Ausbildung in der Fahrschule Schaffen Wir mit Automatik-Pkw.
Keine Angst vor dem Auto und seiner Bedienung
Die Fahrschule Schaffen Wir besitzt keinen Automatik-Pkw. Das hat wirtschaftliche Gründe: Diese Ausbildung wird so wenig nachgefragt, dass der Wagen meistens nur herum stünde. Dennoch können wir eine Ausbildung mit Automatik-Pkw anbieten, da uns eine gut bekannte Fahrschule einen solchen Wagen gegen Mietgebühr zur Verfügung stellt. Schließlich interessieren sich einige Angsthäsinnen oder auch Fahrschüler ganz allgemein, wie denn ein Automatik-Pkw bedient wird, was dort Besonderes beachtet werden muss. Vielleicht fahren sie später auch einmal einen derartigen Wagen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Das Automatik-Getriebe ist leicht zu beherrschen, es gibt aber ein paar Dinge, die beachtet werden müssen.
Die Fahrschule Schaffen Wir bietet auch die Ausbildung mit Automatik-Pkw an. Dabei gehen wir in 2 Schritten vor:
- Wir leihen uns von einer gut bekannten Fahrschule einen Automatik-Pkw und schulen damit. Da dieses Fahrzeug ein Fahrschul-Pkw ist, kann der Fahrlehrer im Notfall eingreifen - für alle Angsthasen eine große Beruhigung. Durch das Ausleihen und den Abschluss einer zusätzlichen Versicherung sind die Kosten für Automatikstunden leider teurer als für Schaltwagenstunden.
- Ein Freund oder Bekannter schafft den Automatik-Pkw der Angsthäsin zur Fahrschule. Damit schulen wir, wenn die Ausbildung und Angstbewältigung fortgeschritten ist. Am Anfang wird der Fahrlehrer den Automatik-Pkw in ein verkehrsruhiges Gebiet fahren.
Gliederung des Artikels:
Gesetzliche Grundlagen
Hinweise zum Automatik-Getriebe
Weitere Besonderheiten bei Automatik-Wagen
Pädagogische Hinweise zur Automatik-Ausbildung
Bewältigung von Fahrängsten durch Automatik? Keine Angst vor dem Auto und seiner Bedienung
Interessenten für die Automatik-Ausbildung
Gesetzliche Grundlagen
1. Fahrschüler, die mit Automatik-Getriebe ausgebildet und geprüft werden, müssen sich im klaren sein, dass ihr Führerschein beschränkt wird auf das Fahren mit Automatik-Wagen; Schaltwagen dürfen Sie nicht fahren - außer, Sie machen später noch extra die Prüfung auf Schaltwagen.
Dazu heißt es in § 17 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Abs. 6:
"(6) Wenn das bei der Prüfung verwendete Kraftfahrzeug mit automatischer Kraftübertragung ausgestattet war, ist die Fahrerlaubnis auf das Führen von Kraftfahrzeugen mit automatischer Kraftübertragung zu beschränken; dies gilt nicht bei der Fahrerlaubnis der Klasse M. Die Beschränkung ist auf Antrag aufzuheben, wenn der Inhaber der Fahrerlaubnis dem Sachverständigen oder Prüfer in einer praktischen Prüfung nachweist, dass er zur sicheren Führung eines mit einem Schaltgetriebe ausgestatteten Kraftfahrzeugs der betreffenden oder einer entsprechenden höheren Klasse befähigt ist."
Andererseits dürfen die Prüflinge, die mit Schaltwagen geprüft worden sind, sehr wohl später auch mit Automatik-Wagen fahren. Wer mit Automatik-Wagen ausgebildet und geprüft wird, der hat mit einer gewissen Beschränkung zu leben.
