Kleingruppenarbeiten im Theorieunterricht


Durch Kleingruppenarbeiten lernen alle besser. Außerdem macht es Spaß!

Kleingruppenarbeit - eine lerneffektive und kreative Methode im Fahrschulunterricht

Theorie-Unterricht - langweilig, uninteressant und unnötig? So sehen es einige Fahrschüler/innen, doch durch einfaches Wechseln der Unterrichtsformen wird das Interesse und vor allen Dingen die Aufnahmebereitschaft der Schüler gesteigert.

Hierbei bietet sich besonders die Kleingruppenarbeit an, die ohne großen Aufwand durchgeführt werden kann, aber den  Schülern umso mehr Spaß am Theorieunterricht bereitet.

Kleingruppenarbeiten sind das Salz in der Suppe eines guten Unterrichts. Wissenschaftliche Forschungen besagen, dass jeder Mensch durch Selbsttätigkeit im Unterricht wesentlich mehr lernt, als durch bloßes Zuhören oder Zuschauen. Auch wenn die Stofffülle noch so bedrückend ist und die Versuchung groß, den restlichen Stoff in der Kürze der Zeit irgendwie "durchzuziehen" - es bringt nichts!

Nehmen Sie sich Zeit, vergessen Sie die Stofffülle und lassen Sie Ihre Schüler/innen eine oder zwei Kleingruppenarbeiten machen: Diese werden begeistert sein, Ihren Unterricht spannend finden und obendrein eine Menge lernen.

Die Stärkeren im Unterricht helfen den Schwächeren

Sollten Sie Schüler/innen mit unterschiedlichem Vorwissen und verschiedener Begabung im Unterricht haben - umso besser! Bei Kleingruppenarbeit müssen die Starken den Schwächeren den Stoff erklären, und das kommt beiden zugute: Die Starken lernen durch das Erklären noch mehr dazu, die Schwachen kapieren es wahrscheinlich aus dem Munde eines ihnen nahe stehenden Vermittlers besser, als wenn Sie es erklären.

Bei der Methode "Durchziehen" per Frontalunterricht haben dagegen weder Sie noch die Schüler/innen ein gutes Gefühl. Und im Gedächtnis bleibt wenig zurück. § 3 FahrschAusbO besagt eindeutig, dass "die exemplarische Vertiefung wichtiger sein [kann] als die inhaltliche Vollständigkeit". Insofern haben Sie Rückendeckung durch den VO-Geber.

Die Methode Kleingruppenarbeit bedeutet allerdings nicht, ein Frage- Antwortspiel abzuhalten, z.B. nach dem Motto: "Wie tasten wir uns in die gefährliche Kreuzung hinein?" Antwort: "Vollgas..." usw.

Fahrlehrer können endlich mal Pause machen

Sie müssen als Pädagoge schon ganz zurücktreten und die Schüler/innen allein arbeiten lassen!

Kleingruppenarbeit - intensives Nachdenken und DiskutierenAuf diesem Bild sehen Sie ungefähr, wie es laufen sollte: Sie können vor dem Unterricht einigermaßen abschätzen, wieviel Schüler/innen anwesend sein werden. Sind es z.B. 10, dann drucken Sie 4 - 5 Arbeitsblätter für Kleingruppenarbeiten aus. Diese verteilen Sie dann während des Unterrichts an passender Stelle, erklären kurz die Aufgabe - und jetzt kommt's:

Sie ziehen sich zurück! Dies ist nicht räumlich gemeint, sondern pädagogisch. Trotz mehrfacher, teils "verzweifelter" Nachfragen beharren Sie darauf, dass jede Gruppe die Aufgaben der Aufgabenblätter zunächst selbständig lösen müsse. Erst dann geben die Gruppenmitglieder langsam auf und lösen die Aufgaben gemeinsam, ohne Ihre Hilfe. Und darauf kommt es an:

Denn der jetzt in Gang kommende Prozess, gemeinsam zu grübeln, nachzufragen, zu beraten, zusammen zu lösen, sich darüber zu freuen und alles nachher gemeinsam mit den anderen zu diskutieren - das bringt erstaunlich viel Lerneffekt und Interesse.

Gemeinsames Nachgrübeln

Ihre eigene Aufgabe beginnt erst nach dem Gruppenprozess: Sie rufen die Gruppen nacheinander auf, lassen sich die Ergebnisse mitteilen und schreiben diese an die Tafel. Dazu gehört auch, die falschen Lösungen an die Tafel zu schreiben! Dann wird gemeinsam, dieses Mal mit Ihnen, beraten, was gut, weniger gut oder nicht so gut ist.

