Leseprobe aus dem Kapitel Angst vor der Autobahn


Der Gedanke an das hohe Tempo der anderen machte ihr Angst

Leseprobe aus dem Kapitel Angst vor der Autobahn

Anmerkung: Die Leseprobe stammt aus dem Ratgeber "Keine Angst mehr  hinter Steuer" von F. Müller und H.J. Ruhr. Die  Leseprobe aus dem Ratgeber handelt  von Angst vor der Autobahn.

Autobahnangst ist die Angst vor Fahrten auf Autobahnen (oder anderen Schnellstraßen). Die Betroffenen fürchten das Einfädeln in den schnellen Fließverkehr oder das Fahren auf der Autobahn mit hohem Tempo. Dabei kann es, so ihre Furcht, zu schlimmen Unfällen kommen. Daher vermeiden sie schließlich das Fahren auf der Autobahn - obwohl sie es eigentlich gut können!

Der Ratgeber behandelt eine Reihe von Fahrängsten, beispielsweise: Angst vor dem Auto,  Angst vor dem Autofahren, Angst vor dem Verkehr, Angst vor der Autobahn, Angst vor der Fahrprüfung, Angst vor einem Unfall. Im Ratgeber wird gezeigt, wie Angst und Stress im Auto überwunden werden können, Grundlage des Ratgebers ist die SchaffenWir-Methode, Fahrängste in 7 Schritten zu überwinden.

Hier die Vorgeschichte:

Vera hat sich bei der Fahrschule wegen ihrer Autobahnangst angemeldet. Sie hat deswegen 20 Jahre vermieden, auf die Autobahn zu fahren. Bei der  Leseprobe geht es um Veras anfängliche Probleme mit ihrer Angst. Der weitere Teil des Kapitels geht auf die Angstbewältigung nach der SchaffenWir-Methode ein. Vera fuhr am Schluss sicher und gelassen auf der Autobahn.

Beginn der Leseprobe:

 

Hinweise aus der Praxis

Warum Vera Angst hat vor der Autobahn

Vera, 45 Jahre alt, hat den Führerschein vor 20 Jahren erworben. Sie ist seither kein einziges Mal selbst auf der Autobahn gefahren, nur als Beifahrerin.

Quälende Gedanken Vera verfolgt oft Berichte in der Zeitung oder im Fernsehen über furchtbare Unfälle auf der Autobahn. Da ist die Rede von Massenkarambolagen, Geisterfahrern, Nebelunfällen, Baustellencrashs. Immer wieder Verletzte und Tote. Sie hat auch von einer Bekannten erfahren, dass diese sich bei Regen auf der Autobahneinfahrt gedreht hat und gegen die Leitplanke gekracht ist. Zum Glück gab es nur Blechschaden. Sie saugt solche Berichte regelrecht auf und füttert damit ihre quälenden Gedanken. Sie weiß aber auch, dass das nicht gut ist für sie.

Angstgefühle Die Vorstellung, hohes Tempo fahren zu müssen, jagt ihr Angst ein. Sie glaubt, den Wagen dann nicht mehr beherrschen zu können: Jeder kleine Lenkfehler führt so zu unkontrollierbarem Schleudern. Aber auch der Gedanke an das hohe Tempo der anderen macht ihr Angst. Sie möchte gerne zu ihrer Sicherheit ein wenig langsamer fahren, aber dann, so fürchtet sie, „bin ich wohl ein rollendes Verkehrshindernis“.

Sie ängstigt sich, bei der Autobahneinfahrt auf schnellen, dichten Verkehr zu geraten. Sie glaubt, dass die anderen sie nicht herein lassen. Beim Überwechseln droht ihrer Vorstellung nach beinahe zwangsläufig ein schlimmer Unfall. Einfach stehen zu bleiben bedeutet für sie, wahrscheinlich nie wieder weg zu kommen. Außerdem, so glaubt sie, ist es auf dem Beschleunigungsstreifen neben der Autobahn ohnehin verboten, stehen zu bleiben.

Symptome Sie schildert die Symptome ihrer Autobahnangst so: „Wenn ich schon an die Autobahn denke, wird mit ganz blümerant. Ich bekomme Herzklopfen, schwitze, meine Hände werden feucht und verkrampft. Ich glaube, ich würde vor Angst gar nichts mehr sehen und denken.“ In letzter Zeit ängstigt sie sich auch auf Bundesstraßen. Wegen ihrer Autobahnangst und ihrer Angst vor schnellem Verkehr muss sie oft Umwege und Verzögerungen in Kauf nehmen. Nur in der Großstadt fährt sie noch aktiv.

Bei Urlaubsfahrten übernimmt ihr Mann das Fahren. Ihr Mann kann wegen einer Gehbehinderung das Auto inzwischen immer schlechter nutzen. Daher will sie nun etwas gegen ihre Autobahnangst unternehmen. Vera arbeitet als Angestellte in einer Bank. In der Bank wird rationalisiert. Ihr Arbeitsplatz ist bedroht, an dem sie viele Jahre zufrieden arbeitete.

Lebenswende Vera steht jetzt an einer Lebenswende. Jahrelang ging es ihr einigermaßen gut, die Autobahnangst war nicht so wichtig. Nun scheint es mit ihr und ihrem Mann bergab zu gehen: Sie wird vielleicht bald arbeitslos und ist nur eingeschränkt mit dem Auto mobil. Die jahrelang verdrängte Autobahnangst ist plötzlich lästig oder gar bedrohlich geworden. Aber weit entfernt davon, zu jammern, hat sie beschlossen, ihr Leben anzupacken und nicht zuzulassen, dass es ihr und ihrem Mann immer schlechter geht.