Bevor diese Regelung eingeführt wurde, gab es noch die Möglichkeit, in der Ausbildung zuerst 7 Schaltwagen-Stunden zu nehmen, dann weiterzufahren mit Automatik-Pkw, die Prüfung mit Automatik-Pkw zu absolvieren und dennoch den vollen, sprich Schaltwagen-Führerschein zu bekommen. Bei uns haben sich Angsthäsinnen zur Betreuung gemeldet, die unter diesen Bedingungen ausgebildet, nie das richtige Bedienen des Schaltwagen erlernten, in leichte Unfälle verwickelt wurden und deshalb das Fahren ganz vermieden. Aus solchen Gründen hat man diese Regelung abgeschafft.
2. Angsthasen mit Führerschein: Als Führerscheininhaber sind diese fahrängstlichen Menschen Führer des jeweiligen Kfz. Soweit sie im Fahrschul-Pkw fahren, haben sie durch mündlichen Vertrag den Fahrlehrer ermächtigt, in gefährlichen Situationen einzugreifen. Praktisch ist also der Fahrlehrer Führer des Kfz. Anders ist es im oben genannten Fall, wenn im (Automatik-)Pkw der Angsthäsin trainiert wird. Dann hat der Fahrlehrer keine Möglichkeit mehr, einzugreifen, außer durch Worte, und die Angsthäsin am Steuer ist voll verantwortliche Führerin. Umso wichtiger ist es, sich am Anfang dieser Ausbildung nur in sehr ruhiges Gebiet zu begeben! Der Fahrlehrer sollte dann den Pkw der Angsthäsin selbst von der Fahrschule in das ruhige Gebiet steuern.
Grundsätzliche Hinweise zum Automatik-Getriebe
Ein vollautomatisches Getriebe besteht aus zwei mit einander verbundenen Einheiten:
1. einer hydraulische Kupplung, die die Arbeit der mechanischen Kupplung übernimmt und
2. einem automatisch geschaltetes Getriebe, das vollautomatisch je nach Motordrehzahl und Fahrgeschwindigkeit geschaltet wird.
Bei Fahrzeugen mit Automatik-Getriebe wird
a) die Kupplung
b) die Gangwahl
durch das automatische Getriebesystem ersetzt.
Der linke Fuß bleibt entlastet. Der rechte Fuß bedient entweder Gas- oder Bremspedal. Das automatische Getriebe kuppelt und schaltet selbst, ohne Zutun des Fahrers.
Bedienung des automatischen Getriebes
Sie finden den Wählhebel normalerweise in Stellung "P" vor (das bedeutet "parken"). In dieser Stellung können Sie auch den Motor starten. Die Stellungen des Wählhebels sind
- P (= parken)
- R (= rückwärts)
- N (= null, eine Art Leerlauf)
- D (= drive, = fahren, die normale Fahrstufe für vorwärts fahren und schalten)
- und drei niedrigere Schaltstufen (= 3, 2 und 1. Statt dessen kann dort auch stehen L (= low) und S (= slow). Statt der niedrigeren Schaltstufen (3 - 2 - 1) finden Sie auch manchmal neben dem Wählhebel ein + oder -. Damit können Sie ebenfalls mit dem Wählhebel herauf- oder herunter schalten.
Um nun den Wählhebel von P über R und N in die normale Fahrstellung D zu ziehen, müssen Sie vorher zwei Dinge tun:
1. Sie müssen auf das Bremspedal treten und
2. Sie müssen den Knopf auf der oberen linken Seite des Wählhebels eindrücken.
Nun können Sie in Stellung D das Bremspedal loslassen und ganz normal fahren und bremsen - Sie brauchen sich weder ums Schalten noch ums Kuppeln zu kümmern. Jedesmal, wenn Sie anhalten wollen, treten Sie die Bremse und halten Sie den Wagen mit der Bremse fest. Wenn Sie die Bremse loslassen, fährt der Wagen wieder an. Wenn Sie am Berg anfahren wollen, brauchen Sie nicht die Handbremse zu ziehen. Sie treten leicht die Bremse, lassen für das Anfahren die Bremse los und treten auf das Gas. Wenn Sie parken wollen, dann treten Sie das Bremspedal und legen bei Stillstand des Wagens wieder Stellung "P" ein. Das wäre das Wichtigste.