Stimmungslöser

Arbeitsblatt - Verhalten an Kreuzungen: Auf wen bin ich wartepflichtig?Kleingruppenarbeiten brauchen nicht immer am Schluss eines bestimmten Themas eingebracht zu werden. Im Gegenteil - besser und belebender ist es, sie vor Behandlung des Themas anzusetzen: Damit können Sie die Stimmung wecken, Interessenschwerpunkte erkennen und vor allem Wissenslücken erkennen. Viele Schüler/innen wissen ja auch durch Arbeit mit den Fragebögen, durch Unterhaltungen mit Bekannten oder durch praktische Schulung schon ganz gut Bescheid.

Beispiel: Thema Vorfahrt oder Abbiegen.

Dazu existiert in der von der Fahrschule Schaffen Wir vertriebenen Unterrichtssoftware click&teach ein Arbeitsblatt "Auf wen bin ich wartepflichtig"? Dieses verdeutlicht sehr gut das Ineinandergreifen von Überlegungen zur Vorfahrt bzw. zum Vorrang an Kreuzungen. Das Arbeitsblatt verteilen wir an einzelne Kleingruppen. Die Schüler/innen müssen nun gemeinsam die Lösungen erarbeiten. Diese werden vom Fahrlehrer in einer Zeichnung an der Tafel eingetragen und gemeinsam besprochen. Zum Schluss empfiehlt es sich, auch die fertige Lösung in Form eines Arbeitsblattes mit nach Hause zu geben.

Fazit: Wer mit Arbeitsblättern und Kleingruppen gearbeitet hat, möchte diese Arbeitsform nicht mehr missen. Sie ergänzt und belebt den Frontalunterricht. Dessen Rolle ist im Idealfalle dann nur noch die, zwischendurch konzentriert zu informieren.

Angstabbau im Theorieunterricht: Selbständiges Denken

Beim Frontalunterricht ist der Fahrlehrer natürlicherweise Autorität, der Schüler gläubiger Konsument des Wissens. Dabei können schnell Informationen vermittelt werden. Auf die Dauer ist diese Art der Unterrichtsbeziehung allerdings zerstörierisch: Hier die Autorität, die alles weiß, dort der gläubige Konsument, der das Wissen schluckt. Kritik und selbständiges Denken werden auf diese Art nicht gefördert, im Gegenteil, es entsteht ein bisschen Angst. Dabei wollen wir doch als Ziel der Ausbildung einen Schüler, der gelernt hat, selbständig zu denken und allein zu entscheiden.

Eine bessere Methode, um die Schüler in den Unterricht einzubeziehen, ist der fragend-entwickelnde Unterricht. Dabei stellt der Fahrlehrer offene Fragen, die Schüler grübeln darüber. Wichtig dabei ist, nicht gerade reine Wissensfragen zu stellen. Beispiel, Unterricht über Vorfahrt: "Was bedeutet das Stoppzeichen?" Solch eine Frage tötet die offene Diskussion. Offene Fragen lassen Raum für Überlegungen und Berichte nach allen Seiten. Beispiel, wieder Unterricht über Vorfahrt: "Habt Ihr schon mal beobachtet, was an Stopp-Kreuzungen passieren kann?" Nun muss der Fahrlehrer seinen pädagogische Ungeduld zähmen und auf Beiträge warten. Diese kommen sicher reichlich, soweit der Fahrlehrer geduldig ist. Beiträge sollten per Situationsbild auf dem Smartboard aufgezeichnet und gemeinsam besprochen werden. Nachteil der Methode: Der Fahrlehrer kann seine pädagogische Ungeduld doch nicht kontrollieren, steht unter Stoffdruck und steuert unmerklich bis merklich die Auswahl der Antworten. So können sich die Schüler doch nicht entfalten. Sie sacken geistig in sich zusammen, nur ein paar Dauerredner melden sich profimäßig zu Wort.

Sehr belebend für die Eigentätigikeit der Schüler wirkt dagegen die Kleingruppenarbeit. Dabei hält sich der Fahrlehrer völlig heraus, außer es kommen konkrete Verständnisfragen zum Text. Beobachten Sie eine Runde kleiner Grüppchen Ihrer Schüler, die in Kleingruppenarbeit schwatzend, diskutierend und lachend zusammen sitzen und die Probleme bearbeiten. Es geht dabei nicht immer nur um den Stoff. Man kann auch weiteres bereden: Wieweit bist Du mit der Ausbildung, welche Schwierigkeiten hast Du, kommst du mit dem Fahrlehrer klar? Das sind Themen, die ebenfalls in einen lebendigen Unterricht gehören, wegen der Stofffixiertheit vieler Fahrlehrer leider wegfallen.

