Automatisierte Verhaltensabläufe in der Fahrausbildung

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF | Drucken | E-Mail


Automatisierte Abläufe im Auto sind die Grundlage der Fahrausbildung und funktionieren meistens auch bei Stress

Automatisierte Verhaltensabläufen in der Fahrausbildung - Grundlage für sicheres und angstfreies Autofahren ohne Stress

Die Automatisierung von Verhaltensabläufen spielt in der Führerscheinausbildung eine große Rolle. Parallelen zur Verhaltensbiologie werden hier ebenso besprochen, wie eine Liste der wichtigsten zu automatisierenden Handlungen beim Fahren mit dem Pkw im Straßenverkehr. Wichtig ist die Automatisierung bestimmter Fahrtechniken auch für unsere Angsthasen, d.h. Menschen mit Fahrangst. Denn diese schafft Vertrauen, mit dem fahrbaren Untersatz kompetent umgehen zu können und hält den Kopf frei für die schwierigen Dinge im Straßenverkehr. Sogar, wenn Stress beim Autofahren droht oder überhand nimmt, bilden sie immer noch eine gewisse Stütze und Grundgerüst, so dass nicht so viel schief gehen kann. Automatisierte Verhaltensabläufe sind die Grundlage für sicheres und angstfreies Autofahren ohne Stress.

Ein Fußgänger "geht" nicht - "es geht" von allein

Wenn jemand geht, dann denkt er nicht weiter über das Gehen nach: Die Bein- und Fußmuskeln spannen sich an, das Körpergewicht wird nach vorne verlagert, dann wird abwechselnd das rechte bzw. linke Bein nach vorne gesetzt. Die ganze Bewegung wird mit den Augen und dem Gleichgewichtssinn koordiniert. "Es geht" eben von allein; z.B. kann sich der Fußgänger beim Gehen plaudernd mit seinem Begleiter unterhalten, ohne auf die Beinbewegung und das Gleichgewicht zu achten. Würde man ihn bitten, mal auf das Gehen zu achten, käme er womöglich ins Stolpern. Der erwachsene Fußgänger verhält sich hier ganz anders als ein Kleinkind, das gerade das Gehen lernen will und mühsam die Fortbewegung mit den Beinchen und das Halten des Gleichgewichts koordinieren muss und leider vielleicht ein kleines Hindernis übersieht. Ein schwieriger, von Rückschlägen (= Plumpsen) und Tränen begleiteter Prozess, der höchste Konzentration erfordert. Und doch, am Schluss "geht es", stolz und strahlend und schließlich einfach so.

Fahrschüler/innen befinden sich in der Rolle von Kleinkindern, sie müssen ebenfalls "das Gehen" lernen. Übersetzt Schalthebelführung 1. - 2. Gangheißt das Gehen hier z.B. das Schalten, Anfahren, Beschleunigen, Verzögern, Lenken, Blicken, Rückwärtsfahren. Jede dieser Tätigkeiten beim Umgang mit dem Kfz erfordert zu Anfang volle geistige Konzentration und lernt sich nur mühsam, begleitet von Rückschlägen. Es ist wirklich ein schwieriger Weg: Auch wenn z.B. das Schalten im Stand schon ganz  gut geht, kann es bei der langsamsten Fahrt schon wieder Durcheinander geben. Und noch ein bisschen anstrengender wird es, wenn sich Hektik wegen einer komplizierten Verkehrslage ausbreitet oder auch nur, wenn der Fahrlehrer einfach ein bisschen plaudern will. Dann wird im Krampf der 2. statt des eigenlich gewollten 4. Ganges eingelegt, das Fahrzeug bremst plötzlich "aus heiterem Himmel" stark ab. Verwirrung und Verzweiflung nehmen zu...

Bedingte Reflexe

Und doch - jede Fahrschülerin/jeder Fahrschüler muss da durch. Am Schluss der Ausbildung haben sie sich einen Vorrat von automatisierten Verhaltensabläufen angeeignet, der es ihnen erlaubt, das Autofahren "beinahe" zu vergessen, sich auf komplizierte Fahraktionen zu konzentrieren oder mit dem Fahrlehrer zu plaudern. Die Psychologen nennen solche automatisierten Verhaltensabläufe "bedingte Reflexe." Ein Reflex ist ein schematischer Vorgang, der auf einen bestimmten Reiz hin schnell und automatisch abläuft, ohne Beeinflussung durch den Verstand. Im Gegensatz zu den angeborenen Reflexen sind die hier gemeinten Reflexe allerdings "bedingt", d.h. später erworben und angelernt, und können bei Nicht-Gebrauch irgendwann wieder etwas in Vergessenheit geraten, besser gesagt "einrosten".

Schalthebelführung 3. - 4. GangMenschen mit Fahrängsten sind besonders darauf angewiesen, dass automatisierte Fahrtechniken sorgfältig geübt werden. Denn so steigt das Vertrauen, mit dem Auto kompetent umgehen zu können. Der Kopf bleibt frei für die wichtigen und schwierigen Situationen im Straßenverkehr. Umgekehrt steigen Verwirrung und Angst, wenn es "unversehens" immer wieder zu Fehlbedienung kommt.

Die Eigenarten der automatisierten Verhaltensabläufe (d.h. der bedingten Reflexe) in der Fahrausbildung

  1. Automatisierte Verhaltensabläufe können erlernt werden:

    Bedingte Reflexe können im Gegensatz zu den angeborenen Reflexe erlernt werden. D.h. sie können zielbewusst angeeignet und da eingesetzt werden, wo sie nützlich sind. In unserem Fall also bei der Fahrschulausbildung. Im besten Fall gehen sie so "in Fleisch und Blut" über, dass sie vom Betreffenden überhaupt nicht mehr wahrgenommen, geschweige denn beschrieben werden können. Eine alte Erkenntnis lautet, dass normale Autofahrer das Autofahren gar nicht mehr beschreiben, geschweige es anderen beibringen können. Im Gegensatz zu den angeborenen Reflexen können bedingte Reflexe leider auch wieder etwas verlernt werden, nämlich dann, wenn die gewohnten Verhaltensabläufe über einen längeren Zeitraum nicht ausgeführt wurden. Der Volksmund spricht treffend davon, dass bestimmte Fähigkeiten "eingerostet" sind.

