Panik am Steuer - die Angst fährt mit (Film im hr)

Panik am Steuer - die Angst fährt mit

Der Hessische Rundfunk/ Fernsehen zeigt in der Reihe "defacto" eine Film über Fahrangst

Reihe/ Format: Defacto

Titel des Films: Panik am Steuer - Wenn die Angst mitfährt Termine: So 17.11.2013, 18 Uhr. Wiederholung der Sendung: Mi 20.11.2013, 22.45 Uhr

Link zum Film (Achtung, nur sieben Tage anzuklicken. Wir bemühen uns um einen dauerhaften Link)
Vor dem Film über Fahrangst kommt ein anderer über das unnötige und tierquälerische Rupfen von Gänsen. Der Film über Fahrangst beginnt nach ca. 7 Minuten

Redakteurin: Anna Schilling. Kameraleute vom ZDF (Jörg und Frank)

Mitwirkende: Sandra Winkler, (ehemalige) Angsthäsin und Buchautorin. Frank Müller, Angsthasenfahrlehrer von der Fahrschule Schaffen Wir

Frank Müller und Sandra Winkler beim einführenden Gespräch im Theorieraum der Fahrschule. Vorne die Kameraleute

defacto, das hessische Landesmagazin

Die Reihe defacto versteht sich als hessisches Landesmagazin. Sie beschäftigt sich mit Fällen behördlicher Willkür oder politischer Fehlentscheidungen. Aber schlicht und einfach auch mit Institutionen und ihren Leistungen, die für Hessen und darüber hinaus bedeutsam sind. Gemeint ist hier die Schön Klinik in Bad Arolsen, nördlich von Kassel gelegen. Dort hat man sich auf die Behandlung von Angst- und Zwangststörungen spezialisiert, auch auf Fahrangst.

Die Fahrangst wird in der Klinik vor allem mit den Methoden der Verhaltenstherapie behandelt. Die eigentliche Exposition (die Konfrontation mit den belastenden Situationen) findet meines Wissens so statt, dass die Patienten in umliegende Fahrschulen geschickt werden.

Die verantwortliche Redakteurin des Films hat nun weiter recherchiert, und ist dabei auf die Fahrschule Schaffen Wir in Berlin gekommen. Die Fahrschule Schaffen Wir ist eine Angsthasenfahrschule. Dort liegt die Auseinandersetzung mit den Ängsten und das Fahren im Verkehr in einer Hand. Nur bei ganz schweren Fällen, allgemeinen Angststörungen, schicken wir die Betroffenen zum Therapeuten. Umgekehrt bekommen wir von Therapeuten auch Patienten geschickt, um mit ihnen in die belastenden Situationen zu fahren und dort die Ängste zu bewältigen.

Im Film werden Aussagen über die Klinik in Bad Arolsen gemischt mit dem Vorgehen unserer Fahrschule Schaffen Wir.

Angsthasen sehen schlimme Gefahren im Verkehr

Wir sind froh, dass dieser Film gedreht wurde. Ganz allgemein ist es gut, wenn sich Informationen über Fahrangst weiter verbreiten. Viele Angsthasen leiden daran, dass ihre Umgebung, gewohnt und geübt, Auto zufahren, sie nicht verstehen. Sie erhalten beispielsweise die Aufforderung, sich "einfach mal" ins Auto zu setzen und auf die Autobahn zu fahren. Gerade das wäre aber für sie abenteuerlich, eine riesengroße Gefahr. Einerseits fürchten sie, dass sie auf dem Einfädelungsstreifen niemand herein lässt. Andererseits würden sie sich auch nicht trauen, zu bremsen. Denn damit droht ein schlimmer Auffahrunfall. Resultat: So oder so - nach ihrer Befürchtung gibt es immer einen schweren Unfall, vielleicht sogar mit tödlichen Unfall.