Bedeutung der niedrigen Schaltstufen (3 - 2 -1 oder + -): Das Automatik-Getriebe ist so eingestellt, dass es zur Energieersparnis früh in die höheren Gänge (4 oder 5) hoch schaltet. Das ist gut so, wirkt sich nur in 2 Situationen nachteilig aus:
- Abwärts fahren: Bei einer längeren Fahrt bergab sollten Sie die Motorbremse einsetzen, um die Betriebsbremse (Fußbremse) des Wagens zu schonen. Das Automatik-Getriebe würde in dieser Situation schnell auf den 5. Gang schalten, damit könnte der Motor aber nicht bremsen. In disem Fall müssen Sie durch eine niedrigere Schaltstufen die Motorbremse erzwingen (3 oder 2 oder mehrmals auf - klicken).
- Überholen oder in die Autobahn einfahren: Hier ist kräftige Beschleunigung gefordert. Wenn das Automatik-Getriebe aber schnell hochschaltet, wird der Motor nur langsam vor sich hin tuckern, nicht gerade kräftig beschleunigen. Dann müssen Sie das Beschleunigen erzwingen, den Motor kräftig drehen lassen durch Zurückschalten (Stufe 3 oder wieder -). Hinterher, wenn Sie auf der Autobahn fahren, stellen Sie den Wählhebel wieder auf D.
Grundsätzlich können Sie auch mit dem Automatik-Getriebe "schalten", aber bitte nur so, wie es der Geschwindigkeit angemessen ist. Möglich wäre es z.B., bei 80 km/h in die Stufe 3 zu schalten, gefährlich dagegen, die Stufe 2 oder gar 1 zu wählen. Das würde zu einer Getriebe- oder Motorschädigung führen!
Kick-down: Sie können beim Beschleunigen oder Einfahren in die Autobahn das Zurückschalten vom 5. oder 4. Gang in die Schaltstufe 3 erzwingen, indem Sie kräftig aufs Gaspedal drücken (= kick down). Wenn das Getriebe richtig eingestellt ist, wird es dadurch zurück schalten. Weil dies aber nicht immer funktioniert, bleibt auf jeden Fall die Möglichkeit, manuell, mit dem Wählhebel, den gewünschten Gang 3 zu wählen.
Weitere Besonderheiten bei Automatik-Wagen
Die Anschaffungskosten von Automatik-Wagen sind naturgemäß größer als die von Schaltwagen (ca. 1000 bis 1500 € mehr). Außerdem ist der Kraftstoffverbrauch etwas höher (ca. 1 l pro 100 km). Bei einer Panne dürfen sie über längere Strecken nicht abgeschleppt werden (die "N"-Stellung im automatischen Getriebe entspricht nicht dem Leerlauf im Schaltgetriebe), nur kurze Strecken sind erlaubt: In der Betriebsanleitung nachlesen! Mit Stellung N dürfen Sie z.B. die kurze Strecke in einer Waschanlage fahren. Auch das Anschleppen bzw. Anschieben des Wagens bei einer defekten Batterie, um den Motor so wieder in Gang zu bringen, ist nicht erlaubt. Es bleibt dann nur die Hilfe über das Starterkabel. Wenn Sie mit Ihrem Automatik-Wagen wegen einer Panne liegen geblieben sind, dann muss ein Lkw kommen, der Ihren Wagen auflädt.
Pädagogische Hinweise zur Automatik-Ausbildung
Für erfahrene Kraftfahrer ist das Fahren mit Automatik-Getriebe eine Erleichterung und schont die Nerven: Kuppeln und Schalten entfällt, man kann sich mehr auf den Verkehr konzentrieren.
- Auch für Angsthasen mit gewisser Autoerfahrung ist das Fahren mit Automatik-Getriebe eine Erleichterung, da sie je nach Wunsch und ganz fein dosierbar in schwierigen Situationen langsam fahren können. Dadurch entsteht sofort ein großes Sicherheitsgefühl. Dies ist auch mit Schaltwagen möglich, aber komplizierter umzusetzen.
