Die Ölpest im Golf von Mexiko
Ölpest und Elektroautos
Am 22. April gab es auf der Ölplattform „deepwater horizon“ im Golf von Mexiko eine gewaltige Explosion. Anschließend breitete sich Öl aus, droht das Mississippidelta, eines der schönsten und fruchtbarsten Naturschutzgebiete der Erde, zu verseuchen. Betreiberin der Plattform ist die Ölgesellschaft BP. Nun soll, laut Präsident Obama, BP allen Schaden bezahlen.
Die Ölpest macht mich zornig. Hier hat die Raffgier eines Konzerns erbarmungslos zugeschlagen. Dafür werden jetzt tausende unschuldiger Tiere und die Natur geopfert, verlieren viele Menschen ihre Beschäftigung. Doch der Reihe nach...
Wer ein Kfz führen will hat die Regeln des Straßenverkehrs zu beachten. So soll es sein, denn Sicherheit ist wichtig, sie geht immer vor. Wenn ich als Autofahrer ein mir nicht so vertrautes, gefährliches Fahrzeug fahre möchte, beispielsweise ein großes, starkes Motorrad, dann informiere ich mich vorher über die Bedienung und alle Sicherheitsmaßnahmen, bereite mich übend auf einem großen, leeren Parkplatz vor und verhalte mich auch im Straßenverkehr sehr vorsichtig.
Auch die einfachsten Sicherheitsmaßnahmen sind „zu teuer“
Was macht nun ein Ölkonzern und der Staat, der ihm in Fragen der Sicherheit eigentlich auf die Finger schauen müsste? BP bringt in 1.500 m Meerestiefe eine Ölbohrung nieder. Das ist eine schwindelerregenden Tiefe, mit höchsten Drücken, Taucher können dabei gar nicht mehr überleben. Die Naturgewalten, die dort unten quasi im Blindflug gebändigt werden sollen, sind enorm. Der Wasserdruck ist gigantisch, die Temperatur eiskalt (um 0 Grad. Das Öl wird in noch größerer Tiefe im Felsen angebohrt, schießt mit hohem Druck und 100 Grad heiß in die Rohre, muss erst mal mühsam gedämmt werden. Aber nicht nur Öl, sondern Erdgas dringt mit in die Leitung ein. Wenn die Dämmung versagt, gelangt das Gas weiter nach oben und entzündet sich wahrscheinlich durch den ungeheuren Druck und die Hitze.
Auf der „deepwater horizon“ muss es so geschehen sein. Denn es kommt zu verheerenden Explosionen, die Rohre zerreißen, die Bohrinsel bricht und versinkt. 11 Menschen auf der Bohrinsel sterben. Anschließend tritt eine gewaltige Ölmasse aus den zerrissenen Rohren auf dem Meeresgrund aus, die Rede ist von beinahe 800.000 Litern Öl pro Tag!
Ich frage mich: Waren hier eigentlich Fachleute oder Stümper am Werk - wusste denn niemand, dass bei Bohrungen oft Gas zusammen mit Öl austritt? Hat sich niemand Gedanken gemacht, dass es dabei zu einer Explosion kommen kann, die unbedingt verhindert werden muss? Hat niemand an Rettungsmaßnahmen gedacht?
Ölförderung in derartigen Meerestiefen, sagt ein Experte im SPIEGEL (1) sei „Glücksspiel auf höchstem Niveau“. Wenn das so ist, dann müssen Ölförderungen dieser Art sofort eingestellt werden.
Die für Ölförderung zuständige Regierungsbehörde hat den Ölkonzernen den Einbau zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen vorgeschlagen. Dazu gehört, wie der Tagesspiegel schreibt (2), eine Art „Notschalter“. Dieser sei in Norwegen bei Bohrungen im Meer vorgeschrieben. Er verschließt in solchen Fällen einer Katastrophe „ferngesteuert die Bohrung“.
Wie SPIEGEL und TAGESSPIEGEL übereinstimmend berichten, habe sich BP gesträubt, den Notverschluss einzubauen. Er war mit Kosten von 500.000 Dollar angeblich zu teuer. Auch die Behörde habe schließlich dem Konzern den teuren Schalter ersparen wollen. Dazu muss man wissen, dass der Konzern hochprofitabel ist. Allein für das erste Quartal 2010 geht man von einer Gewinnerwartung von über 6 Milliarden Dollar aus!