Menschen, die sie auffordern, einfach so mal auf die Autobahn zu fahren, schicken sie also nach ihrem Denken in den Tod. Kein Wunder, dass sie sich unverstanden fühlen, sich zurückziehen und mit niemandem mehr über ihre Angst sprechen wollen. Das ist aber letztlich verkehrt. Denn durch Schweigen und Rückzug lässt sich die Angst leider nicht bewältigen. Im Gegenteil.

Das Filmteam - einfühlsam und kompetent

Das Fühlteam - unter Leitung von Redakteurin Anna Schilling - arbeitete einfühlsam und kompetent. Jede Szene wurde vorher gemeinsam abgesprochen. Nicht nur mit den Protagonisten; auch die Kameraleute Jörg und Frank wurden einbezogen.

Wir haben das Filmprojekt am Do 14.11. umgesetzt, vormittags bis in den Mittag hinein. Sandra Winkler, die mitwirkende Angsthäsin, wurde von der Redakteurin, Frau Schilling, quasi "mitgebracht". Sie stieß bei ihren Recherchen im Internet nicht nur auf unsere Angsthasenfahrschule. Sondern auch auf Frau Winklers Buch über die Bewältigung ihrer "Macken", einschließlich ihrer Fahrangst. Frau Winkler ist unseren Surfern nicht unbekannt. Ich habe auf unserer Homepage über ihr Buch "Er nannte mich Fräulein Gaga" und ihre Erfahrungen bei der Fahrschule Schaffen Wir berichtet.

Die Angsthäsin - Sandra Winkler

Frau Winkler hat sich vor ungefähr einem Jahr bei uns gemeldet, zur Betreuung wegen Fahrangst. Sie hat mehrere Unfälle erlebt. Der schlimmste ist mit ihrem Freund als Fahrer geschehen, sie saß dabei auf der Beifahrerseite. Dieser hat bei der Fahrt mit der für ihn ungewohnten Servolenkung des Autos gespielt. Das Auto gerät dabei ins Schleudern, überschlägt sich, ist total zerstört. Im Film wird ein Foto des völlig demolierten Autos gezeigt. Den beiden im Auto geschieht nichts. Aber Frau Winkler entwickelt aufgrund dieses Unfalls (und noch einiger anderer) eine Fahrangst. Sie hat Angst vor schwersten Unfällen, Verletzungen, Tod, solltet sie Auto fahren. Merkwürdig, aufgrund der Umstände müsste sie eigentlich Angst als Beifahrerin entwickeln. Aber das geschieht nicht. Die Wege der Angst sind eben irrational. Sie meidet darauf das Fahren mit Ausnahmen 20 Jahre lang. Jedesmal, wenn sie es versucht, schon beim Ausparken, überkommt sie heftige Angst, dass ihr gleich ein Unfall passiert.

Bei uns wird sie ingefähr in 10 Doppelstunden betreut. Wir arbeiten vor allem an ihrer hektischen Fahrweise, versuchen ihr die Vorteile von Ruhe und Gelassenheit beim Fahren zu zeigen. Schließlich fahren wir auch noch mit ihrem eigenen Wagen.

Das einführende Gespräch: Autobahnangst, Angst vor Kontrollverlust

Das Filmprojekt in unserer Fahrschule beginnt mit eineim Gespräch zwischen mir und Frau Winkler.  Ich erinnere sie aufgrund meiner alten Unterlagen an ihre zu Anfang sehr hektische Fahrweise. Diese hat sich allerdings im Laufe der Betreuung sehr gebessert. So weiß ich es noch und so schreibt sie auch in ihrem Buch. Dort lobt sie den Angsthasenfahrstil, den ich ihr beigebracht habe, spricht von beinahe "zen-artiger Ruhe und Gelassenheit", die sie sich bei der Betreuung angeeignet habe. Ich lobe sie dafür und frage sie bei unserem jetzigen Gespräch nach ihrer weiteren Praxis. Sie fährt aktiv, beklagt aber ihre mangelnde Autobahn-Erfahrung. Auf der Autobahn empfindet sie Angst. Autobahnangst erlebt sie besonders bei höherer Geschwinidgkeit, hat das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Gefragt, ab welchem Tempo ungefähr die Angst losgehe, nennt sie Tempo 80.