  2. Automatisierte Abläufe erfolgen schnell und einfach, ohne Verarbeitung durch das Großhirn:

    Bei Erreichen einer bestimmten Drehzahl, z.B. 2000, schaltet ein Fahrschüler, tritt die Kupplung, gleichzeitig zieht er die Fußspitze des rechten Fußes vom Gaspedal weg, legt die rechte Hand auf den Schalthebel, schaltet vom 3. in den 4. Gang, nimmt die Hand wieder ans Lenkrad, löst den linken Fuß vorsichtig von der Kupplung und und setzt ihn links auf dem Radkasten ab. Dann gibt er wieder Gas. Der ganze Vorgang erfolgt relativ einfach und nach Schema F, ohne groß nachzudenken. Ausgelöst durch den Reiz der Drehzahl erfolgt eine Reaktion (Drehzahlmesser beobachten oder Motorgeräusch wahrnehmen - Schalten). Der Verstand ist dabei nicht beteiligt. Der Fahrschüler kann derweil z.B. mit seinem Fahrlehrer plaudern oder den Verkehr beobachten

  3. Es gibt wichtige und weniger wichtige Automatismen:

    Jeder kennt den Kniesehnenreflex, wobei der Arzt mit dem Hämmerchen gegen das Knie klopft, so dass das Bein nach vorne schnellt. Das ist ein merkwürdiger, eher unwichtiger Reflex. Wichtig ist aber z.B. der Reflex des Augenzwinkerns, mit dem wir unsere Augen feucht halten und vor eindringenden Fremskörpern schützen.
    So gibt es auch bei der Fahrausbildung wichtige und weniger wichtige Automatismen. Ganz wichtig sind z.B. alle Abläufe, mit denen die Geschwindigkeit beim langsamen oder schnelleren Fahren kontrolliert werden kann. Weniger wichtig ist z.B. die Lenkmethode, die unter Fahrlehrern beinahe einen Glaubenskrieg ausgelöst hätte (Ziehen-Schieben gegen Übergreifen). Denn das sichere Fahren in einer Kurve wird nicht durch die Lenkmethode, sondern in erster Linie durch die Kontrolle der Geschwindigkeit erreicht. Daher ist es auch einigermaßen hinrrissig, die Schüler/innen stundenlang mit reinen Lenkübungen zu quälen.

  4. Automatisierte Abläufe lassen sich nur in Ruhe, abgeschirmt und mit Einsatz des Verstandes lernen:

    Zum Kennenlernen des Fahrzeugs fahren wir ins Industriegebiet, andere Fahrlehrer haben ebenfalls ihre vom Verkehr weitgehend Ausbildungsbeginn im ruhigen Gewerbegebietabgeschirmten Lernbereiche. Dann wird ein ganz einfacher Vorgang im stehenden Fahrzeug erläutert, vorgeführt und anschließend vom Schüler oder von der Schüerlin gedanklich wiederholt und im stehenden Fahrzeug selbst ausgeführt. Es wenn es in dieser ruhigsten aller möglichen Situationen klappt und sich ansatzweise ein "Muskelgedächtnis" herausgebildet hat, kann man den selben Vorgang auch bei ruhiger Fahrt üben. Bei der Fahrt wird es oftmals wieder zu Störungen oder zu Durcheinander kommen. Dann muss wieder von vorne, im Stillstand, geübt werden
    Genau gesagt spielen folgende Lernmethoden eine wichtige Rolle: Vormachen und Nachahmen, bewusstes Verstehen und gedankliches Gliedern und praktisches Üben.

  5. Wieviel Übungen brauche ich denn, bis mein Verhalten automatisiert ist?

    Das ist eine von Fahrschülern oft gestellte Frage. Wissenschaftler haben durch Versuche herausgefunden: Ungefähr 30 bis 40 Übungen. An einem Beispiel: Ich muss ungefähr 30 bis 40 mal den Schalthebel richtig vom ersten zum zweiten Gang geführt haben, damit es klappt, ohne weiter nachzudenken. Richtig heißt: Ohne auf den Schalthebel zu schauen, sondern nach vorne; mit langsamer, ruhiger Bewegung und kleiner Pause beim Erreichen des Leergangs; etwas Druck der rechten Hand nach links, gegen die Federkraft, die den Schalthebel in die Mitte zwischen Gang drei und vier zu seiner Ruhelage führen will.
    Wir müssen die Zahlenangabe 30 bis 40 allerdings relativieren. Sie bezieht sich auf Übungen in einer bestimmten Stresssituation. Wenn wir daher aus dem ruhigen Industriegebiet in lebhaftere Wohnstraßen fahren, Spannung und Ablenkung steigen, dann geht es beinahe wieder von vorne los. Nichts klappt mehr, der Schalthebel wandert im Krampf ganz woanders hin, als er eigentlich soll. Man übt automatisiertes Verhalten in schwieigen, belastenden Situationen praktisch neu.

  6. Automatisierte Abläufe lassen sich kombinieren:

    Nach ihrer Aneignung lassen sich verschiedene Automatismen zu einem neuen Set von komplizierten Standardabläufen kombinieren: Aus der reinen Schalthebelführung und der Betätigung von Kupplung und Gas wird z.B. das Schalten. Dieser Vorgang kann wieder kombiniert werden mit der Spiegelsicht und dem Bremsen zu einem neuen Gesamtvorgang "Verzögern": Innenspiegelsicht - Bremsen - Auskuppeln - Herunterschalten - Kraftschluss. Das Verzögern ist dann ein neuer, komplizierter Automatismus, zusammengesetzt aus mehreren einfachen. Aus der Geschwindigkeitskontrolle, kombiniert mit Lenken, wird das Befahren einer Kurve, Vorspiel zum Abbiegen.
    Auch für kombinierte und komplizierte Abläufe gelten die Lerngesetze Vormachen und Nachahmen, bewusstes Verstehen und praktisches eigenes Üben. D.h. die Schüler/innen müssen es selbst tun, auch wenn es zu Anfang oft Durcheinander gibt. Wer als Fahrlehrer dagegen den bequemeren Weg geht, in Kurven z.B. selbst Bremse und Gas übernimmt, während die Schüler/innen nur lenken dürfen, darf sich nicht wundern, dass diese nie richtig Kurve fahren können.

  7. Automatisierte Abläufe schützen vor Stress und Fahrangst beim Autofahren. So haben Sie weniger Angst vor dem Auto oder Angst vor dem Autofahren.

