult werden. Sie Sie muss lernen, vorsichtig zu fahren, alles zu beobachten, nur weiter zu fahren, wenn alles in Ordnung ist. Ich finde den Gedanken grundsätzlich schon gut. Auch die Aurffrischung bis jetzt hat sie sicherer gemacht. Aber letztlich wird er ihr nicht vollständig helfen. Sie wird auch mal einen Fehler machen, deswegen sind wir Menschen. Noch so viel Übung kann davor nicht schützen. Dann passen hoffentlich auch die anderen auf. Wenn allerdings auch andere nicht aufpassen, dann kann es schon einen Unfall geben. Aber muss er immer gleich so schlimm sein? Jahr für Jahr werden neue Unfallmaßnahmen umgesetzt. Z.B. hat die Einführung von ESP (elektronisches Stabilitäts-Programm) viele schlimme Schleuderunfälle verhütet oder gemildert. 

Das ist die Frage, die am Schluss nicht zu klären ist: Wenn jemand Unfallangst hat und sich unsicher fühlt: Sehr viel schulen, immer noch mehr schulen, um das Gefühl der Sicherheit zu vergrößern? Ist das womöglich ein endloses, vergebliches Wettrennen? Oder sich klar machen, dass es Fehler geben kann, dass man auf die Hilfe anderer angewiesen ist, dass es auch  im Verkehr - bei aller Sorgfalt - ein Restrisiko geben kann? Ist es leichtsinnig, von einem Restrisiko zu sprechen?


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