Bravo, Vera! Wir zwei nehmen uns vor, dass wir ihre Autobahnangst abbauen, so dass sie ihrem Ziel endlich näher kommt. Sie möchte mit dem Auto wieder mobil sein, ihren Mann fahren können, z.B. zum Arzt oder in den Urlaub. Und sie will sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Und wenn der nur über die Autobahn erreichbar ist, dann will sie in der Lage sein, dort sicher und gelassen zu fahren.

Wichtig

Lassen Sie nicht zu, dass Probleme Ihr Leben überwuchern, packen Sie die Probleme tatkräftig an. Bei jedem Schritt werden Sie selbstbewusster, und Sie leben glücklicher.

Definition

Die Autobahnangst gehört zu den Verkehrsängsten. Autobahnangst ist die Angst vor Fahrten auf Autobahnen (oder anderen Schnellstraßen). Die Betroffenen fürchten das Einfädeln in den schnellen Fließverkehr und das anschließende Fahren mit höherem Tempo. Ihrer ängstlichen Vermutung zufolge kann es dabei schlimmste Unfälle geben. Daher vermeiden sie das Fahren auf Autobahnen, obwohl diese eigentlich nicht gefährlicher sind. Autobahnangst ist eine übertriebene, nicht angemessene, schädliche Angst.

Achten Sie auf folgende Symptome oder negative Gedanken. Diese können Ihnen Hinweise geben, ob Sie an Angst vor der Autobahn leiden:

  1. Beim Gedanken an eine Fahrt auf der Autobahn bekomme ich Herzklopfen, zitternde Hände, oder mir bricht der Schweiß aus.

  2. Das hohe Tempo auf der Autobahn macht mir große Angst.

  3. Ich fahre seit Jahren nicht mehr auf der Autobahn.

  4. Ich glaube, auf der Autobahn passieren viele, schreckliche Unfälle.

  5. Wenn ich in die Autobahn einfahren will, lässt mich keiner der anderen Fahrer rein.

  6. Ich glaube, wenn ich in die Autobahn einfahren will, werde ich Opfer eines schrecklichen Unfalls.

  7. Wenn ich auf der Autobahn einen kleinen Lenkfehler mache, schleudert mein Auto sofort, und ich gerate in einen schweren Unfall.

  8. Ich muss auf der Autobahn hohes Tempo fahren, sonst behindere ich andere schwer und provoziere Unfälle.

Der Einstieg: Auf der Autobahn fahren wir sicher

Kontrapunkte gegen die quälenden Gedanken Zu Beginn beschäftigen wir uns mit ein paar rechtlichen Fragen: Die Autobahn gehört wegen ihrer Bauweise zu den sichersten Straßen in Deutschland. Niemand muss auf der Autobahn hohes Tempo fahren, 100 km/h reichen völlig. Es gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, aber die ist nur empfohlen. Viele Strecken sind außerdem von der Höchstgeschwindigkeit her stark begrenzt. Wenn jemand langsamer fahren möchte, z.B. im Tempo wie ein Lkw, dann ist es allerdings richtig, rechts zu fahren. Rechts fahren die Langsameren, links die Überholer und Schnelleren.

Vera ist es neu, dass die Autobahn die sicherste Straßenart ist (verglichen mit innerstädtischen und Bundesstraßen). Wir erstellen zusammen eine Liste, warum das so ist: Kein Gegenverkehr, keine Kreuzungen, Kurven, Gefälle und Steigungen nur sehr sanft. Damit fallen eine Menge Unfallgründe weg. Das versteht sie schon. Aber was ist mit Nebel, Baustellen, Geisterfahrern, schwierigen Einfahrten, Regen?

Ihre Einwände stimmen, aber in gefährlichen Situationen sollten wir immer ruhig und vorsichtig fahren. Damit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen: Vera darf auf der Autobahn, Kombinierte Ein- und Ausfahrt bei einer Autobahn - gut für Übungen gegen die Angst vor der Autobahnwenn es sein muss, auch vorsichtig und langsamer fahren. Das sieht sie theoretisch ein. Dennoch macht sie die Vorstellung, auf der Autobahn langsamer als andere zu fahren, unruhig. Wir stellen diesen Punkt erst mal zurück und verschieben die Diskussion auf die Zeit der praktischen Ausführung.

Wir können auf der Einfahrt warten Zu ihrem Problem mit den Einfahrten erkläre ich anhand einer Skizze folgendes: Laut §18 StVO hat der Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn der Autobahn die Vorfahrt.

Demzufolge gilt: Wer auf dem Beschleunigungsstreifen fährt und nicht gefahrlos überwechseln kann, muss eben warten. Von einem Verbot, dort zu warten, kann also keine Rede sein. Vera ist darüber erstaunt. Schnell kommt ihr Einwand: „Und wie komme ich von da wieder weg? “ Das ist ein Problem, aber bestimmt kein schwerwiegendes. Die Hauptsache, es passiert kein Unfall..

Wichtig

Angstgedanken quälen und blockieren Sie. Informieren Sie sich, ob sie überhaupt richtig sind.


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