    Automatische Abläufe sind, wenn sie nicht nur in Ruhe, sondern auch bei komplizierten und spannungsgeladenen Situationen eingeübt wurden, einigermaßen gegen störende Gedanken und Gefühlseinflüsse abgeschirmt. Dann klappt die Schalthebelführung auch unter starkem Stress oder bei Fahrangst. Jedoch gibt es Grenzsituationen, in denen Nervosität und Angst gar nicht mehr bewältigt werden, sondern das arme Menschlein völlig überfluten. Dann stellt sich oft völliger "Blackout", d.h. ein schwarzes Loch im Gehirn ein und der Wagen fährt führerlos dahin. Aber im allgemeinen stimmt die Aussage, dass automatisierte Abläufe die Angst vor dem Auto oder die Angst vor dem Autofahren abschirmen oder abmildern.

  8. Der Kopf bleibt frei für komplizierte Situationen. Dadurch fahren Sie sicher:

    Das Erlernen der automatisierten Verhaltensabläufe hält den Kopf frei für wirklich schwierige Situationen oder dient einfach nur der Entspannung. Fahrschüler/innen klagen am Anfang zurecht, dass sie sich einfach "auf zu viele Dinge" (schalten, kuppeln, bremsen, blinken, lenken...) konzentrieren müssen. Sie hätten daher weder Zeit noch Gelegenheit, auf den Verkehr zu achten oder sich mit dem Fahrlehrer zu unterhalten. Aber sicher gibt es in jeder Ausbildung dann doch einen Punkt, wo die wichtigsten Abläufe "in Fleisch und Blut" übergegangen sind. Dann können Fahrschüler/innen endlich mal auf den Verkehr achten, sich mit dem Fahrlehrer unterhalten und die ganze Sache, nämlich das Autofahren, endlich ein bisschen genießen. Durch das Erlernen der automatisierten Abläufe fahren Sie sicher.

  9. Automatisierte Abläufe sind nötig als Grundlage der weiteren Ausbildung:

    Sind diese Automatismen nicht oder nur etwas eingelernt und wird statt dessen gleich im dichten Verkehr "drauflos" gefahren, dann kommt es zu Störungen, Ablenkungen bis zu regelrechten Zusammenbrüchen. Denn die Aufmerksamkeit schwankt hin und her zwischen dem Verkehrsgeschehen und der Angst, falsch zu schalten, zu bremsen, zu kuppeln... Statt auf den Verkehr in der Stop-Kreuzung achtet der Fahrschüler dann mehr auf den Schalthebel ("bin ich wirklich im ersten Gang??") Und bleibt schließlich an letzterem hängen! Dies müsste für den Ausbildenden ein Alarmzeichen sein, in der Ausbildungsstufe wieder zurückzugehen. Aus Punkt 4. und 5. ist zu folgern, dass sie zentral sind für die Fahrschülerausbildung.

  10. Automatismen bleiben, sie werden nicht so schnell vergessen:

    Fahrzeug sichen gegen Wegrollen Wer einmal radfahren oder schwimmen gelernt hat, kann es im Grunde immer, auch wenn er jahrelang nicht mehr geschwommen oder Rad gefahren ist. So ist auch mit dem Autofahren: Wer es einmal gekonnt hat, kann diese Fahrtechniken - trotz jahrelanger Vermeidung - bald wieder aktivieren. Zu uns sind schon Menschen gekommen, die über 20 Jahre lang (!) nicht mehr gefahren sind. Natürlich mussten wir dann fleißig im Industriegebiet üben, und es dauerte etwas, bis Schalten, Kuppeln, Lenken, Bremsen wieder geschmeidig und sicher funktionierten. Doch ließ sich das alles wiederbeleben und konnte letztlich schneller und sicherer eingesetzt werden als bei einem puren Fahranfänger.

  11. Falsch gelernte Automatismen lassen sich schlecht verlernen:

    Automatismen lassen sich, wenn eingelernt, wieder aktivieren. Sie werden nicht so leicht vergessen. Das gilt auch, wenn sie falsch gelernt sind. Immer wieder passiert es uns, dass wir Fahrschüler/innen aus anderen Fahrschulen kennen lernen, die falsch ausgebildet sind. Dann wird z.B. der Schalthebel nicht richtig, sondern bei allen Gängen von oben, mit spitzen Fingern, angefasst (die unter Fahrlehrern berüchtigte "Schaltkralle"). Für einen gut ausbildenden Fahrlehrer ist das ein Graus. Weil der Fahrschüler damit nicht zwischen der Ebene 1. und 2. Gang und der Ebene 3. und 4. Gang unterscheiden kann, verschaltet er sich öfter, die Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen schweift ab... Oder ein anderes Beispiel: Die Schüler/innen fahren pausenlos mit dem linken Fuß auf der Kupplung, drücken die Kupplung sofort und oft sinnloserweise bei jeder kleinen Stress-Situation.
    Der falsche Automatismus kann jedoch leider nicht einfach vergessen und ausgelöscht werden. Es ist besser - für den Betreffenden leider kostenträchtig - die Sache noch mal ganz von vorne zu beginnen und einen neuen, diesmal richtigen Automatismus neben den alten zu stellen. Wird der neue nur konsequent ausgeführt und umgesetzt, dann verblasst der alte oder rostet doch wenigstens etwas ein

  12. Zur Bewältigung einer Situation können verschiedenen Abläufe gewählt werden:

    Reflexe laufen nach dem Schema Reiz-Reaktion ab (z.B. beim bekannten Knieklopfen mit dem Hämmerchen schnellt das Bein hervor). Bedingte Reflexe, automatisierte Abläufe, sind zwar auch im weitesten Sinne an einen Reiz gekoppelt (z.B. das Schalten an die Motorlautstärke oder die Anzeige des Drehzahlmessers). Die Reizkoppelung ist zu Anfang eng, d.h. Fahrschüler/in sind tatsächlich zum Schalten auf den Drehzahlmesser angewiesen. Jedoch wird die Bindung an einen bestimmten Reiz im Laufe der Ausbildung lockerer, so dass auf einen Reiz hin mehrere Standardabläufe zur Wahl stehen können.
    Beispiel: 2.-Reihe-LKW. 1. Ablauf : Verzögern, 2. Ablauf: Ausweichen.
    Im Idealfall können Fahrschüler/innen je nachdem also den für die Situation geeignetsten Ablauf aus einem Vorrat von einigen zur Wahl stehenden Abläufen wählen. Kommt im Beispiel 2.-Reihe-Lkw der nachfolgende Verkehr schon sehr nah, dann empfiehlt es sich, besser das Verzögern und nicht das Ausweichen zu wählen.