Achtung: Der fragend-entwickelnde Unterricht kann die Kleingruppenarbeit nicht ersetzen.

Lösungen, Probleme in Kleingruppenarbeiten

Es gibt zwei Arten von Kleingruppenarbeiten:

1. Solche, bei deren Fragen sich Schüler/innen konkrete Lösungen überlegen sollten. Die Lösungen stehen meistens schon fest. Das sind z.B. Kleingruppenarbeiten mit Themen wie dem oben angeführten ("Auf wen bin ich wartepflichtig?"). Dabei geht es um Fragen der Vorfahrt und Wartepflicht an Kreuzungen. Bei diesem Thema muss es natürlich feste, klare Lösungen bzw. dahinter stehende Regelungen geben.

2. Schwierigere Kleingruppenarbeiten sind solche, bei denen die Schüler/innen kreativ nachdenken oder ihr gesammeltes Wissen einbringen müssen. Es sind z.B. Kleingruppenarbeiten zu den Themen der Gefühle.

Die Prüfungsfragebögen empfehlen, wenn man von anderen im Verkehr bedrängt wird, am besten "cool" zu bleiben. Das ist aber nicht immer einfach, wenn man als Bedrängter Angst hat. Solche Probleme können sich nun die Schüler/innen vornehmen. Es gibt z.B. in click&teach eine Kleingruppenarbeit zum Verhalten, wenn man beim Befahren von gefährlichen Kurven bedrängt wird. Das nebenstehende Bild zeigt die Arbeitsbalttversion dieser Kleingruppenarbeit.

Kleingruppenarbeit - Verhalten gegenüber Fußgängern: Ein alter Herr betritt die FahrbahnZu den schwierigen, problemorientierten Kleingruppenarbetien gehören auch solche zu konkreten Alltagsfällen. Da gibt es z.B. in click&teach eine Kleingruppenarbeit "Ein älterer Herr betritt die Fahrbahn" (nebenstehendes Bild). Diese Geschichte ereignete sich bei einer Prüfungsfahrt. Es spielen hier eine Menge Aspekte mit hinein, juristische natürlich, aber auch fahrphysikalische und Wissen über das Verhalten verschiedener Fußgängergruppen, in diesem Fall über das Verhalten älterer Menschen.

Übehaupt sind Fallbeispiele die "Krone" unter den Kleingruppenarbeiten. Während in den Fragebögen immer nur einzelne Themen und hier wieder einzelne Antworten abgefragt werden, müssen sich bei den Fallbeispielen die Schüler/innen richtig anstrengen und viel Einzelwissen zusammenführen, damit eine befriedigende Lösung herauskommt.

Wir haben aber auch bei den lösungsorientierten Kleingruppenarbeiten darauf geachtet, nicht bloß Einzelwissen abzufragen, sondern möglichst pro Arbeitsblatt einen Zusammenhang zu bieten.

So gibt es z.B. in click&teach ein Arbeitsblatt zum Thema "Abbiegen nach links". Darin sind die einzelnen Möglichkeiten - bei links abbiegendem Gegenverkehr voreinander oder hintereinander links abzubiegen - übersichtlich zusammengefasst. Um die Aufgabe für die Schüler/inenn noch reizvoller zu gestalten, sollen bei diesem Arbeitsblatt die Fahrlinien in Kreuzungszeichnungen eingemalt werden. Und die Schlussfrage in diesem Arbeitsblatt - wie die Fahrlinie bei der Anweisung "zuerst nach rechts, anschließend nach links abbiegen!" auszusehen habe, sorgt dann regelmäßig für Aufregung und rauchende Köpfe.

Kleingruppenarbeit - Abbiegen nach linksZu jedem Thema die passende Kleingruppenarbeit

Aus vielen Fallgeschichten, Anregungen im Unterricht oder aus der Presse ergibt sich im besten Fall ein bunter Strauß von Arbeitsblättern zu allen möglichen Kleingruppenarbeiten. Idealerweise sollte - wie in click&teach - jedes Thema im entsprechenden Grund- und Zusatzstoff auch mit Arbeitsblättern vertreten sein. Dann ist der Fahrlehrer in der komfortablen Lage, jeden Unterricht mit der passenden Kleingruppenarbeit anzuheizen.


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