Ein neuer Beruf: Fahrlehrer für Menschen mit Fahrangst


Auf Stress und Angstgedanken achten

Eine neue Tätigkeit: Fahrlehrer für Menschen mit Fahrangst

Es gibt wahrscheinlich Millionen Menschen mit Fahrangst, die Hilfe brauchen. Diese können sie weder von konventionell ausgebildeten Fahrlehrern, noch von Therapeuten erhalten. Fahrlehrer sind generell nicht darin aussgebildet, auf Stress und Angstgedanken zu achten. Therapeuten schon, jedoch dürfen Sie solche ängstlichen Menschen nicht im Fahrschulwagen in die angstauslösenden Situationen begleiten.


Wir wollen an dieser Stelle über eine neue Tätigkeit berichten (ein Beruf ist es wohl noch nicht): Die des Fahrlehrers für Menschen mit Fahrangst. Dabei geht es um die rechtlichen, gesellschaftlichen und pädagogischen Aspekte der neuen Tätigkeit. All dies spielt sich ja noch in einer Grauzone ab. Es wäre aber besser, für die betroffenen Angsthasen wie auch für Ihre Helfer, die Fahrlehrer mit ihrer neuen Tätigkeit, hier mehr Klarheit zu schaffen.

Auf diesen Seiten sollen Sie als vielleicht neuer oder als schon tätiger Angsthasenfahrlehrer mehr Informationen über diese schöne, befriedigende Tätigkeit erhalten.

Sebastian hat Prüfungsangst

Sebastian hat die erste Fahrprüfung nicht geschafft. Er war nervös, verkrampft, verlor die Konzentration und übersah schließlich beim Abbiegen einen Radfahrer. Sein Fahrlehrer übt mit ihm bis zur nächsten Prüfung fleißig das Abbiegen. Jedoch hilft das wenig. Sebastian ist wieder nervös, dieses Mal übersieht er eine rote Ampel. [bild prüfungsangst]

Sebastian überlegt, eine Therapie zu beginnen, damit er ruhiger wird. Er möchte mit dem Therapeuten über seine Prüfungsangst sprechen. Das geschieht und Sebastian fühlt sich nach 10 Stunden Therapie schon besser. Nun macht er mit seinem alten Fahrlehrer einen neuen Anlauf zur dritten Fahrprüfung. Zu Beginn klappt es ganz gut. Doch nach einem kleinen Fehler kommt die Nervosität wieder, beim Parken spürt er nur noch Leere im Kopf, er kommt einfach nicht in die Lücke hinein. Beinahe hätte er eines der geparkten Autos gerammt. Sein Fahrlehrer muss wieder mal eingreifen.

Sebastian schildert seine Erfahrungen so: „Ich habe mit meinem Fahrlehrer unglaublich viel geübt. In der Therapie habe ich gelernt, mit meinen Ängsten umzugehen und sie nicht so schwer zu sehen. Aber in der Prüfung kamen sie doch wieder. Ich wurde immer nervöser, habe einen Fehler nach dem anderen gemacht. Nichts hat geholfen, weder die vielen Übungen, noch die Therapie. Ich bin verzweifelt! Wer kann mir denn jetzt noch beistehen?“

Wer kann Sebastian helfen, der so sehr an seiner Prüfungsangst leidet?

  • Der konventionell ausbildende Fahrlehrer kann ihm letztlich nicht helfen. Alle Versuche, Ampelkreuzungen, Abbiegen oder Parken zu üben, sind zwar nicht falsch, gehen aber am Problem vorbei, der Prüfungsangst.

  • Der Therapeut kann ihm grundsätzlich helfen, indem er durch viele Gespräche die Angst vor seiner Angst mildert. Sebastian in seiner Verzweiflung gesteht sich leider nicht ein, wie gut ihm die Gespräche über seine Angst getan haben. Kernstück jeder (Verhaltens-)Therapie ist jedoch die Konfrontation mit der angstauslösenden Situation. Dieser muss sich der Patient unter Anleitung aussetzen, um seine Ängste auszuhalten und zu verringern. Sebastian auf die Prüfungssituation im Fahrschulwagen vorbereiten und ihn in die Prüfung begleiten - das kann und darf der Therapeut nicht.

  • Sie können Sebastian helfen. Als Fahrlehrer, kompetent für Fahrängste, betreuen Sie Sebastian, der in der Prüfung übermäßige Ängste entwickelt. Das ist ein Teil Ihres neuen Tätigkeitsgebiets – Sie betreuen Ihre eigenen vielleicht ängstlichen Prüflinge. Und Sie betreuen die Prüflinge anderer Fahrschulen, die die Prüfung 3, 4, 5... mal nicht geschafft haben und sich in ihrer Not an sie gewandt haben. Sie bringen sie erfolgreich durch die Prüfung. Konkret sieht das so aus: Sie helfen Sebastian durch Entspannungsübungen, durch Gespräche über die Prüfungsangst und durch Hineinfahren in die angstauslösenden Situationen, die Ängste zu kontrollieren und zu mildern. Soweit Sebastian weiter die Therapie besucht, sollten Sie allerdings bei Ihrer Betreuung mit dem Therapeuten kooperieren. Dafür ist Sebastians Genehmigung erforderlich (Entbindung von der Schweigepflicht).

Wie hilft ein Fahrlehrer für Menschen mit Fahrangst, die Fahrängste zu bewältigen?

Es geht aber nicht nur um ängstliche Prüflinge. Millionen fahrängstlicher Menschen brauchen dringend Hilfe. Diese sind Ihre wichtigste Zielgruppe.

Als Fahrlehrer für fahrängstliche Menschen betreuen Sie Menschen, die beim Fahren in bestimmten Situationen übermäßige Ängste entwickeln. Sie helfen ihnen, durch Entspannungsübungen, durch Gespräche und durch Hineinfahren in die angstauslösenden Situationen, die Ängste zu kontrollieren und zu mildern. Dafür entwickeln Sie Einfühlungsvermögen und Kompetenz, und Sie eignen sich viele anfangs ungewohnte Methoden an. Sie haben sich ein neues, lohnendes Beschäftigungsfeld erschlossen. Und nebenbei wird Ihnen das neue Betätigungsfeld tiefe Befriedigung verschaffen.

Praktischer Tipp/ auf Nervosität achten: Versuchen Sie zu Beginn Ihrer neuen Tätigkeit, in jeder Übungssituation die beiden folgenden Punkte zu unterscheiden:

  • Was in der Situation gehört zur Ausbildung?

  • Wo sehen Sie in der Situation Nervosität, Angst vor Fehlern, Angstgedanken und weitergehende Ängste? Was können Sie in diesem Fall unternehmen?

Bevor Sie sich in das neue Tätigkeitsfeld stürzen, raten wir Ihnen dringend, sich zu informieren. In Kürze werden wir einen Fahrlehrerleitfaden, eine Broschüre und Anleitung für Fahrlehrer als Trainer für Fahrangstbewältigung fertig haben. Eine weitere Hilfe: Besuchen Sie ein Praktikum in einer Angsthasenfahrschule mit viel Erfahrung. Wir bieten ein derartiges Praktikum schon lange an.


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