Falsche Ausbildung verwirrt, überfordert und ist leider auch kostenträchtig

Immer wieder bekommen wir Fahrschüler/innen von anderen Fahrschulen, bei deren Ausbildung nicht einmal die einfachsten Regeln befolgt wurden. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände empfiehlt z.B., nach Ausbildungsstufen auszubilden. Danach beginnt die Ausbildung mit ganz einfachen, auf die Bedienung des Autos ausgerichteten Punkten: Kennenlernen des Autos, Fahrzeugbedienung. Das sind Grund- und Aufbaustufe. Und hier sind viele der von mir so beschriebenen Verhaltensabläufe zu finden.

Ausbildungsdiagrammkarte der FahrlehrerverbändeAber was geschah in der Ausbildung dieser armen, bedauernswerten Fahrschüler/innen? Man hat sie unlustig nicht mal eine Stunde lang am Auto unterwiesen und dann schnell in den Fließverkehr gejagt. Hier breitet sich allerdings immer mehr das Gefühl der Überforderung aus, nichts klappt mehr. Am Stopschild schielen sie ängstlich auf den Schalthebel ("welchen Gang habe ich denn jetzt eingelegt?") und beim Fahrstreifenwechsel treten sie vor Angst auf die Kupplung. Es rächt sich nun, dass niemals versucht wurde, die Fahrzeugbedienung als unbewusste Funktion einzuschleifen. An Verkehrsbeobachtung und -beurteilung ist schon gar nicht zu denken. Das provoziert nun wieder ärgerliche Reaktionen des sogenannten Fahrlehrers.

Solchen armen Fahrschülern/innen kann man nur raten: Wechselt die Fahrschule, vergesst alles, was Ihr gelernt habt und fangt noch einmal von vorne an, nämlich mit den einfachsten Verhaltensabläufen: Anfahren, Schalten, Bremsen, Kuppeln, Lenken. Und erst, wenn das gut eingeschliffen ist, lasst uns systematisch weitermachen. Dass damit auch die Gesamtkosten überlaufen, kann man eigentlich nicht den Fahrschülern/innen anrechnen.

Automatisierte Abläufe in der Ausbildungspraxis

Automatisierte Abläufe sollten in Ruhe, aber auch in Fahr- bis zu komplizierten Situationen problemlos funktionieren. Sie sollten sich zu Sets von komplizierten Standardabläufen vereinigen lassen. Sie sollten relativ stabil bei Stress funktionieren und durch ihr problemloses Funktionieren dem Fahrenden den Kopf freihalten für  schwierige Situationen. In vielen Situationen sollten die Fahrschüler/innen frei wählen können zwischen mehreren, mehr oder weniger geeigneten Abläufen. Und schließlich sollte dem Fahrschüler/ der Fahrschülerin die große Bedeutung dieser Übungen für die Ausbildung klar sein.

Entriegeln der LenkradsperreDie Lernentwicklung geht immer von der rein verstandesmäßigen Aneignung zum unbewussten Ablauf; von der Übung bei völliger Ruhe bis zum Ablauf in komplizierten, hektischen Situationen; von  der durch den hinweisenden Fahrlehrer verursachten Koppelung an einen äußeren Auslöser bis zum selbständigen Erkennen und freien Reagieren durch den Fahrschüler/ die Fahrschülerin. In der Praxis empfiehlt es sich, vor dem Losfahren die einfachen Abläufe im Auto in Ruhe zu besprechen und nach Ansage durch den Fahrlehrer zuerst im Stand zu üben. Dabei müssen wir aber auch immer an das Vorwissen der Fahrschüler/innen oder ihre eigenen, oft richtigen oder auch "ängstlichen" Vorstellungen anknüpfen.

Was ist besser - zuerst Bremse, dann Kupplung; oder etwa zuerst Kupplung, dann Bremse?

Zu Beginn steht aber immer die verstandesmäßige Aneignung und ein Verständnis davon, wie sinnvoll die Sache ist.
Beispiel: Die Reihenfolge beim Verzögern, nämlich Innenspiegel - Bremsen - Kuppeln - Herunterschalten... Viele Fahrschüler/innen würden in dieser Situation bevorzugen, sofort die Kupplung zu treten. Grund: Sie fürchten, der Motor könne ausgehen. Von der Vernunft her und der Verkehrssicherheit ist es aber wichtig, zuerst, nach dem Spiegelschauen, die Bremse zu treten, und dann erst die Kupplung. Denn dann leuchtet das Bremslicht sofort auf und warnt die Nachfolgenden. Zweitens wird der Vorgang des Verzögerns gleichmäßiger, früher einsetzend, als wenn zuerst die Kupplung gedrückt wird. Denn in diesem Fall würde das Auto ungebremst, nicht einmal durch die Motorbremse gebremst, dahinschießen.

Ausprobieren sollten wir die Sache unbedingt in einem ruhigen Gebiet mit breiten Straßen. Hier können wir experimentieren. Geht denn der Motor wirklich aus, wenn wir bei Tempo zuerst auf die Bremse treten? Was geschieht denn mit dem Bremsweg, wenn wir zuerst kuppeln? Die Erfahrung sollten alle machen: Wenn wir zuerst kuppeln, wird das Auto relativ, vom Gefühl her, sogar schneller, das Hindernis schießt richtig auf uns zu.

Weiteres Experiment: Den Wagen im 2. Gang rollen lassen, ohne Gas mit dem Gaspedal. Der rollt weiter - ungläubiges Staunen - und rollt, ohne auszugehen Dabei braucht auch niemand die Kupplung zu drücken. Lösung: Der Motor bekommt tatsächlich Gas, aber ohne unser Zutun, nämlich Leerlaufgas. Und das reicht schon für das ruhige Dahinrollen.

