Sancho, der Fahrschulhund


Ein neuer Ausbildungsansatz - die Tiertherapie?

Sancho, der Fahrschulhund

Sanchito - der kleine Sancho ist aus unserem (Fahrschul-)Leben gar nicht mehr wegzudenken. 2003 kam er aus Spanien zu uns. Hauptberuflich vergnügt er sich jetzt mit unseren Fahrschülern/innen und unterstützt sie mit seiner lustig-lieben und ruhigen Art.  Seinen wohlverdienten Feierabend genießt er dann ausgiebig mit seiner Familie. Hier mehr zu Sanchos Geschichte - Wau Wau!

Katze oder Hund?

Jenny und Sancho auf dem Fahrschulsofa

Sancho ist ein Ratero oder Rater mallorquin. Das ist eine Hunderasse, die in Spanien, z.B. in Katalonien oder auf Mallorca, gezüchtet wird. Rateros sind liebe, kleine, familienfreundliche Hunde mit spitzen großen Ohren. Sie werden von den Spaniern auch zur Karnickel-, Ratten- oder Mäusejagd eingesetzt. Von ihrer Art und ihrem Aussehen her ähneln diese Hunde ein bisschen den Katzen.

Z.B. kann Sancho genüsslich schnurren, wenn er gestreichelt wird. Und er legt sich an einer Wiese am Waldrand gerne vor einem Mauseloch auf die Lauer. Im Gegensatz zu einer Katze hat er dafür aber nicht die nötige Geduld, sondern versucht, die Mäuse auszugraben. Dabei wird kräftig mit den Vorderpfoten Dreck nach hinten geschleudert und die Schnauze packt große Wurzeln und beißt und schleudert das Pflanzenteil zur Seite. Bei dem ganzen Tumult sind die Mäuse dann meistens weg. Aber egal, Spaß hat es jedenfalls gemacht.

"Zwerge in Not"

Sancho ist zu uns durch einen Rettungsverein für Hunde gekommen ("Zwerge in Not e.V.;" Web-Adresse  www.zwerge-in-not.de ). Hunde oder Katzen, die in Spanien auf der Straße herumstreunen, werden eingefangen und in ein Auffanglager gebracht. Wenn sich keiner findet, der sie haben möchte, werden sie getötet. Dieser Tiere erbarmt sich der Verein und seine unermüdlich tätige Vorsitzende Marina Täuber und versucht sie nach Deutschland zu vermitteln.

Wir glauben nicht, dass Sancho es in Spanien schlecht hatte, denn er ist zutraulich und lieb. Aber vielleicht ist sein Besitzer gestorben, und nach dessen Tod hat sich keiner mehr um den Hund gekümmert, so dass er auf die Straße geriet und dort irgendwann eingefangen wurde.

Sancho wühlt nach Mäusen

Meine Tochter hat sich von Marina überreden lassen und Sancho erst mal vorübergehend in Pflege genommen. Aber, wie es so kommt: Man gewöhnt sich aneinander, hat sich gern und so blieb er.

Zu Anfang war Sancho sehr krank, und nur durch Jennys Pflege und Bemühungen wurde er gerettet und gesund. Er hat damals eine schwere Operation aushalten müssen.

Streicheln, schnurren, zusammenringeln

Als Jenny ein gutes Angebot bekam, zu arbeiten, musste sie sich überlegen, was mit dem Hund geschehen sollte. Er blieb dann "vorübergehend" bei mir, d.h. beim Papa, und in der Fahrschule. Aus der provisorischen Bleibe ist inzwischen ein Dauerzustand geworden.

Sancho liegt oft auf dem Fahrschulsofa und lässt sich dort streicheln. Er fährt aber auch gern im Fahrschulauto auf der Rückbank mit. Dort ringelt er sich zusammen, schläft und schnarcht ein bisschen. Das finden die Fahrschülerin bzw. der Fahrschüler am Steuer sehr beruhigend. Ob scharf gebremst, schnell angefahren, verschaltet, Motor abgewürgt wird oder  das Auto bockt... Sancho schnarcht friedlich weiter. Ist das nicht der Beweis, dass der Fahrstil ganz in Ordnung ist, und dass der Fahrlehrer sich einfach zu viel aufregt?

Unsere Angsthäsinnen reagieren geradezu entzückt auf Sancho. Sie fühlen sich beruhigt, wenn er mitfährt. Ist das nun Tiertherapie? Egal, wie man es nennt, es tut ihnen wohl. Er ist aber auch ein lieber Hund. Wobei die Liebe bei ihm noch mehr wächst, wenn ihm Leckerlis mitgebracht werden. Für solche kleinen Liebesbeweise hat er ein ganz feines Gedächtnis.

Die vielen Leckerlis haben leider schon ihre Spuren hinterlassen. Zu deutsch: Das arme Tier droht ein wenig mollig zu werden. Ich will das aber gar nicht auf die netten Angsthäsinnen schieben. Sondern ich selbst kann seinem flehentlichen Gebettel kaum widerstehen und verwöhne ihn zu sehr. Irgendjemand muss mir beibringen, wie ich dem Bettelblick seiner treuen Hundeaugen widerstehen kann!

Gassi gehen

(ehemalige) Angsthäsin mit Sancho und PlüschhaseJeder Hund legt Wert darauf, viel ausgeführt zu werden. Und auch Sancho besteht mit Recht darauf. Also muss ich jetzt mindestens viermal täglich mit Sancho spazieren gehen. Und das ist für eine Fahrlehrer, der viel seiner Zeit im Auto verbringt, sicherlich eine gute Erfahrung. Besser wäre es allerdings, Sancho würde beim Spazierengehen auch mal schneller traben und nicht endlos nach Essbarem herumschnüffeln. Aber diese Marotte ist wohl seinem ehemaligen Dasein als Straßenhund in Barcelona geschuldet.

Sanchos beste Eigenschaften, laut Jenny: Er ist lieb, absolut verträglich, will einem alles recht machen. Und eine schlechte Eigenschaft: Er kann leider nicht richtig spielen, ist immer sehr ernst. Vielleicht auch das ein Erbe aus der Zeit als Straßenhund in Spanien?

Wenn Jenny mal zuhause ist hier in Berlin, dann will sie auch was von ihm haben und nimmt ihn zu sich. Dann kommt mir die Fahrschule etwas leer vor: Kein freundlicher Hund, der schweifwedelnd auf die Fahrschüler/innen zurennt und Leckerlis erbettelt. Und auf dem Rücksitz des Fahrschulautos nur der übliche Kram - Taschen, Jacken. Aber kein Sancho, der zusammen gekringelt schläft, ein bisschen schnarcht und Ruhe verbreitet. Hoffentlich kommt er bald wieder!

Frank Müller 01.10.2006


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