Auch die Behörden sind in die Umweltkatastrophe verwickelt, weil sie dem raffgierigen Konzern nicht klar die Grenzen gezeigt und auf die Sicherheit geachtet haben.
Wer soll das bezahlen?
Wir erinnern uns: Die letzte Ölpest vor der amerikanischen Küste geschah 1989, als der Tanker „Exxon Valdez“ vor Alaska sank und die Ölpest die Küste Alaskas verseuchte. Damals wurde als gesetzliche Höchstgrenze für Schadensersatz bei Ölhavarien 75 Mill. Dollar festgelegt. Diese Summe ist angesichts des gigantischen Schadens des jetzigen Ölunfalls lächerlich. Laut WELT AM SONNTAG (3) haben weder Behörden noch Gesetzgeber so richtig mitbekommen, dass die Konzerne mit ihren Bohrungen in tiefer See schon längst für eine gewaltige Risikosteigerung gesorgt haben. Nun muss das Gesetz schnellstens rückwirkend angepasst werden. Das ist für die Juristen, auch die der BP, natürlich Grund für lange Auseinandersetzungen.
Daher auch die Äußerung von Obama nach dem Ölunfall, BP habe die Schuld und müsse den ganzen Schaden selbst bezahlen. Obama wusste sicherlich, dass gesetzlich gesehen BP leider gar nicht musste. BP steht jetzt allerdings so unter Druck, so dass sie erstmal zähneknirschend oder auch „gnädig“(3) zugestimmt haben. Letztlich ist auch die geschätzte gesamte Schadenssumme für die Ölpest von ca. 15 Milliarden Dollar für den Konzern nur ein Pappenstiel.
Hilflose Rettungsmanöver
Nun versucht man in höchster Not, die Sache irgendwie zu retten. Keiner ist vorbereitet auf eine derartige Katastrophe und die richtigen Rettungsmaßnahmen. Das Öl an der Meeresoberfläche wird mühsam eingedämmt oder abgefackelt. Gleichzeitig hat man eine riesige Stahlglocke konstruiert, die über dem kaputten Rohr abgelassen wird, aus dem das Öl sprudelt, und dieses abdichten soll. Ein bewegliches Rohr über der Stahlglocke nimmt das Öl auf und führt es zu einem oben ankernden Tankschiff. Niemand hat je ein solches Projekt erprobt, die Chancen stehen eher schlecht, dass es klappt. Und so kommt es, dass das Projekt scheitert. Denn das heiße Öl erkaltet im eiskalten Wasser schnell, es bildet sich eine Art „Sulz“ mit Eiskristallen (so wie Sommerdiesel im Winter). Dadurch kann man das Öl nicht mehr nach oben ableiten.
Und selbst, wenn es doch noch klappen sollte, wird man nicht das ganze Öl damit ableiten können, 20 % werden immer noch aus anderen Rohrbruchstücken herauslaufen. Diesem Öl hofft man durch eine seitliche Entsatzbohrung beizukommen.
Öl ist flüssiges Gold
Obwohl die Risiken und die Folgen dieser Ölbohrungen vor aller Augen sichtbar sind, mehren sich jetzt schon in den USA die Forderungen an Obama, weitere Ölbohrungen im Meer zu genehmigen. Denn die Aussichten auf noch mehr Profite sind gar zu goldig. Obama steht unter Druck, denn er muss den Republikanern Zugeständnisse machen wegen ihrer Zustimmung zu geplanten Klimagesetzen und zur Krankenversicherungsreform.
Öl sicher zu fördern wird immer teurer. Die Ölindustrie will billig produzieren und ruiniert die Umwelt
Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt, dass die Ölindustrie auf der Jagd nach Profiten gefährlich weit gegangen ist. Die unaufhörliche Ausbeutung von Öl hat sie auf tiefste Meeresgründe getrieben, wo die Sicherheitsrisiken schon sehr hoch sind. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat man sich die einfachsten Sicherheitsregeln geschenkt, denn sie sind ja „teuer“.