Etwas komplizierter wird der Vorgang beim Langsamfahren, wenn wir anhalten wollen. Denn hier müssen wir tatsächlich zuerst die Kupplung treten, dann die Bremse, sonst geht womöglich wirklich der Motor aus. Entscheidend ist die Beobachtung des Drehzahlmessers: Immer bei Drehzahlen unter 1000, etwa bei 800 oder gar 700, ist zuerst die Kupplung zu treten. Dann stimmt aber auch die Verkehrssicherheit, denn wir brauchen niemand zu warnen vor einem anstehenden Bremsweg. Wir stehen ja schon beinahe.

Kann die Ausbildung mit Automatik-Getriebe das Einüben automatisierter Abläufe ersparen?

Die Lösung scheint zunächst klar: Ein Pkw mit Automatik-Getriebe erspart viele der hier beschriebenen Automatismen: Z.B. das Schalten, das Schleifen der Kupplung beim Anfahren, das Bremsen mit Treten der Kupplung, das schwierige Einüben verschiedener Formen des Langsamfahrens, das relativ komplizierte Anfahren am Berg mit dem Schaltwagen. Das Automatik-Getriebe verbunden mit der automatischen Kupplung nimmt einem einen Teil diese Vorgänge ab und hält den Kopf frei für die wichtigen Verkehrsvorgänge.

Pedale beim Automatik-GetriebeFür jemanden, der mit dem Schaltwagen gelernt hat und nun mit dem Automatik-Pkw im Verkehr unterwegs ist, stimmt diese Aussage tatsächlich.

Anders sieht es aber bei Fahrschülern/innen aus. Zum Beherrschen von Verkehrssituationen ist das Üben mit dem Schaltwagen pädagogisch günstiger als mit dem Automatikwagen. Denn beim Schaltwagen müssen sich alle Anfänger durchquälen durch Übungen mit der Kupplung - Anfahren, Langsamfahren -, so dass schon von Beginn an die Bedeutung der Geschwindigkeitskontrolle immer wieder klar wird. Weiter geht es mit Schaltübungen und Verzögerungsübungen, die meistens auch kombiniert mit Herunterschalten erfolgen - also auch wieder die bewusste Geschwindigkeitskontrolle. Diese Übungen können nun im Laufe der Ausbildung einigermaßen nahtlos mit Verkehrssituationen verknüpft werden, z.B.: "Vor Rechts-vor-links-Kreuzungen solltest Du immer schauen und verzögern, d.h. bremsen und herunterschalten!"

Beim Automatikwagen dagegen kann schon leichtes Gasgeben zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h oder mehr führen. Hier muss der Fahrlehrer immer wieder gegenhalten und sozusagen künstlich üben lassen, was beim Schaltwagen völlig natürlich ist. D.h. es muss nun, gerade, weil die Sache so einfach ist, mit großem Nachdruck das langsame Fahren oder das Bremsen vor Kurven oder vor Abbiegen oder das langsame Fahren rückwärts geübt werden.

 

Tabellen über automatisierte Verhaltensabläufe:

Vorgang

1. Einfache Abläufe

Sitz einstellen

Den Hebel zur Sitzverstellung hochziehen, Sitz vor und zurückfahren. Die Kupplung ganz drücken, ausprobieren, ob das Knie dabei noch leicht gebeugt ist. Sitzhöheneinstellung betätigen, so dass Sie noch gut über das Lenkrad schauen können. Sitzlehne mit dem Schraubrad vor- und zurückstellen, möglichst in aufrechte Position. Lenkrad verstellen, so dass die Arme im Gelenk noch leicht gebeugt sind

Kopfstütze einstellen

Kopfstütze mit beiden Händen hinter dem Kopf packen, rauf oder runterziehen, bis sie mit der Kopfhöhe abschließt

Spiegel einstellen

Innenspiegel von außen anfassen, so verdrehen, dass das Heckfenster, vor allem die Oberkante, gut im Blickfeld ist. Außenspiegel mit Knopf oder Joystick an der Türinnenseite rauf und runter, vor und zurück drehen, so dass der Griff der hinteren Tür noch zu sehen ist

Gurt anlegen

Gurt mit der rechten Hand an der Schließe fassen, über den Brustkorb zum Gurtschloss führen. Dort mit kräftigem Druck einrasten. Die linke Hand hilft mit, indem sie den Gurt im Brustbereich nachführt

Lenkradsperre entriegeln

Zündschlüssel einstecken. Mit der linken Hand das Lenkrad hin und herbewegen. Gleichzeitig vorsichtig den Zündschlüssel in Fahrtrichtung, d.h. nach vorne, drehen

Motor anlassen

Leerlauf. Kupplung treten (!). Zündschlüssel nach vorne drehen, sofort loslassen, wenn der Motor läuft (Gehör, Drehzahlmesser-Beobachtung). Kupplung wieder loslassen

Gas geben

Leerlauf, Handbremse, Motor ist an. Gasfuß stützt sich auf der Hacke und an der Mittelkonsole ab, drückt auf das Gaspedal. Drehzahlmesser beobachten, Gas stabilisieren, z.B. bei 1.500 U/ min (Anfahrdrehzahl)

Kupplung schleifen lassen

Leerlauf, Handbremse, Motor ist an. Kupplung drücken, 1. Gang einlegen. Linken Fuß kommen lassen, spüren, bis der Schleifpunkt kommt. Fuß im Schleifpunkt festhalten. Auskuppeln, wiederholen

anfahren

1. Gang einlegen, Vorgas geben, Kupplung in den Schleifpunkt bringen, bei Anfahrt Schleifpunkt etwa 6 bis 8 m oder 3 Sek. halten. Dann die Kupplung vorsichtig loslassen. Linken Fuß auf den Radkasten setzen

Schalthebelführung

Kupplung drücken und nach Anweisung des Fahrlehrers Gänge einlegen - z.B.: 2 - 4 - 5 - 1 - 2 - 3 - 4 - 3 - 2 - 5 - 4 usw. 1. und 2.Gang: Daumen oben. 3. und 4. Gang: Daumen links unten. 5. Gang Daumen noch weiter unten, Hand zeigt nach rechts

schalten (Vorübung im Stand)

zuerst im Stand üben: Im 1.Gang "fahren" und Gas geben. Bei 2.000 U/ min (Fahrlehrer macht das Motorgeräusch) gleichzeitig rechten Fuß vom Gas nehmen und Kupplung drücken. 1. - 2. Gang. Kupplung vorsichtig loslassen, linken Fuß auf Radkasten setzen. rechter Fuß gibt wieder Gas

langsamer fahren

Innenspiegel, Gas wegnehmen, bremsen, Kupplung drücken

gleichmäßig langsam fahren (rollen lassen)