Bevor wir zur Fahrt aufbrechen, empfehle und nenne ich ihr einige Entspannungstechniken - progessive Muskelentspannung, Nennen der Angststärke von 1 - 10, lautes Sprechen in Stresssituationen, fleißiges lockeres Schauen seitlich und nach vorne gegen den angstfördernden Tunnelblick, an dem viele Angsthasen leiden. Wir üben die Techniken noch vor der Abfahrt. Wir besprechen, dass ich sie regelmäßig nach ihren Gefühlen fragen werde.

Autobahnfahrt - alles in Ordnung?

Nächste Szene: Wir fahren los Richtung Autobahn, über die Sonnenallee Richtung Grenzallee. von dort in die Autobahn nach Schönfeld. Die Aufregung bei Frau Winkler ist zu Beginn hoch. Zur Beruhigung trainierern wir progressive Muskelentspannung. Ich frage sie immer mal wieder nach dem Stand der Nervosität. Sie ist über 5. Auf der Sonnenallee ist eine längere Strecke mit Tempo 30 beschränkt. Frau Winkler überschreitet die maximale Geschwindigkeit etwas. Ich mache sie darauf aufmerksam, bitte sie, langsamer zu fahren. Sie tut es, begründet ihre Überschreitung mit Angst, die anderen Autofahrer zu behindern. Da ist nun die alte Hektik wieder da, mit der wir uns schon bei der ersten Betreuung hier in der Fahrschule abgeplagt haben. Von "zen-artiger Ruhe und Gelassenheit" ist nun leider nichts mehr zu spüren. Anschließend überschreitet sie das maximale Tempo noch einmal, muss wieder von mir etwas beruhigt werden. Dann normalisiert sich der innere Zustand. Die Aufregung ist eigentlich zu erwarten: Sie ist jetzt wieder zurück in der Angsthasenfahrschule, das Filmteam beobachtet bei der Fahrt, um uns herum auf der Sonnenallee herrscht starker, schnell fließender Verkehr.

Auf der Autobahn Richtung Schönefeld wieder sehr starke Anspannung, bis beinahe 8, was nahe an Panik grenzt. Doch dann wird ihr Zustand friedlich, sie fährt gut und sicher. Die Strecke ist auch extra leicht gewählt. Kein dichter Verkehr, viel geradeaus, ein paar kurze Tunnel. Bei unserem Tempo 80 überholen natürlich viele, aber bei insgesamt drei Fahrstreifen ist das kein Problem.

Das von ihr befürchtete Problem, auf der Autobahn die Kontrolle zu verlieren, stellt sich nicht ein. Wir einigen uns darauf, dass sie im Fahrschulwagen unter Schutz fährt. Wieder anders würde es sein, wenn sie in ihrem eigenen Wagen auf der Autobahn unterwegs ist. Ich schlage ihr eine solche Fahrt vor, in ihrem eigenen Wagen, auf der Autobahn, ich zuerst vorne neben ihr auf dem Beifahrersitz, dann, wenn es geht, auch hinten rechts. Das wäre dann beinahe so, wie allein fahrend. Sie möchte sich die Sache überlegen.

Nach der Fahrt verabschieden wir uns.

Fazit

Schneller Termin, freundliches, kompetentes Filmteam, so liebe ich es. Das Ergebnis der Angstbetreuung eher durchwachsen. Weitere Fahrten im eigenen Wagen auf der Autobahn wären nötig. Aber das war ja eher zu erwarten. Vielen Dank an alle für die Mitwirkung!

Frank Müller


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