Bei Toyota klemmen die Gaspedale
Freitag, den 05. Februar 2010 um 22:34 Uhr
Bei Toyota klemmen die Gaspedale
Bei weltweit über 4 Millionen Wagen aus der Toyota-Produktion kann sich das Gaspedal verklemmen, so dass die Wagen unbeabsichtigt beschleunigen. Wiederum bei anderen Wagen kann sich die Fußmatte lösen und unter das Gaspedal verklemmen, so dass sich dieses nicht mehr bewegen lässt. Betroffen sind weltweit über 8 Millionen Wagen. Da sich in der Fahrschule auch Angsthasen mit Toyota-Wagen angemeldet haben, gehen wir hier kurz auf das möglichereweise schlimme Problem ein.
Betroffen von dem Fehler sind folgende Modelle: Aygo, iQ, Yaris, Auris, Coralla, Verso, Avensis und RAV4. Die Halter der Baureihen und Modelle werden vom Kraftfahrtbundesamt angeschrieben, vom möglichen Fehler informiert und auf die Rückrufaktion der Firma Toyota aufmerksam gemacht. Wer aber nicht solange warten willl, kann jederzeit in der Werkstatt prüfen lassen, ob Gefahr besteht, dass das Gaspedal klemmt. In Europa, so der ADAC, sei bis jetzt kein Fall bekannt, dass es einen Schaden oder ein Problem gegeben hätte. Dennoch wird gemeldet, dass allein in Deutschland 225.000 Autos aus der Produktion von Toyota betroffen seien. In den USA, so berichtet der Tagesspiegel (10.02.2010), seien bis jetzt schon 19 Todesopfer aufgrund des verklemmten Gaspedals zu beklagen.
Ein weiterer Problemfall ist das energiesparende Hybridautor Prius, bei dem in bestimmten Situationen plötzlich die Bremse nicht mehr richtig funktioniert (Fahren über unebene und rutschige Straßen).
Wenn das Gaspedal klemmt, bremsen und die Kupplung treten
Toyota empfiehlt, wenn das Gaspedal klemmt und der Wagen unbeabsichtigt beschleunigt, sofort die Kupplung zu treten. Als Fahrlehrer müsste man ergänzen: Das ist leider nicht alles, sondern wichtig ist in diesem Zusammenhang folgendes: Kupplung treten, schauen und Warnblinklicht einschalten, rechts heranfahren, bremsen und anhalten (immer bei getretener Kupplung). Anschließend den womöglich laut jaulenden Motor durch Drehen des Zündschlüssels ausschalten. Da gerade Angsthasen in solchen Situationen mit Panik reagieren könnten, werden wir in den Fahrstunden die Situation üben (soweit Toyota-Autos mitgebracht werden). Wer sich an dem jaulenden Motor stört, kann ihn auch schon bei der Heranfahrt ausschalten. Vorsicht: Keinesfalls des Zündschlüssel ganz abdrehen oder gar herausziehen. Sonst droht dei Gefahr einer Lenkradsperre!
Achtung, Fahrer von Automatik-Pkw: Falls das Gaspedal klemmt, wird der Motor stark beschleunigen. Nur auf die Bremse zu treten, ist zu wenig. Besser ist es, den Wählhebel der Automatik in Stellung "N" zu bringen (N= Null oder Neutral). Dabei kann der Motor die Räder nicht mehr bewegen.
Wir werden ehemalige Angsthäsinnen benachrichtigen, die soweit uns bekannt ist ein Auto von Toyota fahren. Folgende Autos aus Toyota-Produktion waren bei uns in Angsthasen-Fahrstunden im Einsatz: Yaris, Corolla, Lexus und RAV4. Bei keinem dieser Autos gab es Probleme mit dem Gaspedal oder den Bremsen. Probleme gab es nur einmal, nämlich beim Yaris, mit dem automatischen Schaltgetriebe.
Kommentar: Toyota oder VW - alle werden sie irgendwann überheblich
Experten sind der Ansicht, dass der Fehler sich einschlich, weil die Firma Toyota, eigentlich für Qualitätsarbeit bekannt, viel zu schnell gewachsen ist und Weltmarktführer werden wollte. Bei der hastigen Expansion wurde nicht mehr so streng auf Qualität geachtet, sondern geschludert. Jetzt bleiben die Kunden aus. Statt Toyota will nun VW Weltmarktführer werden und den wankenden Konzern beerben. Das kann ins Auge gehen.
VW sei an dieser Stelle an das Debakel mit dem Golf 4 und den Frostmotoren erinnert. Damals platzten im nicht mal so strengen Winter die Motoren des Golf 4. 2 unserer Fahrschul-Golf 4 waren ebenfalls betroffen. Ursache war ein Produktionsfehler. Zuerst verweigerte sich VW einer Rückrufaktion. Die Kunden wurden von sogenannten "Kundenbeauftragten" mit barschen Worten abgekanzelt. Dann, nach vielen wütenden Kundenprotesten und einer Aktion der Zeitschrift AutoBild, bequemte VW sich schließlich dazu, die Motoren auf Kulanz zu reparieren. Auch der VW Touran, der regelmäßig im Qualitätsvergleich auf einem der hintersten Plätze landet, ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für den Konzern. Und die übrigen Autos? Aud liegt im Qualitätsvergleich oft vorne, die Massenware des Konzerns - Polo, Golf, Passat - dagegen im mittleren bis unteren Rang. Qualität sieht anders aus.
Frank Müller
Quellen:
Tagesspiegel 2.2.2010, 4.2.2010, 6.2.2010 und 10.02.2010
AutoBild 5.2.2010
http://www.toyota.de/about/news/details_2010_04.aspx
Nachtrag (09.03.2010): Rätselhafte Unfälle in den USA
Laut SPIEGEL ist die Sache noch komplizierter (oder verrückter): Die Gaspedale der Toyota-Autos seien nicht mechanisch mit den Motoren verbunden, sondern elektronisch. Die Drosselklappe, die für die Gaszufuhr zuständig ist, wird dementsprechend durch einen elektromagnetischen Impuls geöffnet. Das heißt aber, dass es mit dem Einbau eines kleinen Metallplättchens am Gaspedal, wie es Toyota zur Fehlerbehebung gerne vorgenommen hätte, nicht getan ist. Die Reparatur wäre viel kostenträchtiger. Der SPIEGEL mutmaßt sogar, Toyota wäre dann "im Handumdrehen bankrott". Was noch erstaunlicher ist: In den USA gibt es inzwischen tausende von Beschwerden über plötzlich los rasende Autos. Und inzwischen 52 (!) Todesfälle. In Europa dagegen keinen einzigen.
Was bitte, hindert die amerikanischen Autofahrer daran, auf die Bremse zu treten, wenn der Motor heftig Gas gibt (und anschließend auf die Kupplung zu treten bzw. den Wählhebel der Automatik auf Null zu stellen)?? Ist der "davon laufende Motor" tatsächlich ein "Urtrauma amerikanischer Autofahrer", vergleichbar mit der Beobachtung von Ufos?
SPIEGEL H. 10/ 2010, S. 134f.
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