1. Gang einlegen, anfahren. Anschließend das Gaspedal loslassen. Der Motor zieht den Wagen mit Leerlaufgas gleichmäßig weiter, etwa im schnellen Fußgänger-Tempo. Der Motor geht nicht aus!  Dasselbe funktioniert auch im 2. Gang, nur etwas schneller

rollen lassen und bremsbereit fahren

wie oben im 2. Gang fahren und rollen lassen, ohne das Gaspedal zu berühren. Den rechten Fuß mit der Hacke vor dem Bremspedal aufstützen. Der rechte Fuß bremst nicht, sondern schwebt nur über dem Bremspedal - bereit, zu bremsen. Bei dieser Fahrtechnik können wir sogar etwas bremsen, ohne dass der Motor ausgeht. Das muss man einfach ausprobieren! Mit dieser Technik können wir z.B. beim Abbiegen im 2. Gang fahren, etwas bremsen und dadurch völlig die Kontrolle über die Geschwindigkeit behalten

langsam fahren (schubweise = "schubsen")

1. Gang einlegen, Gas geben, Kupplung schleifen lassen. Fährt der Wagen, Kupplung drücken und Fußspitze weg vom Gas. Wird der Wagen beim Ausrollen sehr langsam, wieder Gas geben...

sehr langsam fahren ("kriechen")

1. Gang einlegen, gleichmäßig, aber wenig Gas geben und Kupplung sehr wenig schleifen lassen. Mit der Kupplung etwas variieren, so dass der Wagen nur kriecht: Kupplung kommen lassen = etwas schneller fahren. Kupplung drücken = etwas langsamer fahren. Diese Übung ist zum Verständnis der Kupplung sehr wichtig! Mit der Kupplung kann man also "Gas geben" und "bremsen"

anfahren am Berg

anhalten mit Fußbremse, dann die Handbremse ziehen (am Knöpfchen drücken). 1. Gang einlegen. Gas geben, Kupplung schleifen lassen. Wenn der Schleifpunkt kommt, reduziert sich die Motordrehzahl, gleichzeitig geht die Motorhaube etwas hoch. Jetzt Handbremse lösen. Anfahren mit Schleifkupplung, die Kupplung etwa 3 Sekunden beim Anfahren im Schleifpunkt halten

Kupplungswaage

anfahren am Berg mit Hilfe der Handbremse. Jetzt so, wie in der Übung "kriechen" beschrieben, Gas halten und etwas mit der Kupplung im Schleifpunkt variieren: Kommen lassen = Gas geben, drücken = Bremsen, bis zum Zurückrollen wegen der Schwerkraft. Die Kupplungswaage ist erreicht, wenn es eine Balance gibt zwischen Schwerkraft (nach hinten) und Motorkraft (nach vorne), d.h. wenn der Wagen am Berg anhält: Nicht etwa mit Bremse, sondern mit Gas und Kupplung!

lenken in der Kurve

am besten in der Fahrschule vorüben. Dann in der Kurve im 2. Gang rollen lassen. Lenkrad ziehen - schieben oder übergreifen. Nach dem Lenken wieder gegen- = gerade lenken. Wir fangen in der Fahrschule mit der Methode Ziehen-Schieben an. Diese begünstigt das genaue Befahren einer Kurve, ist aber zugegebenermaßen etwas langsam. Wenn das Ziehen-Schieben gekonnt wird, üben wir anschließend das Übergreifen. Übergreifen ist schneller, manchmal auch ein bisschen zu schnell. Entscheidend ist aber letztlich der Umgang mit der Geschwindigkeit, d.h. der gekonnte Umgang mit Gas, Kupplung und Bremse

rückwärts fahren

Gurt abnehmen. Auf dem Sitz umsetzen und nach hinten schauen. Lenkrad beim Geradefahren am besten nur noch mit einer Hand halten, um besser nach hinten schauen zu können. Lenkrad gerade halten. Langsam fahren (Gas geben - Kupplung schleift - Kupplung drücken - kein Gas - Gas geben...)

auf ein Ziel hin bremsen

im 3. Gang fahren. Das Ziel wird genannt (z.B. "roter Pkw"). Innenspiegel schauen, bremsen, Kupplung treten, den 3. Gang so lassen. Den weiteren Bremsweg mit der Bremse regulieren. Zuerst mehr, dann weniger bremsen (= "degressives Bremsen")

heraufschalten in einen höheren Gang

feststellen am Drehzahlmesser oder durch Gehör, dass der Motor 2000 dreht. Innenspiegel schauen. Dann gleichzeitig Kupplung treten und Gasfuß (nur den Zehenballen) wegnehmen vom Gas. Höherschalten (z.B. vom 2. in den 3. Gang). Kupplung zweistufig loslassen (leicht schleifen lassen, dann ganz loslassen). Wieder Gas geben

Tempo verringern und herunterschalten

feststellen (Verkehr oder Fahrbahnverhältnisse), dass verzögert werden muss. Innenspiegel schauen. Je nach Drehzahl entweder bremsen oder wenigstens auf das Bremspedal tippen, um die Bremsleuchte aufleuchten zu lassen. Kupplung drücken. Herunterschalten (z.B. vom 3. in den 2. Gang). Kupplung zweistufig kommen lassen (schleifen lassen, loslassen). Weiter bremsen oder wieder Gas geben, je nach Lage

Blickreihenfolge (links)

Innenspiegel, Außenspiegel, Seitenblick (dabei Kopf leicht nach links drehen)

Blickreihenfolge (rechts)

Innenspiegel, Außenspiegel, Schulterblick (dabei Kopf einschließlich der Schulter stark nach rechts drehen)

Fahrzeug sichern gegen Wegrollen und Diebstahl

Handbremse anziehen (vorher den Bedienknopf der Handbremse drücken). Leerlauf schalten. Motor ausschalten. Zündschlüssel abziehen, Lenkrad verdrehen, bis die Lenkradsperre hörbar einrastet. Am Berg oder im Gefälle zusätzlich 1. Gang oder Rückwärtsgang einlegen

Klappen einfache Automatismen im Stand schon ganz gut, so kann es im Verkehr wieder Durcheinander geben. Dann muss eben wieder in Ruhe gesprochen und geübt werden.