Umgekehrt muss man denken: Es ist heute einfach nicht mehr möglich, Öl billig und sicher zu fördern. Selbst bei Einhaltung einfacher Sicherheitsregeln würde sich zeigen, dass die Förderung von Öl immer teurer wird.
Elektroautos laufen nur umweltverträglich mit Strom aus erneuerbarer Energie
Man kann die jetzigen Risiken der Ölförderung schon vergleichen mit der Gewinnung von Atomstrom. Die langfristigen und schweren Folgen einer Katastrophe für Mensch und Natur sind jeweils unermesslich, allerdings beim Atomstrom noch schlimmer. Wenn die von allen Seiten hochgelobten Autos mit Elektroantrieb kommen sollen, dann machen sie nur Sinn, wenn die Energie zu ihrem Betrieb gerade nicht aus Ölförderung oder Atomkraftwerken kommt. Die Energie für den Elektromotor muss aus erneuerbaren Quellen kommen (Wasserkraft, Wind, Sonne). Wenn wir unsere Innenstädte mit Elektroautos sauber halten und gleichzeitig große, blühende Küstenlandschaften am Meer durch die Ölpest verdreckt werden und kaputt gehen, dann macht das keinen Sinn.
Die Energiebilanz der Elektroautos ist bei dem im Deutschland üblichen Mix bei der Erzeugung von Energie sowieso nicht sehr gut. In Deutschland wird Energie erzeugt aus Atomkraft, aus fossilen Brennstoffen, sprich Öl, Gas und Kohle, und aus erneuerbarer Energie, z.B. Wind, Wasser, Sonne. Bei diesem Mix fährt das Elektroauto nur scheinbar emissionsfrei, es hat ja keinen Auspuff. In Wirklichkeit wird das CO2 bei der Produktion in den Kraftwerken erzeugt. Die Zeitschrift AutoBild schätzt, dass ein solches Elektroauto vergleichbar ungefähr soviel CO2 verbraucht, wie ein sparsamer Diesel (5), d.h. etwas über 100 g/ km.
Bei der Einführung der Elektroautos können wir endlich wegkommen von den „alten“, gefährlichen atomaren und fossilen Energien. Jetzt steigt hoffentlich der Druck, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Mit Windkraftanlagen im Golf von Mexiko oder in der Nordsee oder mit Sonnenenergie aus Spanien oder aus der Wüste Sahara kann es keine schrecklichen Umweltkatastrophen mehr geben.
CO2-neutrale Tankstelle
Am Flughafen Berlin-Brandenburg ist für 2011 die Errichtung einer CO2-neutralen Tankstelle geplant. Ein in der Nähe gelegener Windpark produziert Strom für die ganze Anlage (6). Der Strom versorgt den Tankstellenbetrieb mit Energie. Mit dem Strom können Elektroautos ihre Batterien aufladen. Gleichzeitig wird damit Wasserstoff erzeugt für Brennstoffzellenautos. Auch fossile Kraftstoffe werden dort noch verkauft, aber dem Erdgas wird Biogas aus einem Biogasspeicher beigemischt. Die Umweltbilanz dieser Tankstelle ist positiv.
Letzte Meldung – dem Konzern fällt nichts mehr ein
Laut Pressemeldung (7) ist der Konzern mit seinen Idee zur Bekämpfung der Ölkatastrophe am Ende und fordert nun die Bevölkerung auf, ihre Vorschläge zur Bekänpfung der Ölpest auf der flugs eingerichteten Website www.deepwaterresponce.com eunzubringen. Angeblich hat ein amerikanischer Admiral vorgeschlagen, das Leck mit Müll zu bombadieren (6).
Quellen
DER SPIEGEL, H. 18, 2010, S. 13
DER TAGESSPIEGEL 04.05.2010, S. 2
WELT AM SONNTAG, Nr. 19, 09.05.2010, S. 14
DER TAGESSPIEGEL 11.05.2010, S 28
- AutoBild H. 18, 2010, S. 12f.
- auto motor und sport, H. 11/ 2010, S.15
BZ 11.05.2010, S. 40