Für die Ausbildung mit Automatik-Getriebe und für Neuanfänger gilt diese Aussage jedoch nur mit Einschränkung. Schaltwagen-Fahrschüler/innen wissen durch viele Lernvorgänge, dass Verkehrs-Situationen, z.B. Kreuzungen, nur mit bestimmten Gängen befahren werden dürfen. Dadurch bildet sich bei ihnen ein fester Handlungsablauf heraus: Vorausschau - Spiegel schauen - bremsen - herunter schalten - langsamer bzw. bremsbereit fahren. Die Vorausschau wird ihnen durch die Eigenart der Schaltwagen-Bedienung praktisch eingebläut, was der Ausbildung sehr zugute kommt. Dieser feste und pädagogisch erwünschte Handlungsablauf müssen Automatik-Schüler/innen zusätzlich erlernen, was oft sehr mühsam ist.
Auch das Anfahren und das Rückwärtsfahren ist bei der Automatik-Schulung immer wieder mal angstbesetzt. So kann beim Rückwärtsfahren in eine Parklücke durch einen kräftigen Tritt aufs Gaspedal der Wagen mit voller Kraft in die Lücke schießen... Schaltwagen-Schüler schleppen sich dagegen erstmal mühsam vorwärts oder rückwärts, immer "bedroht" vom Abwürgen des Motors
Wir wollen den Automatik-Schülern durch diese Aussagen aber nicht die Freude an der Ausbildung nehmen, sondern nur davor warnen, die Automatik-Ausbildung sei leichter als die Schaltwagen-Ausbildung. Sie ist nicht leichter, sondern in einigen Punkten anders. Vorausschau und angepasstes Fahren in allen Verkehrssituationen müssen beide Gruppen - Automatik- wie auch Schaltwagen-Schüler - gleichermaßen lernen.
Bewältigung von Fahrängsten durch Automatik? Keine Angst vor dem Auto und seiner Bedienung
Grundsätzlich gilt, dass sich Ängste dadurch am besten bewältigen lassen, dass man in die Angstsituationen hineingeht oder -fährt. Wenn das Auto selbst angestbesetzt ist, dann sollte man mit dem Auto und seiner Bedienung vertrauter werden und das Auto gerne bedienen. Wenn speziell der Schaltwagen irgendetwas mit der Angstsituation zu tun hat, dann muss er bei der Angstbewältigung wieder dabei sein. Beispiel: Abgewürgt mit dem Schaltwagen auf der Kreuzung, dadurch kleiner, harmloser Vorfahrtunfall. Nach dem Unfall entstand Angst vor weiteren Unfällen, Angst, womöglich Menschen zu verletzen. Diese Situation muss wieder mit dem Schaltwagen aufgearbeitet werden. Üben mit Automatik wäre Ausweichen, Flucht und würde die Ängste nicht abbauen.
Viele Angsthasen fahren ganz gerne Schaltwagen oder möchten wieder damit lernen. Sie empfinden beim Kennenlernen des Schaltwagens ein tieferes technisches Verständnis für das Funktionieren der Maschine und versprechen sich damit eine bessere Kontrolle über die Maschine.
Menschen mit Panikattacken auf der Autobahn fahren gerne mit Schaltwagen. Denn das Schalten und Kuppeln entspannt und entkrampft die angststarren Muskeln.
Für welche Gruppen ist denn das Fahren mit Automatik gut?
Angsthasen mit Automatik-Führerschein: Für diese Gruppe ist das Auffrischen und Befahren von früher angstbesetzten Situationen mit dem Automatik-Wagen in Ordnung.
Angsthasen mit Schaltwagen-Führerschein, die ihre Ängste nicht wegen des Gebrauchs des Schaltwagens erworben haben, und gerne Automatik fahren würden.
- Auffrischer/innen mit Schaltwagenführerschein, die sich nach langer Autoabstinenz ein Automatikauto gekauft haben und vorerst mit der Fahrschule üben wollen. In diesem Fall spricht nichts dagegen, mit dem Automatik-Auto zu üben.
- Alle Angsthasen oder Fahrschüler, die überhaupt einmal ein Automatik-Auto in der Praxis kennen lernen wollen.
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