Der nächste Schritt - wieder im Auto in Ruhe zu üben - sind komplizierte Abläufe, die sich aus mehreren einfachen zusammensetzen:

Vorgang

2. Komplizierte Abläufe

anfahren

Motor anlassen, Kupplung treten und 1. Gang einlegen, Innen- u. Außenspiegel, Blinken, Gas geben, Kupplung in Schleifpunkt bringen, Spiegel u. Seitenblick nach links, wenn frei, losfahren

anfahren am Berg ohne Handbremse (= "springen")

für diese Übung muss die "Kupplungswaage" (s.o.) gut beherrscht werden. Am Berg stehen im 1. Gang, Kupplung gedrückt, Motor läuft, rechter Fuß auf der Bremse, damit der Wagen nicht zurückrollt. Hinten darf kein Auto stehen und kein Fußgänger gehen. Mit dem rechten Fuß schnell aufs Gaspedal wechseln, weich und wenig Gas geben. Mit der Kupplung weich in den Schleifpunkt "springen" (d.h. es muss schnell gehen, sonst rollt der Wagen zurück). Diese Übung fördert auch das schnelle Anfahren bei Ampel Grün

verzögern

Innnenspiegel, bremsen, auskuppeln, herunterschalten in den geeigneten Gang, Kupplung weich kommen lassen; oder Bremsen u. auskuppeln, bis zum Stillstand

abbiegen

Innen-, Außenspiegel schauen, blinken, bremsen, herunterschalten, z.B. in den 2. Gang, Kupplung weich kommen lassen, bremsbereit fahren, Schulterblick; wenn frei, lenken, am Ende der Kurve Gas geben, gerade lenken

Fahrstreifenwechsel

Innen-, Außenspiegel, blinken (tippen), gerade lenken (einhändig, da tippen), weiterschauen und beurteilen, Seitenblick bzw. Schulterblick, einhändig u. wenig lenken nach links bzw. nach rechts

rückwärts fahren

Gurt abnehmen, umsetzen und nach hinten schauen. Von Zeit zu Zeit aber auch die Spiegel benutzen. Langsam fahren (s.o., = schubsen), gerade lenken oder nach rechts o. nach links lenken, wieder gerade lenken

Schließlich werden aus einfachen und komplizierten Abläufen sehr komplizierte Abläufe zu einem Set von Abläufen zusammengesetzt. Hier läuft die Verstandesarbeit - was ohne weiteres einzusehen ist - noch lange nebenher. Neben der praktischen Ausbildung finden wir es auch wichtig, die Vorgänge unseren Fahrschülern/innen verbildlicht anzubieten. Dies geschieht mit unserer Theoriesoftware click&teach, die alle Fahrschüler/innen vor oder nach praktischen Stunden gerne benutzen:

Vorgang

3. Sehr komplizierte, zusammengesetzte Abläufe

rückwärts parken (seitlich, längs)

beim Heranfahren an die Lücke: Innenspiegel, rechts blinken, vorsichtig bremsen. Halten parallel zum vorderen Pkw, etwa e1/2 m seitlich entfernt. Nach hinten schauen (umdrehen). Zurückfahren, bis die hintere Leuchte des rechts stehenden Pkw in Mitte hinterem Fenster unseres Pkw zu sehen (Golf: Höhe schwarzer Fenstersteg). Blick in den linken Außenspiegel, ob frei. dann weiterfahren und nach rechts drehen. Immer wieder nach hinten schauen. Umlenkpunkt: Wenn in unserem Innenspiegel, der hintere Pkw verschwunden ist, und wenn im Außenspiegel der hintere Pkw links außen zu sehen ist. Langsam weiterfahren, Lenkrad stark nach links drehen. Fahren, bis Auto parallel zum Bordstein, Lenkrad gerade drehen. Vorziehen zum vorderen Auto, bis Stoßstange gerade noch zu sehen. Handbremse ziehen, Gang heraus nehmen, Motor aus.

rückwärts parken (quer, im Parkhafen)

beim Heranfahren an die Lücke: Innenspiegel, rechts blinken, vorsichtig bremsen. Halten neben der 3. Lücke, vom freien Querparkplatz aus gezählt. Nach hinten schauen (umdrehen). Zurückfahren, bis mit dem Heck der Beginn der zweiten Lücke erreicht ist. Blick in den linken Außenspiegel und schauen, ob hinten frei ist. Dann vorsichtig losfahren und Lenkrad nach rechts drehen. Immer wieder nach hinten schauen. Zuerst im rechten Außenspiegel kontrollieren, ob wir  am Auto in der 2. Lücke vorbeikommen. Dann im linken Außenspiegel kontrollieren, ob wir am Auto in der Lücke links neben unserer freien Lücke vorbeipassen. Hier ist es meistens nötig, zu korrigieren. Korrigieren: Vorfahren (quer zur Fahrbahn), dann gerade zurückfahren. 
In der Lücke Lenkrad gerade drehen. Nach hinten schauen, Abstand zu den beiden Wagen kontrollieren, evt. mit Feinkontrollen am Lenkrad ausgleichen. Handbremse ziehen, Gang herausnehmen, Motor aus.

vorwärts parken ( in große Lücke)

beim Heranfahren an die Lücke: Innenspiegel, rechts blinken, vorsichtig bremsen, Kupplung treten, noch mehr bremsen. Außenspiegel, Schulterblick, und bei langsamem Tempo rechts in die Lücke hineinziehen. Sehr langsam fahren und noch mehr nach rechts ziehen. Der Bordstein bewegt sich nun scheinbar, durch den Überhang der Motorhaube, vorne in die Motorhaube hinein. Sehr, sehr langsam fahren. Wenn der Borstein beinahe die Hälfte der Motorhaube erreicht hat, nach links lenken, dann wieder nach rechts. D.h. mit wenig Gas und Schleifkupplung das rechte Vorderrad am Bordstein entlang tasten lassen - immer in Bordsteinnähe, aber nie berühren. Dadurch gerät auch die an sich unbewegliche Hinterachse immer mehr in Bordsteinnähe. Im rechten Außenspiegel Annäherung überprüfen. Sollte der Platz doch nicht reichen: Rückwärtsfahren, dabei die unlenkbare Hinterachse nach rechts bugsieren, anschließend durch Linksdrehen des Lenkrades die Vorderachse.

 

Zu Hause üben

Ältere Fahrschüler/innen tun sich mit den automatischen Abläufen oft sehr schwer; sie vergessen schlicht und einfach bis zur nächsten Stunde wieder einiges. Diese Vorgänge müssen daher besonders nachdrücklich geübt werden. Jedoch können ältere Fahrschüler/innen (aber nicht nur sie!) auch mit Gewinn zu Hause üben: Viele dieser Vorgänge werden ja erst mal im Stand, ohne dass der Motor läuft, geübt. So können sie z.B. im Auto eines Bekannten, Freundes usw. zuhause ebenfalls ausgeführt und damit besser behalten werden.

Wer kein Auto zur Verfügung hat, kann zum Üben einfacher Abläufe z.B. Küchengeräte benutzen:
- ein Kochlöffel dient zum Einüben der Schaltung
- mehrere Bürolocher, am Boden aufgestellt und dort befestigt, dienen zum Einüben der Pedalbedienung mit den Füßen
- Spiegel können rundum aufgestellt werden, um die Blickreihenfolge zu trainieren
- mit einem Deckel oder einer Wurfscheibe aus Kunststoff lässt es sich sehr gut "lenken"
- komplizierte Abläufe (z.B. das Abbiegen) kann man sich sehr gut mental vorstellen und dabei Hände und Füße spielerisch mitbewegen


Seitenanfang

 

 

 

Kommentare  

 
+3 #10 Frank Müller 2015-01-14 17:54
zitiere DerAnfänger:
Habe morgen meine erste fahrstunde und hatte ziemlich bammel davor. All meine Ängste sind kleiner geworden und ich fühle mich durch dieses erste Grundwissen zum Betrieb eines Autos gestärkt. Hoffe meine Fahrschule von der ich ein sehr gutes Bild habe, lehrt auch in demselben Stil wie sie es tun.
Dankbare Grüße aus dem Allgäu!


Lieber "Anfänger",
vielen Dank für den netten Kommentar. Nicht nur Angsthasen, sondern auch Fahrschüler haben Bammel vor den Fahrstunden. Wer sich die Grundfähigkeite n für den Betrieb des Autos in Ruhe aneignet und alles ordentlich wiederholt, hat einen wichtigen Schritt getan: Er fasst Zutrauen zu sich und zum Auto und ist bereit für weitere Abenteuer im Verkehr. Ich freue mich auch für jeden Fahrlehrer, der geduldig ist und diesem ersten wichtigen Schritt viel Zeit schenkt.
Umgekehrt tun mir die Fahrschüler leid, die über diese so bedeutende Etappe husch husch hinweggegezerrt werden. Sie bleiben ewig ein bisschen ängstlich, fangen an, bei einer Stoppkreuzung nach dem Schalthebel zu schielen und nicht auf den Verkehr zu achten. Denn sie haben Angst, ob sie den ersten Gang tatsächlich eingelegt haben. Da muss der Verkehr auf der Kreuzung halt ein wenig zurück stehen. Wenn die Ausbildung allerdings so durcheinander verläuft, dann hilft nur, die Fahrschule zu wechseln.
Schöne Grüße und weiter so bei Deiner guten Ausbildung.
Frank Müller (Angsthasenfahr lehrer)
Zitieren
 
 
0 #9 DerAnfänger 2015-01-14 00:06
Habe morgen meine erste fahrstunde und hatte ziemlich bammel davor. All meine Ängste sind kleiner geworden und ich fühle mich durch dieses erste Grundwissen zum Betrieb eines Autos gestärkt. Hoffe meine Fahrschule von der ich ein sehr gutes Bild habe, lehrt auch in demselben Stil wie sie es tun.
Dankbare Grüße aus dem Allgäu!
Zitieren
 
 
+1 #8 Ghary 2013-06-11 01:23
Sehr geehrter Herr Müller
Als kollege finde ich toll,dass Sie Menschen für Fahren Freude bringen und können ihre Ängste langsam und langasam abbauen.
In Berlin gibt es weinge Fahrschule ,die so
gut spezialisiert sind.
Viele Grüße
Ghary
Zitieren
 
 
+3 #7 René 2013-04-10 16:12
Sehr gut beschrieben und leicht verständlich. War ein Genuss diesen Artikel zu lesen.
Danke. FL B/CE/DE
:lol:
Zitieren
 
 
+4 #6 Alexandra 2013-02-07 20:33
Danke für ihre tolle Seite und ihre Mühe auch den Angsthasen das Fahren zur Freude werden zu lassen. Fühle mich durch ihre Seite motiviert genug weiter zu machen.
Zitieren
 
 
+1 #5 Tanja 2012-11-15 16:52
Ich bin beeindruckt. Nachdem auch ich festgestellt habe, in einer für mich nicht geeigneten Fahrschule gelandet zu sein, und deshalb wirklich ernsthaft an mir selber zweifel, freue ich mich sehr über Ihren Eintrag. Er hilft mir wirklich sehr weiter.
Zitieren
 
 
+2 #4 Nepomuk 2012-10-29 17:51
Herzlichen Dank, so kann ich mir nun auch zuhause gebetsmässig vorsagen, was ich implementieren muss. Eine besondere Freude werden mir die Blicke meiner Familie bereiten, wenn sie mich mit Locher, Dartscheibe und Kochlöffel auf dem Sessel wiederfinden... :oops: :lol: Liebe Grüsse aus Norddeutschland
Zitieren
 
 
+5 #3 Anny 2012-09-04 10:13
Vielen Dank für diesen Artikel, die Erklärungen sind super!
Zitieren
 
 
+9 #2 martin stöcker 2012-07-29 22:40
:P sehr geehrter herr müller, ich finde ihre webseite einfach super, mache gerade führerschein und muß feststellen, daß ich wohl in der falschen fahrschule gelandet bin, was mir beim lesen aufgefallen ist. ihre tipps sind sehr gut, werde mir ihre ratschläge gut einprägen. vielen dank, schade daß ich in bochum wohne, sonst würde ich zu ihnen wechseln. muß mir dann in bochum eine neue fahrschule suchen. nochmals danke. ein dankbarer fahrschüler.
Zitieren
 
 
+10 #1 Kersin Langer 2012-01-13 22:19
Das war sehr Hilfsreich. Ich bedanke mich sehr
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren